Hier steht Rades größter Waren-Karton
Er ist der Herr über rund 1800 verschiedene Artikel : Betriebsleiter Marc Budach im Zentrallager. Fotos Michaelis
Nach zehn Monaten Bauzeit nimmt der Discounter Lidl heute die Erweiterung seines Zentrallagers im Gewerbegebiet an der A 1-Abfahrt Rade auf Neu Wulmstorfer Gebiet in Betrieb. Das TAGEBLATT warf einen Blick hinter die Kulissen des riesigen Lebensmittelkartons.
Leise surrend rollt der Gabelstapler durch den langen Gang zwischen den zehn Meter hohen Regalen. „Zwei Collis von 131“, schnarrt die Computerstimme aus dem Kopfhörer, den Staplerfahrer Alexander Michel trägt, und Michel stoppt sein Gefährt vor dem Regal mit der Nummer 131. Collis – das meint hier nicht etwa Hunde, sondern Kartons, wie die kleinsten Verpackungseinheiten im Fachjargon der Logistiker heißen. Am Regal wiederholt Michel zur Sicherheit die Artikelnummer ins Mikro vor seinem Mund, nimmt zwei Kartons mit Weinflaschen aus dem Regal, und weiter geht‘s in den nächsten Gang.
Zeit zu reden hat er jetzt nicht, der Kommissionierer. Seine Arbeit ist eng getaktet und erfordert Konzentration, denn er stellt gerade die Waren zusammen, die die Lidl-Filiale Neu Wulmstorf heute im Zentrallager bestellt hat. Was er für die Neu Wulmstorfer auf seinen Stapler packen muss, sagt ihm der Navigationsroboter über den Kopfhörer. Welche Waren sie heute braucht, hat die Filiale zuvor per Internet an die Zentrale im Lager übermittelt.
Im Zentrallager von Lidl herrscht Hochbetrieb an diesem Vormittag, und Betriebsleiter Marc Budach beobachtet wachsam das Hin- und Her der Stapler, die zwischen den Regalen hin- und hersausen und sich in den engen Gängen zentimetergenau aneinander vorbeimanövrieren. Auf den heutigen Donnerstag freuen sich Budach und seine 170 Mitarbeiter schon seit Monaten, denn ab heute werden sie mehr Bewegungsfreiheit haben bei der Arbeit und die Erweiterung des Lagers beziehen, mit deren Bau das Unternehmen nach jahrelangem Vorlauf in den politischen Gremien Neu Wulmstorfs im April 2015 begonnen hatte.
Ein Bau der Superlative war das Zentrallager bereits 2004, als Lidl die 30 000 Quadratmeter große Logistikhalle an die A 1 baute. Und doch ist es im Laufe der Jahre eng geworden in der riesigen Warenkiste. Besonders im Sektor Backwaren und Tiefkühlware habe das Unternehmen seither stark zugelegt, vor allem für diese Warengruppe wurde die Erweiterung nötig, erzählt Budach.
Für den Anbau wurden 80 000 Kubikmeter Boden bewegt, 1000 Fertigteile verbaut, 5200 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Stahl verarbeitet, 48 000 Meter Kabel verlegt. In den Anbau investiert Lidl nach eigenen Angaben einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich. Im Zuge der Erweiterung ist das gesamte Lager auf umweltfreundliche Technologien umgerüstet, die Gebäudehülle der Erweiterung nach modernsten Energiestandards gedämmt worden, berichtet Budach.
Durch die Erweiterung gen Norden ist die riesige Warenkiste an der Autobahn noch stärker ins öffentliche Blickfeld gerückt. Nach dem Ausbau sind es jetzt 47 500 Quadratmeter Fläche, auf denen rund 1800 verschiedene Food- und Non-Food-Artikel vom Steak bis zur Damenjacke lagern. Allein der neue Tiefkühlbereich, in dem minus 24 Grad herrschen, bietet Platz für 3000 Europaletten. Von Rade aus werden Tag für Tag 76 Lidl-Filialen im Hamburger Westen, in Süderelbe und in Nordniedersachsen, von Drochtersen bis zum Wendland, mit Ware versorgt.
Pro Tag kommen etwa 100 Lkw am Lager an, 60 Laster fahren täglich vollgepackt mit Ware für die Filialen wieder vom Hof, erzählt der studierte Betriebswirt Budach. Ein modernes Warenwirtschaftssystem sorgt mit seinem elektronischen Hirn dafür, dass die Regale in den Filialen immer gleichmäßig mit Waren bestückt sind. Damit keine Lücken beim Nachschub entstehen, können die Filialen Artikel auch in kleinen Mengen im Zentrallager ordern. Dafür dreht sich die Warenverteilscheibe in Rade rund um die Uhr. Von Montag bis Sonnabend liefern die Lkw Waren aus. Ruhe herrscht nur in einem kleinen Zeitfenster in der Nacht zu Sonntag. Am Sonntagmorgen rücken schon wieder die ersten Mitarbeiter an – das erste Frischfleisch steht dann bald vor den Toren und muss in der riesigen Kühltruhe verstaut werden.
In der Zentrale des Lagers sitzt das „Hirn“ des Warenumschlags . Disponent Marcel Wendland (vorn) plant die Touren, Gruppenleiter Dennis Kuczynski kümmert sich um die Warenbereitstellung.
Insgesamt 128 Tore zum Andocken für Lkw, die Waren anliefern und abholen, hat das gut 400 Meter lange Lidl-Zentrallager bei Rade nach seiner aktuellen Erweiterung.
Kommissionierer Alexander Michel holt die Ware nach Roboter-Ansage aus den hohen Regalen.