Henning Scherf sieht den demografischen Wandel als Chance
Der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf (links) diskutierte mit Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt, Moderatorin Birte Christiansen, Horst Rademacher vom Verein „Miteinander - Füreinander“ und dem Sparkassen-Vorstand Heinz Lüers
Die Stadt Buxtehude steht vor großen Herausforderungen: Bis zum Jahr 2025 wird sich die Anzahl der älteren Bürger von heute 8600 (+65) auf mehr als 10.000 erhöht haben.
Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich auf 4000 verdoppeln. 2050 werde bereits jeder Dritte mindestens 65 Jahre alt sein. „Das ist kein Grund, schwarz zu malen“, sagte der frühere Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf, in der Sparkasse in Buxtehude. „Es ist ein Glück, dass wir heute so alt werden können“, betonte Henning Scherf am Freitagabend vor rund 150 Zuhörern in der Halle der Sparkasse Harburg-Buxtehude auf Einladung des Vereins „Miteinander - Füreinander“ und des Finanzinstituts. Doch das Glücklichsein im Alter komme nicht von allein, Einsamkeit und Vereinzelung müssten vermieden werden. Notwendig seien laut Scherf ein „Netzwerk, in das man aktiv eingebunden ist“ und „generationenbergreifende Angebote“. Für den Bremer sind Mehrgenerationen-Wohngemeinschaften „die neue Nachbarschaft“. Er lebt seit 1987 so. Die Hausbewohner in dem behindertengerecht ausgebauten Haus mit Gemeinschaftsgarten achteten aufeinander, regelmäßig werde gemeinsam gefrühstückt oder in den Urlaub gefahren; wer keine Kinder habe, erlebe so das Familienleben mit.
Die aktiven Alten könnten viel in die Stadtgesellschaft einbringen – ihre Freizeit und ihre Lebenserfahrung. Er engagiere sich seit elf Jahren einmal in der Woche als Vorleser in einer Grundschule. „Wichtig ist, dass man rauskommt“, bringt es der frühere Bürgermeister auf den Punkt. Der 78-Jährige fordert die Senioren auf, sich aktiv einzumischen – und unter anderem für Barrierefreiheit zu kämpfen.
Alte seien „keine Last, sondern eine Chance für die Stadtentwicklung“. Die Senioren könnten sich in Wohn- und Alltagsbedürfnisse reindenken. In altersdominierten Gesellschaften sei es wichtig, einen ausgewogenen Generationenmix in Stadtteilen zu haben: Junge, Alte, Flüchtlinge und Behinderte bunt gemischt, „das ist unsere Zukunft“. Das müsse sich auch in der Entwicklung neuer Quartiere („ohne Zäune mit viel Nähe“ und „mit neuen Wohnformen von Alten-WGs bis zu Mehrgenerationen-Wohngemeinschaften“) widerspiegeln. Ein gutes Beispiel sei laut Scherf das integrative Mehrgenerationen-Wohnprojekt der „Claudius-Höfe‘‘, ein Dorf mitten in der Stadt, in Bochum.
Bezahlbare und altengerechte Wohnungen fehlten laut Vereinschef Horst Rademacher in Buxtehude. Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt sieht im Baugebiet Giselbertstraße und Infos unter anderem zu Fördermitteln beim Umbau im Bestand einen Weg, diesen Mangel zu beheben. Scherfs Vorstellung vom Wohnen werde 2018/2019 an der Giselberstraße realisiert. Sie will die aktiven Alten einbinden – auch über die Seniorenkonferenz.
Sparkassen-Chef Heinz Lüers versicherte, dass auch die über 60-Jährigen noch einen Kredit für den altengerechte Umbau von Haus oder Wohnung bekommen könnten – trotz der scharfen Wohnimmobilienkreditrichtlinie.
Eine gute Nachbarschaft und eine solidarische Hilfe, wie beim Verein „Miteinander - Füreinander“, seien heutzutage wichtiger denn je, waren sich Sparkassen-Chef und Bürgermeisterin einig. Scherf mahnte zum Schluss: Statt immer neue Heime zu bauen und die Alten zu Pflegebedürftigen zu machen, müsse Nachbarschaft aktiviert und die Pflege zu Hause ermöglicht werden.
Mehr Infos bei „Miteinander - Füreinander“ in der Hauptstraße 15 dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr.
www.miteinander-füreinander-buxtehude.de
Blick auf das Podium in der Sparkasse Harburg-Buxtehude.
Blick auf einige der 150 Zuhörer.