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Heiner Bartels ist der Kürbis-König von Rade

Kürbis-Experte Heiner Bartels an seinen liebevoll aufgebauten Erntepyramiden an der B 3 nahe der A-1-Abfahrt Rade. Fotos: Michaelis

Kürbis-Experte Heiner Bartels an seinen liebevoll aufgebauten Erntepyramiden an der B 3 nahe der A-1-Abfahrt Rade. Fotos: Michaelis

Seine Kürbispyramiden an der B 3 bei Rade sind Kult in der Region: Landwirt Heiner Bartels hat sich in zwanzig Jahren am Standort Rade auf das gesunde Fruchtgemüse spezialisiert. Jetzt darf er an der B 3 einen neuen Hofladen mit kleinem Café bauen.

Von Claudia Michaelis Samstag, 09.09.2017, 12:00 Uhr

Wenn Heiner Bartels Mitte August beginnt, seine ersten Kürbisse an der B 3 aufzubauen, ist das für viele Menschen in der Region das sichtbare Signal: Der Herbst ist da. Im September türmt der Wennerstorfer Landwirt seine Ernte dann zu bunten Pyramiden auf, und die Formen- und Farbenvielfalt seiner Kürbisse ist im Laufe der Jahre immer größer geworden. Seit mehr als 20 Jahren bietet Bartels auf dem 1400 Quadratmeter großen Feld am nördlichen Ortsausgang von Rade Blumen zum Selbsternten und im Herbst seine bunten Kürbisse an – neben einem kleinen Verkaufsstand mit Produkten seiner Wennerstorfer Hofstelle.

Längst ist Bartels‘ Stand eine ländliche Institution in Rade, doch für seine kleine Holzhütte hatte es nie eine Baugenehmigung gegeben. Um diesen Fehler zu heilen und dem 47-jährigen Landwirt sein Standbein in Rade langfristig zu sichern, wird die Gemeinde jetzt den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan für Rade-Nord ändern und das bisherige Außengelände ins Dorfgebiet einbeziehen.

Auf dem 2500 Quadratmeter großen Gelände an der B 3 will Bartels nun ein festes Gebäude neu bauen. Der neue Hofladen soll 250 Quadratmeter groß werden und könnte auf 150 Quadratmetern Fläche auch ein kleines Hofcafé beherbergen. Draußen soll es einen Spielplatz und eine Café-Terrasse geben. Nach drei Jahren Diskussion für und wider hat Neu Wulmstorfs Bau- und Planungsausschuss dem Vorhaben jetzt einstimmig grünes Licht gegeben. „Hier wird etwas gemacht, was für die Zukunft von großer Bedeutung ist und was die Menschen wollen: Einkaufen direkt beim Erzeuger“, begründet UWG-Ratsherr Hans Heinrich Wiegers die Zustimmung der Politik. Im nächsten Jahr will Bartels sein Vorhaben nun anpacken, 2019 soll der neue Hofladen dann fertig werden.

Auf 18 Hektar Fläche baut Bartels in Rade und Wennerstorf Kürbis an – im gesamten norddeutschen Raum gibt es wohl keinen zweiten, der es in dieser Größenordnung macht, weiß Bartels. Angefangen hatte er vor 20 Jahren mit 1000 Quadratmetern Zierkürbis. Doch die optisch ansprechende, vielgestaltige und obendrein sehr gesunde Frucht faszinierte den Landwirt so sehr, dass er sich nach und nach zum Kürbisexperten entwickelte. Weg vom Zierkürbis, hin zum Speisekürbis fand er immer neue Sorten, probierte, kochte und vertiefte sein Wissen. Mit der amerikanischen Halloween-Tradition entdeckten die Deutschen auch den Kürbis neu für sich.

Bartels’ aktuelle Favoriten sind der kleine grüne „Roulette“ und der längliche Kürbis „Butternut“. Sie haben viel Fruchtfleisch.

„Der Halloween-Push hat das sehr gefördert“, sagt Bartels. Die alte Sorte „Gelbe Zentner“ mit ihren riesigen hellgelben Früchten hat er auch noch im Programm, doch für Bartels ist sie das „Vorkriegsmodell“. „Der ist als Deko gut, doch wenn man Kürbis genießen will, gibt es heute viele andere geschmackvolle Sorten“, weiß Bartels. Sein Favorit ist im Moment der „Butternut“, ein fleischiger Kürbis mit nussigem Geschmack und wenig Kernen, „sehr gut zum Braten in der Pfanne“, empfiehlt Bartels. Auch Exoten wie den kleinen grünen „Roulette“ hat er neu entdeckt. Der ist in Afrika als „Squash“ bekannt und wird dort zur Ernährung von Kleinkindern genutzt, erzählt Bartels. In Wasser gekocht und oben den Deckel abgeschnitten, können die Kinder die Frucht auslöffeln, die viel Vitamine und Spurenelemente enthält: „Das ist besser als jedes Alete-Glas.“

Trotz aller Vielfalt und wechselnder Trends bleibt jedoch bei den Kunden nach wie vor eine Sorte der meistverlangte Renner, weiß Bartels: Der leuchtend orangefarbene „Hokkaido“ – „weil man ihn nicht schälen muss und er so schön Farbe in die Suppe bringt“.

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