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Inka Schneider im TAGEBLATT-Interview

„Ich wusste früh, dass ich studieren und schreiben wollte“

Glücklich in Hamburg: Seit 15 Jahren empfängt Inka Schneider Gäste auf dem roten Sofa der NDR-Sendung „Das!“. Foto: NDR/Morris Mac Matzen/mmacm.com

Glücklich in Hamburg: Seit 15 Jahren empfängt Inka Schneider Gäste auf dem roten Sofa der NDR-Sendung „Das!“. Foto: NDR/Morris Mac Matzen/mmacm.com

Inka Schneider moderiert seit 15 Jahren das regionale Magazin „Das!“ des NDR – im Wechsel mit Bettina Tietjen und Hinnerk Baumgarten. Die 51-Jährige ist in Rüsselsheim geboren und aufgewachsen, sie wusste aber schon sehr früh, dass sie dort nicht bleiben wollte.

Von Barbara Glosemeyer Dienstag, 25.12.2018, 11:26 Uhr

Anfang der 90er Jahre, als sie als Studentin in Hamburg ein Praktikum bei einer Werbeagentur absolvierte, verliebte sie sich in die Stadt: „Ich mag es gern, wenn’s schön ist“, erzählt sie, als wir uns morgens zu einem Cappuccino in einem Café in Eimsbüttel treffen. Und es gibt auch familiäre Bindungen nach Hamburg: Ihr Vater flüchtete hier hin nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Großmutter ist auf dem Ohlsdorfer Friedhof begraben, ihre Tante lebt in Othmarschen. Ihr Mann, Buchautor Sven Kuntze, den sie im vergangenen Jahr nach vielen On und Offs spontan in New York geheiratet hat, lebt in Berlin. TAGEBLATT-Mitarbeiterin Barbara Glosemeyer sprach mit der NDR-Moderatorin über Abwechslung, Frauen, Reisen und die schönste Stadt der Welt.

TAGEBLATT: Ihre Eltern und Ihre Geschwister sind allesamt in der Luftfahrt als Flugbegleiter tätig. Warum sind Sie aus der Art geschlagen?

Inka Schneider: Ich verreise auch gern und habe es schon als Kind geliebt, wenn unsere Eltern meine beiden Geschwister und mich auf ihre Reisen mitgenommen haben. Aber Flugbegleiterin zu werden, war für mich nie eine Option. Ich wusste früh, dass ich studieren und schreiben wollte. Um trotzdem auch beruflich reisen zu können, ist daraus der Wunsch entstanden, Reisejournalistin zu werden. Tatsächlich bin ich erst einmal Lokalreporterin geworden.

Sie haben mal gesagt, dass Sie die Abwechslung brauchen, weil Ihnen sonst schnell langweilig wird. Seit 2003 haben Sie etwa 2000 Mal die Sendung „Das!“ moderiert. Hat sich in rund 15 Jahren nicht mal das Gefühl der Langeweile eingeschlichen?

Ich habe jede Menge Abwechslung – jeden Tag kommt ein anderer prominenter Gast zu „Das!“, und so hat jede Sendung ihren eigenen Charakter – mit eigenen Themen und Persönlichkeiten. Die Gespräche sind wie Überraschungspakete, die ich öffnen darf. Und ich habe einen Arbeitsrhythmus, der mir ermöglicht, auch außerhalb des Fernsehstudios viel zu unternehmen. Langeweile kommt nie auf.

Welchen Gast hätten Sie gern auf dem roten Sofa?

Angela Merkel. Vielleicht kommt sie mal, wenn sie keine Bundeskanzlerin mehr ist. Ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung dieser Frau. Aber auch vor ihrem enormen Pensum. Wo nimmt sie all die Energie her? Weint sie auch mal in die Kissen? Ich hätte jede Menge Fragen – auch außerhalb der Politik.

Welcher Gast war Ihnen am peinlichsten?

Peinlich war mir in über 2000 Sendungen niemand. Aber es gab Herausforderungen: Als zum Beispiel Schauspieler Ben Becker eine Viertelstunde zu spät in die Livesendung kam und ich den Beginn im Alleingang überbrücken musste. Oder als Schauspieler Henning Baum zum Ende der Sendung mit mir in den Sonnenuntergang reiten sollte – wir hatten extra ein Pferd organisiert – und mich stattdessen mit den Worten „Inka, du musst jetzt stark sein, aber ein Cowboy reitet immer allein“ stehen ließ.

Ist Vorbereitung das A und O, insbesondere bei schwierigen Gästen?

Im Englischen gibt es den Ausspruch: „Good sportsmen always come prepared“, gute Sportlerinnen und Sportler sind immer vorbereitet. Für mich eine Selbstverständlichkeit. Ganz wichtig ist aber auch der Smalltalk vor Sendebeginn. Ich treffe die Gäste erst eine Viertelstunde vorher auf dem roten Sofa – diese Anwärmphase ist entscheidend für die Atmosphäre während der gesamten Sendung. Zum Glück sind aber fast alle Gäste – ganz gleich wie prominent – total unkompliziert. Und freuen sich, bei uns zu sein.

Im „Das!“-Spezial „Inkas Küche“ laden Sie sich Frauen zum Kochen und Quatschen in Ihre Küche ein.

Und gleich die erste Sendung mit der wunderbaren Kiezqueen Olivia Jones und Schauspielerin Mimi Fiedler war ein großer Erfolg. Durch den privaten Rahmen – nämlich meine Küche – wurden alle Gespräche außerordentlich intim und persönlich. Und trotzdem denken wir über eine Veränderung nach.

Sind Sie ein Freundinnen-Typ?

Ich habe einen wunderbaren Freundeskreis, Männer wie Frauen. Die meisten kenne ich schon seit Jahren. Wir unternehmen und lachen viel zusammen, fahren auch gemeinsam in den Urlaub. Ich habe nicht die eine Freundin, die ich alle zwei Tage treffe.

Finden Sie Frauenförderung im Beruf wichtig?

Absolut. Ich bin für gemischte Teams und für Gleichstellung, engagiere mich deshalb auch von Anfang an bei „Pro Quote“– eine Initiative für mehr Spitzenfrauen in Spitzenpositionen in den Medien. Ein Werkzeug ist die Quote. Die Frauenquote mag nicht sexy sein, aber sie ist wichtig auf dem Weg zur Geschlechter-Gerechtigkeit. Wir sind die Hälfte, uns gehört die Hälfte.

Haben Frauen es heute immer noch schwerer?

Wir sehen ja zum Beispiel im Medienbereich, wie viele kompetente und kluge Redakteurinnen es gibt und wie wenige vergleichsweise in Chefpositionen landen. Aber auch dank „Pro Quote“ kommt Mann nicht mehr so ohne Weiteres an uns Frauen vorbei.

Ist Älterwerden für Sie mit 51 Jahren ein Thema?

Ich finde, mein Alter passt perfekt zu mir und fühlt sich gut und stimmig an. Ich hatte Manschetten vor meinem 50. Geburtstag, weil mir die Zahl so bedrohlich vorkam. Seit ich es bin, denke ich gar nicht mehr darüber nach. Es ändert sich ja auch nix. Und anders als früher dürfen Frauen heute auch auf dem Bildschirm älter werden. Das entspannt zusätzlich.

Haben Sie noch Lampenfieber?

Bei uns herrscht so eine familiäre Atmosphäre, ist alles so vertraut, „Das!“ fühlt sich fast wie zu Hause an. Lampenfieber habe ich nur gelegentlich auf der Bühne, wenn ich große Publikums-Veranstaltungen moderiere.

Macht Ihnen Angst, was derzeit in der Welt los ist – mit einem US-Präsidenten Donald Trump, Nationalismus und unzähligen Krisenherden?

Wir sind uns unserer Demokratie immer so sicher gewesen, so bin ich auch aufgewachsen. Durch das Erstarken autoritärer Staatsmänner wie Erdogan in der Türkei, Orbán in Ungarn oder Trump in den USA sowie die Verrohung der Tonart könnte unsere Demokratie in Gefahr geraten. Die friedlichen Zeiten, die wir für selbstverständlich gehalten haben, sind möglicherweise nicht so sicher, wie wir glauben.

Was gefällt Ihnen an Hamburg?

Dass die Stadt so schön ist. Ich freue mich tagtäglich über die prächtigen Häuser, die vielen Bäume und natürlich das Wasser. Ich rudere frühmorgens auf der Alster. Am Wochenende laufe ich drumherum. Ein jeweils großartiger Tagesbeginn. Aber auch die Menschen hier machen mich glücklich. Ich habe viele Freundschaften geschlossen, fühle mich angekommen und angenommen. Hamburg ist Heimat geworden.

Was muss besser werden?

Es wäre gut, wenn die schönste aller Städte autofreier und sicherer für Fahrradfahrer werden würde. In Hamburg bin ich mit dem Rad Verkehrsteilnehmerin zweiter Klasse. Das kann Hamburg besser.

Wohin reisen Sie gern?

Je mehr ich in der Welt umhergekommen bin, desto näher wird mir wieder Europa. Frankreich, Italien, Spanien – ich entdecke die alten Klassiker wieder. Und in einem Sommer wie dem letzten auch den Darß.

Stress . . . habe ich glücklicherweise wenig.

Den Kopf kriege ich am besten frei . . . wenn ich an die frische Luft gehe und mir der Wind um die Nase pustet.

Die Elbphilharmonie . . . eindrucksvoll. Ich bin froh, dass wir sie haben.

Glück . . . empfinde ich täglich. Ich bin ein glücklicher Mensch.

Mein Lieblingsplatz in Hamburg . . . im Ruderboot frühmorgens auf der Alster.

Ich kann mich ärgern . . . und beruhige mich auch wieder schnell.

Eine Schwäche von mir . . . sind Flohmärkte, obwohl ich nichts mehr brauche.

Ich könnte gut verzichten . . . auf Miesmacher und Meckerer.

Vorbilder . . . sind starke Frauen.

Inka Schneider in drei Worten ist . . . wach, warmherzig, souverän.

Zur Person

{picture1s}Inka Schneider – geboren am 11. Mai 1967 in Rüsselsheim – ging nach dem Abitur als Au Pair nach Paris, bevor sie in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste studierte. Nebenbei arbeitete sie beim Radiosender Rias 2, reportierte als die Mauer fiel. Beim WDR in Köln machte sie ein journalistisches Volontariat. Danach wurde sie Lokalreporterin und mit 27 Jahren Moderatorin des ARD-Morgenmagazins. 2001 ging sie als Korrespondentin ins ARD-Studio Washington, wo drei Monate später – am 11. September – der Anschlag auf das World Trade Center verübt wurde. Im Dezember 2003 folgte Inka Schneider dem Ruf nach Hamburg zum NDR, seitdem moderiert sie das rote Sofa und bis vergangenes Jahr auch das Medienmagazin „Zapp“. Inka Schneider rudert und joggt, beides am liebsten an und auf der Alster. Sie unterrichtet den journalistischen Nachwuchs, engagiert sich für Pro Quote und das SOS-Kinderdorf Hamburg.

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