Zähl Pixel
Archiv

Hells-Angels-Unterstützer in Stade

Eine Gruppe mit dem Namen „Nordmaenner“ hat sich gegründet und bezeichnet sich als „Supporter“ der Rockergruppierung – Die Polizei beobachtet die Entwicklung.

Von Karsten Wisser Dienstag, 07.02.2017, 15:22 Uhr

Es gibt in Stade offenbar einen neuen Rockerclub. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage, dass es in der Hansestadt seit kurzem die Gruppe mit dem Namen „Nordmaenner“ gibt. In den sozialen Medien kursieren mehrere Aufnahmen, die die jungen Männer in den rot-weißen Westen mit dem Namenszusatz Stade zeigen.

Die Farben und der Facebook-Auftritt der Gruppe verorten die „Nordmaenner“ als Unterstützer der bekannteren Hells Angels. Sie selbst bezeichnen sich als „Supporter“ der Hells Angels. „Wir kennen die Entwicklung und unsere szenekundigen Beamten beobachten die Entwicklung“, sagt Andre Janz, Sprecher der Polizeiinspektion Stade. Mehr wolle die Polizei nicht sagen, um die Gruppe nicht unnötig aufzuwerten. Ob die Gruppe eigene Clubräume hat, ist ebenso wie die Anzahl der Mitglieder noch unbekannt. Dem TAGEBLATT liegt ein Gruppenfoto mit zehn Personen vor, davon sind zwei Mitglieder der Hells Angels. Insider gehen davon aus, dass es Ziel ist, die Gruppe in ein sogenanntes Chapter, einen regionalen Unterverein, der Red Devils oder gleich in ein Hells-Angels-Chapter umzuwandeln. Die Red Devils sind die offizielle Unterstützungsgruppe der Hells Angels.

Zur neuen Gruppe gehören Kampfsportler und Bodybuilder aus der Region. Sie sollen sich in den vergangenen Monaten in Harsefeld getroffen haben. „Es war noch nie so einfach, bei den großen Clubs angenommen zu werden. Alle rüsten auf“, sagt ein Experte der Rockerszene.

Formationen wie die Hells Angels werden von den Sicherheitsbehörden überwacht, weil ihnen in Teilen eine Nähe zur organisierten Gewalt nachgesagt wird. Es geht dabei meistens um Prostitution, Drogen, unerlaubten Waffenbesitz und ähnliche Dinge. Allerdings streiten die Clubs das im Regelfall ab und geben öffentlich den einzelnen Mitgliedern die Schuld, wenn es zu Verurteilungen kommt.

In Stade gab es in der Vergangenheit zwei Chapter der sogenannten Outlaw Motorcycle Gangs. Das waren Gremium MC und die Mongols MC. Beide haben sich inzwischen aufgelöst. Während es sich bei den Mongols in Stade eher um ein Internet-Phänomen handelte, stand Gremium Stade mit ihrem Stützpunkt in dem ehemaligen Ausflugslokal „Symphonie“ in Hollern an der Schwinge oft im Fokus des öffentlichen Interesses. Die Führungsgruppe des Chapters wurde im September 2013 auf dem Biker-Fest „Sound of Freedom“ in Freiburg von einer großen Gruppe von Personen angegriffen, die den Mongols in Cuxhaven zugerechnet wurde. Die Opfer wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Sechs der Täter wurden in einem 14-monatigen Prozess im Oktober 2015 schuldig gesprochen. Wegen gefährlicher Körperverletzung ordnete das Landgericht Stade mehrjährige Freiheitsstrafen zwischen fünf und sechs Jahren und neun Monaten an. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Gremium Stade bereits aufgelöst. Der Club beendete seine Existenz im August 2014. Der öffentliche Druck und die Überwachungsmaßnahmen der Sicherheitskräfte waren der Grund dafür.

Ein anderes Kapitel mit einer juristischen Auseinandersetzung ist gerade erst geschlossen worden. Der frühere Gremium-Vizepräsident und „Symphonie“-Eigentümer Sebastian Stöber hat letztinstanzlich bestätigt vom Land Niedersachsen Schadenersatz in Höhe von 6000 Euro für eine aus dem Ruder gelaufene Durchsuchungsaktion von Spezialkräften der Polizei in der „Symphonie“ zugesprochen bekommen. Das TAGEBLATT hatte über den Prozess berichtet. Aktuell bereitet Stöber eine weitere Klage vor. Er will vom Landkreis Stade Schadenersatz für die aus seiner Sicht zu unrecht blockierte Nutzung der „Symphonie“ bekommen.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.