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Hoher Anspruch bei Bio-Äpfeln

Foto dpa

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Bio-Äpfel haben sich etabliert und liegen längst eingeschweißt in Plastik beim Discounter. Doch mit der Nachfrage sind auch die Ansprüche gestiegen. Um makellose Äpfel zu erzeugen, müssen die Ökobauern viel Aufwand treiben. 

Sonntag, 31.01.2016, 17:33 Uhr

Das ist Frust und Ansporn zugleich, wie sich bei einer Podiumsdiskussion am Freitag zeigte. „Bio-Qualität- Siegt die Optik über Anbaumethode und Inhaltsstoffe?“, war die Frage.

Die Podiumsdiskussion stand auf dem Programm der Ökologischen Obstbautagung, zu der die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau (FÖKO) in diesem Jahr nach Jork eingeladen hatte. 180 Öko-Obstbauern und Fachleute aus ganz Deutschland, Südtirol, Holland und der Schweiz tagten, wie schon berichtet, im Fährhaus Kirschenland.

„Die Fortschritte im ökologischen Anbau werden durch die gestiegenen Ansprüche wieder aufgefressen“, bedauerte Moderator Christoph Höfflin. „Es ist eine Niederlage, dass wir Äpfel mit Regenflecken nicht mehr verkaufen können“, meinte der Obstbauer aus Baden-Württemberg. Für ein makelloses Aussehen sei intensive Pflege nötig. So würden auch Bio-Äpfel bis zu 30 Mal gespritzt, zum Beispiel mit Kupfer und Backpulver.

Zu hundert Prozent optisch einwandfreie Ware herzustellen, lehnte Obstbauer Jörg Quast provozierend ab. Der Finkenwerder pochte auf seine Überzeugungen, wie er mit der Umwelt und Natur umgehen möchte. „Der Kunde entscheidet“, meinte hingegen Peter Rolker locker-optimistisch. Der Jorker, genauer mittlerweile seine beiden Söhne vermarkten Bio-Äpfel in kleinem und in großem Stil. Bei der Massenware spielen das Aussehen und der Preis eine große Rolle. Aber in Bio-Läden seien Geschmack und Vertrauen in den Erzeuger ein Kaufargument, meinte Manuel Pundt aus Berlin. Er ist Einkäufer für die Bio-Company, die 45 Bio-Supermärkte in Berlin, Brandenburg, aber auch in Hamburg betreibt. Eher als die großen Einzelhändler könne er mit Mittelständlern zusammenarbeiten und die Qualität und Herkunft beeinflussen, sagte Pundt. Ein Beispiel ist Dierk Augustin. Der Obstbauer aus Jork fährt regelmäßig unter anderem nach Berlin, um die Kunden persönlich zu verkosten. Seine Person als lebensgroßer Aufsteller weist auf ihn hin.

Die Kunden seien hocherfreut, wenn er ihnen kunstvoll einen Apfel aufschneide und den Anbau erläutere, sagt der Vorsitzende der FÖKO gegenüber dem Tageblatt. „Wir setzen auf hohe Qualität und Beziehungen“, sagte Pundt. Der Kunde zahle dafür auch einen höheren Preis.

Auch Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg ermunterte die Zuhörer, mehr mit der regionalen Herkunft zu werben und offen über die Produktion zu informieren. Claus-Peter Münch aus Hollern sprach das Schlusswort: „Die schönen, hohen Ansprüche sind Zeichen einer sehr reichen, satten Gesellschaft, in der wir leben.“

Hoher Anspruch bei Bio-Äpfeln

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