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Hospiz-Gruppe Stade: Sie begleiten die Sterbenden

Sie möchten der Stader Bevölkerung die Arbeit der Hospiz-Gruppe mit einer Veranstaltungsreihe näherbringen: Koordinatorin Elin Magnusson (links) und Vereinsvorsitzende Dr. Margrit Wetzel. Foto Beneke

Sie möchten der Stader Bevölkerung die Arbeit der Hospiz-Gruppe mit einer Veranstaltungsreihe näherbringen: Koordinatorin Elin Magnusson (links) und Vereinsvorsitzende Dr. Margrit Wetzel. Foto Beneke

Die Hospiz-Gruppe Stade feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Zurzeit begleiten 32 ehrenamtliche Mitarbeiter todkranke Menschen am Ende ihres Lebens und stehen deren Angehörigen bei.

Von Daniel Beneke Freitag, 15.07.2016, 15:48 Uhr

Den Geburtstag nimmt der Verein zum Anlass, mit einer breit gefächerten Veranstaltungsreihe auf sein Wirken aufmerksam zu machen. Am heutigen Sonnabend blicken die Aktiven um die Vorsitzende Dr. Margrit Wetzel und die Koordinatorin Elin Magnusson bei einem Festakt im Rathaus auf die Arbeit der 1996 gegründeten Organisation zurück. Die Anforderungen an die Ehrenamtlichen haben sich im Laufe der Zeit verändert, berichten sie vorab im Gespräch mit dem TAGEBLATT.

Einerseits werden die Deutschen zusehends älter und die Zahl der Alleinstehenden steigt, andererseits möchte ein immer größer werdender Teil der Bürger zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung sterben. Die Einsamkeit, gerade bei Senioren, nimmt zu. Mit der Konsequenz, dass bisweilen mehrere Mitarbeiter einen Betroffenen oder seine Familie betreuen. Im Schnitt stehen sie den Kranken drei Monate lang bei. Die älteste Klientin ist im Alter von 104 Jahren verstorben. Seit ein paar Monaten kümmert sich die Gruppe zusätzlich um Kinder und Jugendliche. Besonders freut Magnusson, dass sich in Kürze 13 Interessierte zum Sterbebegleiter ausbilden lassen. Hospitationen zeigen ihnen, wie es in Kliniken und Heimen zugeht. Die Devise lautet: Nur, wer mit seinem eigenen Leben im Reinen ist, kann anderen in dieser schweren Phase eine Stütze sein.

Ihr Team ist breit aufgestellt, erzählt sie. Engagierte aus vielen Generationen bringen sich ein. Waren es anfangs nur Frauen, sind inzwischen fünf Männer dabei – Tendenz steigend. Zwei Migrantinnen sind ein fester Bestandteil ihrer Mannschaft geworden, hebt Mitstreiterin Wetzel hervor.

Der Kontakt zu Patienten aus Einwandererfamilien gestaltet sich allerdings schwierig, was den Erfahrungen der Vereinschefin zufolge meist der Sprachbarriere geschuldet ist. Alle vier Wochen kommen die Mitarbeiter zusammen, um über das Erlebte zu sprechen. Psychologen stehen ihnen zur Seite. „Wir legen großen Wert darauf, dass sie sich regelmäßig fortbilden“, sagt Magnusson.

Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. In dem Büro in Haus 1 auf dem Gelände des Elbe Klinikums am Schwarzen Berg melden sich die Betroffenen, die sie dann an die Ehrenamtlichen vermittelt. „Solange die Patienten noch Herr ihrer Sinne sind, müssen sie selbst zu uns kommen“, erklärt die Koordinatorin. Deshalb berät sie regelmäßig auf den Palliativstationen, wo todkranke Menschen behandelt werden. Ein weiterer Bestandteil ihrer Tätigkeit ist die Zusammenarbeit mit den Hospiz-Gruppen in den Nachbarregionen, Krankenhäusern, Praxen, Heimen und Pflegediensten. „Wir haben ein starkes regionales Netzwerk“, sagt Magnusson. Dazu gehören Seelsorger und Schuldnerberater.

Gemeinsam mit ihnen versuchen die Ehrenamtlichen, den Lebensabend für die Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten und vielleicht noch einen letzten Wunsch zu erfüllen. „Jeder muss die Möglichkeit haben, so zu sterben, wie er es will – mit einer erstklassigen Versorgung“, betont sie. Geld, Alter, oder Herkunft sollen dabei keine Rolle spielen. „Da gibt es noch viel zu tun“, ergänzt Wetzel. „Jede Begleitung ist anders. Wir schreiben dem Sterbenden nicht vor, wie er geht. Er ist der Kapitän und bestimmt, wie es läuft“ – so beschreibt sie die Devise der Hospizhelfer, die ihrer Organisation zum Teil seit 20 Jahren die Treue halten.

Nur einen Teil der Kosten der Begleitung tragen die Krankenkassen. Damit das Angebot aufrechterhalten werden kann, ist der Verein zwingend auf Spenden angewiesen. Auch darauf machen die Aktiven während der Veranstaltungen zum Geburtstag aufmerksam, die der Festausschuss in den vergangenen Monaten vorbereitet hat. Vor allem aber möchten sie das Thema Tod aus der Tabuzone holen und zeigen, wie ein Sterben in Würde möglich ist.

16. Juli, 11 bis 13 Uhr: Jubiläumsfeier im historischen Rathaus in Stade mit Grußworten, Festrede und Begleitmusik.

17. August, 19.30 Uhr: Lesung mit Schauspielerin Ruth Meier in der Buchhandlung Schaumburg aus dem Buch „Ein ganzes Leben“ von Autor Robert Seethaler. Eintrittskarten gibt es bei der Hospiz-Gruppe und bei Schaumburg.

September: Bilderausstellung „Fotos der Erinnerung“ im Elbe Klinikum Stade über Symbole und Orte, mit denen Jugendliche die Erinnerung an verstorbene Weggefährten verbinden.

3. September, 17 Uhr: Gedenkgottesdienst in der Stader Stadtkirche St. Wilhadi mit dem Gospelchor „Country Gospel Company“ aus Hollern-Twielenfleth.

10. September, 18.15 Uhr: Jazzkonzert in der Stader Stadtkirche St. Cosmae mit den Chören „Vocalventure“ und „Walking Shoes“.

14. Oktober, 15 bis 18 Uhr: Deutscher Hospiz-Tag mit vielen Informationsmöglichkeiten für Helfer, Ehemalige und Interessierte in den Räumen der Hospiz-Gruppe Stade im Elbe Klinikum am Schwarzen Berg, Haus 1.

10. November, 17 bis 18.30 Uhr: Laternenfest für Kinder und Eltern am Labyrinth im Garten des Elbe Klinikums Stade.

Spendenkonto: IBAN DE21 2415 10050000111120, BIC NOLADE21STS.

Kontakt: Koordinatorin Elin Magnusson, Durchwahl 0 41 41/ 78 00 10, E-Mail info@hospiz-gruppe-stade.de, Webseite www.hospiz-gruppe-stade.de.

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