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Herzlicht: Sie stehen trauernden Kindern zur Seite

Bei der Hospizgruppe kümmern sich Elin Magnusson (links) und Maria Traut um die Koordination der Aktivitäten. Foto Beneke

Bei der Hospizgruppe kümmern sich Elin Magnusson (links) und Maria Traut um die Koordination der Aktivitäten. Foto Beneke

Sie leistet Pionierarbeit und holt das Thema Tod aus der Tabuzone: Die bei der Hospizgruppe Stade angesiedelte Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, bekannt unter dem Projektnamen Herzlicht, wird zehn Jahre alt.

Freitag, 16.09.2016, 14:42 Uhr

Koordinatorin Maria Traut kümmert sich um Mädchen und Jungen, deren Angehörige verstorben sind. Außerdem helfen Ehrenamtliche dem todkranken Nachwuchs oder deren Familien. Ein Engagement, das nur durch Spenden möglich ist. Die Umstände sind stets individuell. Die Betroffenen eint nur der Tod eines nahen Angehörigen. „Es ist überhaupt nicht planbar“, erklärt Traut, die das Projekt als Hauptamtliche leitet. Vor neun Jahren erfuhr die damals selbstständige Trauerbegleiterin aus Hamburg eher zufällig von der freien Stelle bei der Hospizgruppe in Stade, stellte sich vor und bekam den Job. Seither hat sie 300 Kinder und ihre Eltern betreut.

„Es geht immer um das System Familie“, sagt die Koordinatorin. „Die Trauer der Kinder zeigt sich anders“, weiß die Expertin. Bei den Mädchen und Jungen ist die Hemmschwelle größer. Sie brauchen länger, um mit Fremden über Krankheit, Unfall oder Suizid eines Verwandten zu sprechen. Aber: Die Kinder konfrontieren Traut in den Gesprächen auch mit dem prallen Leben. Von der Freude über neues Spielzeug über den Frust über schlechte Noten in der Schule bis hin zum Liebeskummer. „Das macht es ein Stück leichter“, sagt die Koordinatorin.

Sie nimmt sich der Betroffenen in Einzel- und Gruppengesprächen an. Zehn Wochenstunden stehen dafür zur Verfügung. „Die hochwertige Profession der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche hat keine Lobby“, klagt Traut. Ihr Einsatz ist nur durch Spenden und die Unterstützung der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hospizgruppe möglich. Mindestens 30 000 Euro müssen laut dem Kassenwart, dem ehemaligen Sparkassendirektor Dieter Kanzelmeyer, jedes Jahr zusammenkommen. Ein Kraftakt, der gelingt.

Traut ist es wichtig, die Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen und Bestattungshäusern über ihre Arbeit zu informieren, damit sie trauernde Kinder ab fünf Jahre und die Familien an das Projekt Herzlicht vermitteln können. Derzeit sind für jedes Alter noch Plätze in einer Gruppe frei. Dazu bietet die Koordinatorin Fortbildungen für die Pädagogen an. Sie möchte, dass in der Öffentlichkeit über das Sterben und den Tod gesprochen wird.

Wenn Traut bei einer Trauerbegleitung den Verdacht hegt, dass das Kind traumatisiert sein könnte, ermutigt sie die Familie, einen Psychologen zu konsultieren – was gar nicht so einfach ist. „Ein halbes Jahr Wartezeit ist vorprogrammiert“, sagt die Koordinatorin. Was sie freut: Inzwischen kümmern sich die ehrenamtlichen Sterbebegleiter Hospizgruppe auch um sterbenskranke Heranwachsende.

Am Donnerstag, 10. November, sind alle Patienten von Herzlicht zu einem Laternenumzug mit Grillen ins Labyrinth am Elbe Klinikum in Stade eingeladen.

Seit Anfang September ist im Rahmen des 20. Geburtstages der Hospizgruppe im Foyer des Krankenhauses am Schwarzen Berg eine Ausstellung zu sehen, die Koordinatorin Elin Magnusson nach Stade geholt hat. Trauerbegleiterin Katrin Hartig hat die Sammlung von Bildern gestaltet.

Junge Menschen aus der gesamten Republik haben ihr die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Die Fotografien zeigen Orte und Situationen, die sie mit verstorbenen Angehörigen verbinden. Somit ist die Ausstellung auch ein Stück Trauerbegleitung, findet Elin Magnusson.

Informationen

Die Mitarbeiter der Stader Hospizgruppe sind rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0 41 41 / 78 00 10 erreichbar.

Das Team des Projektes Herzlicht ist unter der Telefonnummer 0 41 41 / 93 88 22 erreichbar.

Spenden werden auf dem Konto der Hospizgruppe, IBAN DE21 2415 1005 0000 1111 20, BIC NOLADE21STS, bei der Sparkasse Stade-Altes Land entgegengenommen.

www.hospiz-gruppe-stade.de

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