Heizkraftwerk Wedel ist raus
Der Energielieferant Vattenfall wird sein veraltetes Kohlekraftwerk Wedel bis ins Jahr 2021 weiter betreiben. Foto Brandt/dpa
Wedel ist raus. Hamburg setzt bei seinen Planungen für die Fernwärmeversorgung der Zukunft nicht länger auf die Nachbarstadt im Kreis Pinneberg. „Es gibt zurzeit kein Szenario mit dem Standort Wedel“, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) jetzt im Hamburger Energienetzbeirat.
Die Umweltbehörde prüfe mehrere Modelle für eine dezentrale und ökologischere Erzeugung von Heizwärme ohne neues Gaskraftwerk. Alle diese Szenarien, so Kerstan, gingen vom Abbau des Kohlekraftwerks Wedel sowie einem Teilabriss der Wedeler Fernwärmeleitungen aus. Bisher galt das Gelände des Heizkraftwerks am Elbufer als Option für ein kleineres Ersatzkraftwerk oder mehrere Gasmotoren.
Der betagte Wedeler Steinkohlemeiler versorgt etwa 500 000 Wohnungen im Westen der Metropole mit Wärme. Die Anlage aus den 1960ern ist technisch veraltet und soll lieber heute als morgen vom Netz. Die Idee eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) als Nachfolger ist seit Eintritt der Grünen in den Hamburger Senat jedoch vom Tisch. Der grüne Umweltsenator Jens Kerstan strebt ein Wärmekonzept mit einem möglichst hohen Anteil erneuerbarer Energien und ohne fossiles Großkraftwerk an.
Das allerdings zieht sich hin. Die für diesen Sommer angekündigte Entscheidung zur Zukunft des Fernwärmesystems werde voraussichtlich erst Ende 2016 oder später fallen, kündigte der Senator nun an.
Immerhin zeichnen sich die Konturen der kommenden Fernwärmeversorgung allmählich ab. Die Umweltbehörde präsentierte im Energienetzbeirat Modelle für eine grünere Heizwärme. Laut Amtsleiter Hans Gabanyi plant die Stadt einen Mix aus mehreren Elementen.
So will die Stadtreinigung auf dem Gelände ihrer geschlossenen Müllverbrennungsanlage (MVA) Stellingen ein Biomassekraftwerk für Grünabfälle errichten. Auch soll dort eine kleinere MVA Hausmüll zu Wärme machen. Zusätzlich sind in Stellingen zehn Gasmotoren vorgesehen, dazu weitere sechs am Haferweg in Altona. In diesem Modell läge der Anteil erneuerbarer Energien laut Gabanyi bei 23 Prozent.
Sogar auf etwa 34 Prozent „grüne“ Wärme käme Hamburg, wenn zusätzlich Industrieabwärme des Kupferherstellers Aurubis zum Heizen ausgekoppelt wird. Wie dies technisch machbar wäre und wie teuer es würde, ist ziemlich umstritten. Nach Einschätzung von Vattenfall-Hamburg-Chef Pieter Wasmuth würde die Nutzung von Aurubis-Energie Investitionen ins Leitungsnetz und in Verteilstationen im „deutlich dreistelligen Millionenbereich“ erfordern. Vattenfall ist bisher noch Mehrheitseigner des Fernwärmenetzes, muss dieses aber 2019 an die Stadt zurückverkaufen.
Bis eine Nachfolgelösung für Wedel steht, muss der Steinkohle-Oldie noch mehrere Jahre weiterlaufen; die Rede ist von einem Zeitraum bis 2021. Die nötige technische Ertüchtigung für gut 80 Millionen Euro hat laut Wasmuth begonnen. Anfängliche Zweifel der Umweltbehörde an der aufwendigen Nachrüstung sind laut Kerstan ausgeräumt.