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Interview

Hinnerk Baumgarten: "Man sollte viel mehr über sich selbst lachen"

Fernsehjournalist Hinnerk Baumgarten findet, man sollte viel mehr über sich selbst lachen. Foto: Sebastian Roland Fuchs

Fernsehjournalist Hinnerk Baumgarten findet, man sollte viel mehr über sich selbst lachen. Foto: Sebastian Roland Fuchs

Der Radio- und Fernsehjournalist Hinnerk Baumgarten (54) hat unter dem Titel „Younger sän ewer. Da geht noch was! – Was Sie schon immer über den Mann ab 50 wissen wollten“ ein Buch mit viel Augenzwinkern geschrieben. Sein Wunsch: Frauen sollen sehen, wie Männer ticken.

Samstag, 07.05.2022, 12:00 Uhr

Selbst einige Male in die Schlagzeilen geraten, spart Hinnerk Baumgarten im Gespräch mit TAGEBLATT-Mitarbeiterin Dagmar Gehm nicht an späten Einsichten.

TAGEBLATT: Younger sän ewer – am liebsten forever?

Hinnerk Baumgarten: Man kann sich ja nicht dagegen wehren, dass man älter wird, deshalb sage ich immer wieder: Lieber alt werden als nicht. Wenn man damit keine Probleme hat, dann ist jedes Alter fantastisch.

Auf dem roten Sofa interviewen Sie Promis, haben selbst jedoch auch einen gewissen Promi-Status erreicht. Wie schwer fällt der Spagat, einerseits den Redakteursjob beim NDR mit all seiner handwerklichen Arbeit zu machen und andererseits auf Events Autogramme zu geben?

Überhaupt nicht schwer. Das ist ja im Grunde das Schöne, das noch obendrauf kommt. Wenn man Autogramme geben darf, heißt es ja im Endeffekt auch, dass die Leute einen mögen. Es ist also auch eine Wertschätzung meiner Arbeit. Insofern freue ich mich darüber.

2013 sorgte ein zähes Gespräch mit Katja Riemann bundesweit für Schlagzeilen, weil die Schauspielerin Sie mit ihren Antworten auflaufen ließ. Sie sagen, Sie würden ihr eine zweite Chance geben.

Ich würde sehr gern ein zweites Interview mit ihr führen. Ehrlicherweise bin ich auch ganz froh, dass das so passiert ist. Denn erstens ist das ja der Charme und der Reiz einer Live-Sendung, dass eben nicht alles glatt läuft, und zweitens finde ich auch Menschen, die nicht nur glatt sind, wahnsinnig spannend.

Mal abgesehen von Katja Riemann – welches probate Rezept haben Sie, wenn sich jemand im Gespräch partout nicht auftauen lässt?

Durchhalten. Und versuchen, einen Punkt zu finden, wo man eine gewisse Wärme spürt. Ich habe den Vorteil, dass ich recht empathisch bin. Das heißt, während unsere Filme laufen, kann ich immer mal Gespräche führen. Dabei merke ich, wo mein Gast vielleicht doch auftauen würde und weiche dann auch von meinem Konzept ab, um auf Themen einzugehen, bei denen ich merke, da beginnt sich mein Gegenüber zu öffnen.

Wer waren neben Natascha Kampusch und Bob Geldof bis dato Ihre spannendsten Gäste auf dem roten Sofa?

Für mich ein sehr eindrucksvoller Gast war Yehuda Bacon, der den Holocaust als 16-Jähriger erlebt hat, zusehen musste, wie sein Vater verbrannt wurde und als Rauch aus dem Krematorium aufstieg. Anschließend musste er mit der Asche des Vaters die vereisten Wege streuen. Mit welcher Warmherzigkeit dieser Mensch trotz allem durchs Leben geht, war absolut beeindruckend. Sich auf der anderen Seite dann mit Topmodel Giselle Bündchen gegenseitig auf dem Handy Kinderfotos anzuschauen, das hat auch was.

Warum ist es Ihnen so wichtig, wildfremde Leser an Ihrem Seelenstrip teilnehmen zu lassen und intimste Einblicke zu gewähren?

Weil ich glaube, dass wir Menschen, Generation 50 plus, tatsächlich viele Themen haben, die gar nicht stattfinden. Ich möchte einfach, dass man mal darüber spricht, es tut doch überhaupt nicht weh. Wir Männer sind nun mal nicht perfekt. Da kann man vor allen Dingen auch mal drüber lachen. Man sollte überhaupt viel mehr über sich selbst lachen, als immer nur mit dem Finger auf andere zeigen. Gleichzeitig wollte ich aber auch den Frauen zeigen, warum wir eigentlich so sind, wie wir sind.

Sie gehen sehr schonungslos mit sich selbst ins Gericht bei der Frage, ob der Verunglückte bei einem Motorradunfall nicht gestorben wäre, hätten Sie schneller reagiert. Wie stark belastet Sie das bis heute?

Ich sehe diese Schuld jetzt nicht als große Belastung an. Es ist nur ein Bewusstsein, dass ich dadurch bekommen habe, wie wichtig Erste Hilfe ist, wie wichtig es auch ist zuzupacken, nicht zu zögern. Ich bin ja zu dem Verunglückten gegangen, habe etwas gemacht. Aber anschließend fragt man sich natürlich, hättest du nicht noch mehr machen können? Wichtig ist bloß, dass man es beim nächsten Mal anders macht.

Auf Mallorca wurden Sie von einem Marinesoldaten bis zur Bewusstlosigkeit ins Gesicht getreten, weil Sie das Wildpinkeln von ihm und seinem Kumpel angeprangert haben. Würden Sie trotzdem wieder so handeln?

Ich würde immer wieder genauso handeln, weil ich es wichtig finde. Man kann doch nicht einfach nur, weil so ein Mist passiert, sich umdrehen und es geschehen lassen.

Haben Sie das milde Urteil von 2000 Euro nicht als zweiten Schlag ins Gesicht empfunden?

Vor Gericht haben die jungen Männer dann einen auf Alkohol gemacht und konnten sich angeblich nicht mehr erinnern. Ich muss ehrlich sagen, das Urteil der Richterin fand ich nicht richtig. Ich möchte Boris Becker nicht in Schutz nehmen. Aber dass er in England voraussichtlich für 2,5 Jahre in den Knast muss, weil er finanziell was falsch gemacht hat, aber in Deutschland Gewalt so wenig geahndet wird – da frage ich mich, was bei uns eigentlich los ist.

Ärger haben Sie sich auch mit dem Machospruch an das Publikum über Ihre „Landpartie“-Kollegin („Wer nicht mitklatscht, bekommt eine Nacht mit Heike Götz“) eingehandelt. Überlegen Sie es sich inzwischen lieber zweimal, bevor Sie einen Spruch absondern?

Mich hat das auf jeden Fall gelehrt, dass Menschen unterschiedlich reagieren. Heike Götz und ich haben uns mittlerweile wieder gesehen und angelächelt. Ich bin eigentlich kein grober Klotz und brauche gar nicht so achtsam zu sein. Im Privatleben werden Dinge auch nicht so hochgespielt wie in der Öffentlichkeit. Es wäre schlimm, wenn wir nur darüber nachdenken würden, was wir sagen.

Jedenfalls scheint es Ihnen nicht an Einfallsreichtum zu mangeln. Um während der Pandemie Ihre polnische Freundin Johanna besuchen zu können, haben Sie extra eine Logistikfirma gegründet, um offiziell vier Autoreifen nach Polen zu liefern.

…da sieht man es doch, Männer sind bereit, was für die Liebe zu tun!

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Chillen oder Action? Action

Currywurst oder fine dining? Currywurst

Oper oder Rockkonzert? Oper. Weil ich schon so viele Konzerte backstage erlebt habe, dass sie mich gar nicht mehr so doll reizen. In der Oper war ich schon lange nicht mehr, würde gern mal wieder hin.

Wenn ich etwas nachholen könnte, was ich wegen Corona versäumt habe, würde ich… eine große Hochzeitsfeier machen.

Auch abseits des roten Sofas bin ich ein neugieriger Mensch, weil… mich Menschen wahnsinnig interessieren.

Wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, würde ich… heute Morgen länger schlafen.

Zur Person

Seit 2006 moderiert Hinnerk Baumgarten die Talkshow „DAS!“ mit dem roten Sofa. In der täglichen Live-Talkshow im NDR sind Gäste aus den Bereichen Schauspiel, Musik, Politik, Gesellschaft, Literatur und Wissenschaft. Angefangen hat er in den 1990ern beim Privat-Radio, zuletzt moderierte er bei NDR2. Geboren wurde der Fernsehmacher 1968 in Hannover, war nach dem Abitur beim Wehrdienst in Lüneburg und begann danach ein Jurastudium. Der Vater einer 20-jährigen Tochter lebt in Hamburg. Seine große Leidenschaft seit den 1980ern ist Golf. Inzwischen sind daraus sogar das Magazin Golf’n’Style und der Podcast Grün&Saftig entstanden.

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