THier haben schon unzählige Jugendliche übernachtet
Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die eigentlich verschlossen sind - und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Heute geht es in ein Haus, in dem Jugendliche sechs Jahrzehnte lang ihre Konfirmandenfahrten verbracht haben. Jetzt soll es abgerissen werden.
Die Tür zu dem am 4. Oktober 1925 eingeweihten Missionshaus in Reith in der Gemeinde Brest ist aus Glas. Doch was hinter dem einsehbaren Eingangsbereich liegt, bleibt der Öffentlichkeit seit Jahren verborgen. Das war einmal anders. Von 1928 an haben hier über sechs Jahrzehnte Jugendliche ihre Freizeiten vor der Konfirmation oder an Himmelfahrt verbracht.
Elke Wiebusch schließt die Tür des Freizeitheims in Reith auf. Brests stellvertretende Gemeinde-Bürgermeisterin kennt sich im Gebäude aus. An einer Stelle im Flur schimmert eine durchgeweichte Strohdecke durch. Im Erdgeschoss riecht es muffig. Im Obergeschoss wird die Raumluft frischer. Die Toiletten- und Waschräume liegen ungenutzt da. Fast sehen sie aus, als könnten sie jederzeit wieder für Jugendgruppen gebraucht werden.
Eine knarzende Holztreppe führt weiter bis unter das Dach. Hier ist ein Abstellraum. Ein Holzschild steht in der Ecke. Freizeitheim Reith steht darauf. Gegründet und erbaut als Missionshaus war das Gebäude ab 1974 Jugendfreizeitheim, betrieben vom Kirchenkreis Buxtehude. Übernachtungsmöglichkeiten, Seminarräume und Verpflegung wurden geboten. Vor allem kirchliche Gruppen nutzten das Angebot. Im Untergeschoss steht ein alter Farbfernseher mit Videorekorder.
Gemeinde Brest kaufte das Haus 2010
Als Zielort der Konfirmandenfahrt wird Reith vielen Menschen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Gesangbücher und Gesellschaftsspiele zeugen noch davon. Sie liegen in den Kisten auf dem Dachboden. Ein alter Staubsauger und Alu-Kochtöpfe stehen daneben. Auf Tonpapier ist ein Plakat vom Kirchentag 1994 geklebt. Es sprach am 27. Mai im Stadeum: „Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D.“. Ein paar Doppelbetten aus dem Freizeitheim sind – abgebaut und in Einzelteile zerlegt – auch noch da. Aber die Zeit des Gebäudes, das im Eingangsbereich den Schriftzug „Gottes Wille unser Friede“ trägt, ist vorbei. Schon am 31. Dezember 2002 gab es eine kleine Feierstunde zum Abschied. Das Missionshaus Reith wurde vom Kirchenkreis aufgegeben.
2010 kaufte die Gemeinde Brest das Objekt für 50 000 Euro. Sie war der einzige Interessent, der etwas mit dem Gebäude anfangen konnte: Seit 1978 ist das Dorfgemeinschaftshaus über einen direkten Anbau und nur durch Türen abgetrennt mit dem Freizeitheim verbunden. Im Haus der Gemeinde gibt es einen großen Saal und das Sitzungszimmer, in dem die Ratsmitglieder tagen. Und diese beschlossen vor einigen Wochen endgültig den Abriss und Neubau des gesamten Gebäudekomplexes.
Adventsserie
Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.