Helfried Weyers Appell zur Rettung der Erde
Fotograf, Buchautor, Mahner: Der Buxtehuder Helfried Weyer warnt in seinem Lebenswerk eindringlich vor der Klimakatastrophe und fordert ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit und einer neuen Energiepolitik, in deren Mittelpunkt die Sonne stehe
Er versteht seinen Appell zur Rettung der Erde als eine „Liebeserklärung an unseren Planeten“: Helfried Weyer, weitgereister Fotograf und Buchautor, stellte jetzt erstmals in Buxtehude sein „Lebenswerk“ vor.
Fotos aus 40 Jahren, die vor allem eines zeigen sollen: Wie schön die Erde ist – aber auch wie gefährdet diese Schönheit ist. Seine Worte sind das Plädoyer eines eindringlichen Mahners gegen den Klimawandel.
„Es geht um nichts anderes, als um den Erhalt unserer Erde“ – mit diesen Worten begann Helfried Weyers Vortrag im Atrium des Modehauses Stackmann in Buxtehude. Bevor er seine Dia-Show mit einer Auswahl seiner eindrucksvollsten Fotos aus allen Kontinenten zeigte, plädierte er eindringlich für eine Umkehr. Die Klimakatastrophe komme nicht, sie sei schon da.
Seine Anklage stützt sich unter anderem auf das Artensterben, die zunehmenden Naturkatastrophen, die Erderwärmung, die Abholzung des Tropenwaldes und das Profitstreben der westlichen Welt. Der Umwelt gehe es schlechter denn je. Weyer: „Unsere Wälder werden den Klimawandel nicht überleben.“
Weltweit habe sich in den vergangenen 50 Jahren die Zahl der Säugetiere halbiert, weltweit würden pro Jahr 58 000 Tierarten verschwinden. Weyer zitierte seinen Freund Franz Alt: „Täglich werden 150 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft geblasen. Hauptursachen: das Verbrennen von Kohle, Gas, Öl und Benzin. Wir verbrennen an einem Tag, was die Natur in einer Million Tagen an Kohle, Gas und Erdöl angesammelt hat. Das heißt: Wir verstoßen in der Relation von ein zu einer Million Mal gegen das Überlebensgesetz der Nachhaltigkeit.“ Sein Beispiel aus dem Verkehr: 84 Prozent des Verkehrs in Deutschland finde mit dem Auto statt – ein Spitzenwert der G20-Staaten. Weyer: „Verantwortlich ist einzig der Mensch.“ Seine Einschätzung: „Wir führen praktisch einen Dritten Weltkrieg gegen die Natur.“
Allerdings verbreitete der renommierte Fotograf und Vortragsredner auch Hoffnung: „Sind wir noch zu retten“, so seine rhetorische Frage mit der von ihm gegebenen Antwort: „Ich sage ja.“
Die Menschheit brauche einen grundsätzlichen Bewusstseinswandel und besonders dringend eine Energiewende. Weyer fordert ein Ende von Kohle- und Atomstrom.
Viele Länder wie Costa Rica, Kanada, Island oder Saudi Arabien hätten bewiesen, dass der Stromverbrauch mit erneuerbaren Energien gedeckt werden könne. Außerdem müssen das Artensterben und der Flächenverbrauch gestoppt werden. Alleine in Deutschland würde täglich eine Fläche in der Größenordnung von 100 Fußballfeldern betoniert. Die Menschheit befinde sich an einem Punkt, wo jede Handlung existenziell sei. Und: „Es wird kein Held kommen, der unsere Probleme löst, das müssen wir selber tun.“ Weyer nennt dies „eine Liebeserklärung an die Zukunft“. In seinem Buch heißt das Kapitel: „Bürger, zur Sonne, zur Freiheit“. Warum, so fragt er, setze die Menschheit weiter auf Erdöl, das nur noch etwa 30 Jahre zur Verfügung stehe und vernachlässige die Sonne, die einige Milliarden Jahre die Energie schenke, die alle brauchen?
Helfried Weyers Worten folgte die Dia-Show, in der vor allem die schönen Bilder aus der Welt gezeigt wurden – musikalisch und mit wenigen Texten von Weyer und seiner Frau Renate unterlegt. Auch dazu hatte er eine Erkenntnis für seine Zuhörer: „Wichtig ist die Botschaft, dass es solche Bilder in Zukunft nicht mehr geben wird“.
Der Abend endete mit dem Briefwechsel des ESA-Astronauten Alexander Gerst, der im Rahmen seiner Weltraum-Mission im Jahr 2018 aus der Internationalen Raumstation eine Nachricht in deutscher Sprache an seine zukünftigen Enkelkinder verfasst hatte. Seine Botschaft: „Im Moment sieht es so aus, als ob wir, meine Generation, Euch den Planeten nicht gerade in dem besten Zustand hinterlassen werden.“
Den Antwortbrief von der Erde in den Weltraum verlas die 17-jährige Buxtehuder Klima-Aktivistin Marlene Kosin, die in der „Fridays for Future“-Bewegung aktiv ist. „Macht doch erst mal Eure Hausaufgaben hier auf der Erde, bevor Ihr nach draußen zum Spielen geht. Das müssen wir ja schließlich auch.“
Seit 1968 ist der Fotograf Helfried Weyer permanent auf Reisen, um Vorträge zu halten und neue Themen zu fotografieren. Seine Reisen brachten ihn nicht nur zu ungewöhnlichen Zielen in über 80 Ländern der Welt, sondern auch zu ungewöhnlichen Menschen: zum Dalai Lama, zu den Erstbesteigern des Mt. Everest, Sir Hillary und Tenzing Norgay, in die Antarktis und zu den letzten Polareskimos in Thule.
Sein am Montag ausverkaufter Vortrag wird am Sonntag, 2. Februar 2020, um 17 Uhr im Buxtehuder Kulturforum am Hafen neu aufgelegt.