Herren über Schranken und Stellwerke
Das Büro-Team der Signaltechnik in der Zentrale in Bremervörde (von links): Nicolai Breden, Valerij Makogonov und Wolfgang Melzer. Foto: von Allwörden
Sie wirken im Hintergrund, sind aber enorm wichtig für die Sicherheit der Züge der EVB im Verkehr. Die Abteilung für Leit- und Sicherheitstechnik in der Bremervörder Zentrale der Bahngesellschaft. Eine EVB-Serie.
Sie kümmert sich um Bau, Überwachung und Wartung der Signale, Schranken, Gleisweichen und Stellwerke. „Die größte Angst bei uns allen ist der Super-GAU“, sagt Wolfgang Melzer. Der Informationselektroniker arbeitet seit 1994 in der Abteilung, davon die letzten zehn Jahre als Chef. Dieser Super-GAU wäre ein Unfall, der durch defekte Signal- oder Weichentechnik verursacht worden wäre. Gegeben hat es ihn zum Glück bisher nicht. Und dafür haben Melzer und sein Team eine ganze Menge getan. „Wir haben einen ausgefeilten Wartungsplan, der die Gefahr eines Defektes deutlich verringert“, sagt der Chef, der genau mit diesem Ziel angetreten ist – und es konsequent umgesetzt hat. Und ein weiteres Ziel haben Melzer und seine beiden Mitstreiter in der Zentrale, der Elektroingenieur Nicolai Breden und der Elektronikmeister Valerij Makogonov: Schäden an den Signalen sollen binnen kürzester Zeit repariert werden. Auch das haben sie erreicht – durch zwei Rahmenbedingungen: Zum einen haben sie ein gut strukturiertes Materiallager und Liefersystem, um schnellstens an Ersatzteile zu kommen. Zum Teil wird hier auch mit der großen DB Netz, der Bahntochter, die für die Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn zuständig ist, kooperiert.
Zum anderen gehört ein flexibles Team dazu, wenn es darum geht, mitten in der Nacht rauszufahren und auch mal zwölf Stunden zu arbeiten. „Und ein solch flexibles Team haben wir“, sagt Wolfgang Melzer über seine kleine Abteilung, der neben seinen beiden Kollegen im Büro zehn Handwerker angehören (siehe Datenkasten). Der Chef: „Wir sind eben Signaler und haben eine besondere Einstellung zum Beruf.“ Wenn Not am Mann sei, seien alle Mann an Bord. Andererseits können seine Leute jederzeit auch mal frei bekommen oder auch mal fünf Wochen Urlaub am Stück machen. „Das ist ein Geben und Nehmen“, sagt Melzer, der schon ein wenig stolz ist, dass es in seiner Abteilung eigentlich keine Kündigungen gibt.
Seine Handwerker – überwiegend Elektroniker, die intern von den EVB zu Signaltechnikern weitergebildet wurden – sind in der Regel unterwegs zu Wartungsarbeiten und beheben Störungen, die entweder in der elektronischen Fernüberwachung registriert oder von den Lokführern gemeldet werden. Sie haben 158 Signalanlagen, 16 Stellwerke und 96 Gleisweichen auf dem EVB- eigenen Streckennetz zu betreuen. Sie erledigen dieses Anlagenmanagement auch für die kleine Delmenhorster Eisenbahngesellschaft DHE und das Güterstreckennetz im Jade Weser Port in Wilhelmshaven.
Diese Arbeit ist Alltag und Routine ebenso wie die Überwachung in der Zentrale oder die Bau- und Projektleitung bei Um- und Neubauten von Signalanlagen oder Stellwerken. Als schnelle Einsatztruppe müssen die Signaler der EVB immer dann reagieren, wenn es zu Störungen kommt. Die häufigste Ursache dafür sind Blitzeinschläge, die Signalanlagen beschädigen oder im Extremfall sogar komplett zerstören. Um hier in der Nacht und am Wochenende sofort reagieren zu können, gibt es einen Bereitschaftsdienst. Auch Melzer und seine Kollegen im Büro reihen sich hier ein. „Das macht den Job doch gerade so interessant und vielfältig“, sagt Ingenieur Nicolai Breden, der seit 2011 bei den EVB arbeitet.
Neben der Wartung und der schnellen Reparatur bei Störungen plant das Team Melzer vor allem die Erneuerung der Signal- und Stellwerktechnik. „Wir haben einen Erneuerungsplan für die Signaltechnik bis zum Jahr 2025“, sagt Breden. Dazu gehört etwa die Verbesserung von Bahnübergängen, die an Feldwegen etwa nur durch ein Andreaskreuz gesichert sind, oder die Erneuerung von alten Schrankenanlagen. Das sind oft auch politische Entscheidungen, die dahinter stehen, denn die Kosten für solche Baumaßnahmen werden zwischen EVB, dem Land Niedersachsen und der Kommune gedrittelt. Eine sehr große Bau- und Erneuerungsmaßnahme plant Melzers Abteilung momentan: Im zentralen Bremervörder Bahnhof wird das gesamte Stellwerk erneuert. Dazu wird auch ein Neubau realisiert, in dem künftig die Fahrdienstleiter sitzen. Dieser moderne Neubau ist zwar auffällig, kostet mit unter einer Million Euro allerdings nur einen Bruchteil der Gesamtinvestition von rund 13 Millionen Euro. Richtig teuer ist die neue Stellwerktechnik. Auch dieses Projekt, das Ende 2018 abgeschlossen sein soll, trägt dazu bei, dass Melzer, Breden und die anderen ihren Job ausgesprochen vielfältig und spannend finden.
Wer hinter den Abteilungen der EVB steckt, welche Arbeiten die Menschen im Hintergrund verrichten müssen, damit der Schienenpersonennahverkehr reibungslos funktioniert: All diese Themen greift TAGEBLATT-Autor Peter von Allwörden in einer neuen Serie über die EVB auf – vom Lokführer über den Fahrgastbetreuer bis zum Bauingenieur, der sich um die Gebäude kümmert.