Herdenschutz: Pyrenäenberghunde passen auf die Hühner auf
Geflügelhof-Chef Henner Schönecke und Betriebsleiterin Janna Oelkers versprechen sich viel vom Einsatz der Pyrenäenberghunde im Freilandgehege auf dem Hexenberg. Noch sind die beiden Hündinnen in der Eingewöhnungsphase. Bald werden sie zwis
Der Elstorfer Geflügelhof Schönecke setzt jetzt Pyrenäenberghunde zum Schutz seiner Legehennen ein. Sie sollen die Greifvögel fernhalten, die in den Freilandgehegen Hühner schlagen und die Vögel auch davor schützen, in die Rotoren der Windparks zu geraten.
Die braune Lohmann, so heißt die Legehennenrasse, die auf dem Elstorfer Geflügelhof Schönecke tagtäglich ihrer Pflicht nachkommt und die bei den Kunden stark gefragten braunen Eier produziert, hat ungewöhnliche Aufpasser bekommen. Sie sind groß, weiß und dicht befellt und mögen auf den ersten Blick so gar nicht in einen Hühnerhof passen: Zwei Pyrenäenberghunde sind vor einigen Tagen in das Freilandgehege auf dem Hexenberg eingezogen. Noch sind die beiden Hündinnen dabei, sich an ihr neues Revier zu gewöhnen. Aber schon bald werden sie Aufpasser für die 38.000 Hennen sein, die Schönecke in seinen beiden Freilandgehegen am Taterberg und am Hexenberg laufen lässt.
Als die Kunde vom geplanten Einsatz der Herdenschutzhunde für die Hühner vor Wochen an die Öffentlichkeit geriet, hatten Naturschützer um den Uhufreund und Hobby-Ornithologen Wilhelm Hartmann die Idee als „völlig durchgeknallt“ bezeichnet. Auch für Schönecke ist der Einsatz der Hunde Neuland, aber ein Versuch, von dem sich der Geflügelhof-Chef und seine Betriebsleiterin Janna Oelkers einiges versprechen.
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Mit dem Streit um die Windräder, die sich in der Nähe der Gehege bereits im Windpark Immenbeck drehen und demnächst durch drei weitere Rotoren am Freilandgehege im Windpark Ardestorf ergänzt werden sollen, hätten die Hunde nicht viel zu tun, stellt Schönecke klar. Seit 20 Jahren betreibt der Geflügelhof Freilandhaltung, und seit 20 Jahren gebe es dort die Greifvögel, die sich jeden Tag zwei bis drei Hühner holen, berichtet Schönecke, der mit seiner Frau Ruth Staudenmayer den Elstorfer Traditionsbetrieb führt.
„Wir haben schon immer überlegt, wie wir das Problem in den Griff bekommen“, sagt Schönecke. Denn nicht nur für den Betrieb sind die 700 bis 1000 Hühner pro Jahr ein Verlust. Es gehe auch ums Thema Tierwohl und darum, dass die Hennen weniger Stress haben, erklärt Janna Oelkers. Denn die Raubvögel warten meist schon morgens darauf, dass die Hühner aus dem Stall kommen. Sie werden dann gleich geschlagen und direkt im Gehege vor den Augen der anderen Hennen verspeist. Das bereite den Tieren erheblichen Stress.
Berichte anderer Geflügelbetriebe, die mit dem Einsatz von Herdenschutzhunden bereits gute Erfahrungen gemacht haben, hätten ihn nun bewogen, das auch zu probieren, sagt Schönecke. Betriebe wie der Tostedter Gänsezüchter Manfred Schwerk haben Herdenschutzhunde schon länger im Einsatz. Schwerk schützt seine Tiere damit allerdings eher gegen Fuchs und Wolf denn gegen Raubvögel.
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Als besonders geeignet für den Job gelten die Pyrenäenberghunde – eine alte französische Rasse, die schon vor Jahrhunderten von Schäfern in den Pyrenäen eingesetzt wurde. Diese Hunde sind keine Hütehunde, die die Herden zusammenhalten, sondern Schutzhunde, die sehr wachsam sind und alles um die Herde herum im Blick behalten, erklärt Ruth Staudenmayer.
Die beiden jungen Hündinnen leben im Zwinger im Auslauf mit den Hühnern. In ihrem acht Hektar großen Territorium rund um den Stall am Hexenberg sollen sie vor allem die Zäune bewachen und den Himmel im Auge behalten. Plant ein Raubvogel einen Angriff, laufen sie dorthin. Natürlich greifen die Hunde die Vögel nicht an, aber es werde unattraktiv für sie, weil sie sich nicht mehr im Auslauf hinsetzen und ihre Beute fressen können, hoffen Schönecke und Oelkers.
Ziel der Aktion sei auch nicht der Rotmilan, denn der jage gar keine Hühner, sondern Hühnerjäger wie Bussard, Habicht und Seeadler. Und auch die Fressfeinde am Boden. Zwar könne der Fuchs inzwischen durch den Elektrozaun gut ferngehalten werden, doch der Marder komme überall durch. Auch für ihn seien die Hunde eine Bedrohungslage und würden ihn fernhalten, hofft Schönecke.
Mit der Windkraftdebatte habe all das eher wenig zu tun, betont Schönecke. Zum Schutz des streng geschützten Rotmilans werde es Auflagen zum zeitweiligen Abschalten der Rotoren geben, weiß der Landwirt. Ohnehin glaube er nicht, dass die Raubvögel Opfer der Rotorblätter werden. Sie würden nicht so hoch fliegen, wenn sie sich Hühner holen. „Wir haben bisher noch keinen toten Vogel gefunden, und wir sind hier täglich unterwegs.“
Der Pyrenäenberghund, auch Patou genannt, ist eine französische Hunderasse, die bereits im 15. Jahrhundert als Wächter in den Schlössern der Pyrenäen ihren Dienst tat. Später wurde er als Hüte- und Herdenschutzhund eingesetzt. Die imposanten Tiere haben eine Widerristhöhe bis 80 Zentimeter, sind muskulös und beweglich. Sie gelten als aufmerksam, wachsam, mutig, relativ selbstständig und abgehärtet. Fremden gegenüber sind sie misstrauisch und verteidigen die ihnen Anvertrauten mit aller Kraft.