„Ich wollte sie niemals umbringen“
Der Unfallwagen des Angeklagten am 20. April dieses Jahres.
Am Freitag eröffnete die 13. Große Strafkammer des Stader Landgerichts den Prozess gegen den 30-jährigen Kutenholzer, der am 20. April absichtlich seinen Wagen gegen einen Baum gesteuert haben soll. Bei dem Unfall auf der K 70 zwischen Fredenbeck und Kutenholz wurden er und seine Beifahrerin erheblich verletzt. Angeklagt ist er des versuchten Mordes. Vor Gericht erzählte er eine andere Geschichte: Er und seine Freundin wollten die Versicherung prellen.
Es ist eine abenteuerliche Geschichte, die der 30-Jährige dem Gericht da auftischte. „Es war nie meine Absicht, sie umzubringen“, beteuerte er immer wieder. Vielmehr habe seine ehemalige Freundin ihn dazu überredet, einen Unfall vorzutäuschen, um anschließend die Versicherungssumme zu kassieren.
Am Abend zuvor seien sie gemeinsam nach Bassenfleth gefahren, hätten dort Bier und Kokain konsumiert und ein Schäferstündchen miteinander verbracht. Am nächsten Morgen seien sie nach Brobergen gefahren, zu einem Grundstück mit Wohnwagen. Dort hätten sie gefrühstückt und Spaß gehabt. „Dann fing sie das Grübeln an, wie sie an Geld kommen könnte und erzählte von ihrer Schwester, die mit einem inszenierten Unfall die Versicherung geprellt hat“, erzählte er. Das könnten sie doch auch machen und mit dem Geld etwas Neues gemeinsam aufbauen.
Allerdings hatte der Kutenholzer am Abend zuvor seiner Schwester eine Abschiedsnachricht per SMS geschickt. „Ich mach mein Leben jetzt zu Ende“, zitierte der Vorsitzende Richter Matthias Bähre aus der Nachricht. Die Schwester meldete die SMS am gleichen Abend der Polizei, weshalb nach dem Unfall am nächsten Tag auch sehr schnell in diese Richtung ermittelt wurde.
„Das habe ich nur so geschrieben“, versuchte der Angeklagte zu erklären. Seine Schwester habe ja mit der Freundin unter einer Decke gestanden, sich gemeinsam gegen ihn verschworen. „Es ist also ein Komplott gegen Sie?“, fragte Bähre.
„Für einen Versicherungsbetrug fährt man doch nicht mit 80 Stundenkilometern unangeschnallt gegen einen Baum“, gab der Vorsitzende zu bedenken. Er habe vorher noch abgebremst, so der Angeklagte. Ein Kfz-Gutachten schließt allerdings aus, dass die Bremsleuchten zum Zeitpunkt des Unfalls geleuchtet haben. „Ich weiß, das passt jetzt alles zusammen. Ich hätte niemals auf sie hören sollen“, so der 30-Jährige und beteuert: „Ich wollte sie niemals umbringen.“
Es bleiben weitere Ungereimtheiten. So wurde ein Messer gefunden – mit dem der Angeklagte nur die Brötchen geschmiert haben will. Im Raum steht, dass das Messer auch potenzielles Mordwerkzeug sein könnte. Ebenso lag im Auto ein langer Schlauch. Den sollte er mitbringen, so seine Erklärung, seine Freundin habe schon mehrere Suizidversuche hinter sich und das Einleiten von Abgasen ins Fahrzeuginnere gelte als sehr sicher. Wie das mit dem geplanten Versicherungsbetrug zusammenpasst, bleibt offen.
Der Prozess wird am 2. Oktober fortgesetzt.