Im Internet schlägt Stade Buxtehude
Die Internetseite der Stadt Buxtehude ist erst seit zwei Monaten in diesem Design im Netz zu finden. Foto Schulz
Die Internetseite der Stadt Buxtehude hat seit Kurzem ein neues Gesicht. Zeit, die Websites von Städten und (Samt-)Gemeinden in der Region einmal unter die Lupe zu nehmen.
Internet-Experte Silvio Barta hat den Test gemacht. Das TAGEBLATT hat seine Ergebnisse genutzt und Schulnoten verteilt.
Von Tim Scholz und Alexander Schulz.
Silvio Barta, Professor für Medien- und Kommunikationsdesign an der Macromedia-Hochschule in Hamburg, hat die Websites auf Herz und Nieren untersucht. Design, Funktionalität und Service der Internetseiten wurden gründlich überprüft. Auch wenn sie unterschiedlich gut abschneiden, sieht Barta bei allen deutliches Verbesserungspotenzial.
Drochtersen bildet das Schlusslicht der Rangliste. Bei der Website stimmt vieles nicht, vor allem das Design ist schlicht veraltet. Eine Überarbeitung des Auftritts wäre dringend notwendig. Buxtehude legt zwar den modernsten Internetauftritt hin, kann aber in puncto Funktionalität kaum glänzen. Der Anspruch, den Nutzern ein zeitgemäßes Layout zu bieten, sei hoch zu bewerten, meint Barta. Allerdings dürfe sich das nicht allzu stark auf die Bedienbarkeit der Seite auswirken. „Die Website der Stadt Buxtehude ist besser einzuschätzen als Drochtersen, kommt bei der Funktionalität aber nicht an die restlichen vier Seiten heran“, so Barta. Stade, Oldendorf-Himmelpforten, Harsefeld und Neu Wulmstorf schätzt der Experte auf einem ähnlichen Niveau wie Buxtehude ein. Die Seiten kommen ein wenig veraltet daher, bieten aber einen guten Service. Ein Kritikpunkt ist die fehlende Mehrsprachigkeit. Keiner der sechs Internetauftritte lässt sich in einer anderen Sprache aufrufen. Neu Wulmstorf bietet zwar eine Übersetzung via Google an, das funktioniert jedoch nur bedingt. Insgesamt fällt Barta ein mildes Urteil: „Alle getesteten Websites erfüllen ihren Zweck.“ Der Experte rät den Kommunen, zu hinterfragen, ob ihre Angebote den bestmöglichen Service böten.
Ähnlich wie stadt-stade.info ist auch die Website der Gemeinde Neu Wulmstorf (www.neu-wulmstorf.de) sehr übersichtlich – und hat dazu eine Version für mobile Geräte. Aktuelle Ereignisse lassen sich einfach und schnell finden. Besser als bei der Stader Website: Auch vergangene, lokale Ereignisse sind problemlos zu finden. „Formulare ausfüllen und herunterladen stellt bei dieser Website kein Problem dar“, lobt Silvio Barta den guten Bürgerservice. Die Qualität der Artikel schätzt der Experte mit „gut“ ein. „Neu Wulmstorf hat eine funktionierende Website“, sagt er. Eine Verknüpfung zu einem aktiven Twitter-Konto rundet das Angebot ab. Nicht so überzeugend hingegen ist das Design der Website. Der Aufbau ist teilweise veraltet und sowohl Schriftarten als auch Farben sind nicht modern. Das Gesamturteil lässt sich mit dem der Stadt Stade vergleichen. „Neu Wulmstorf bietet einen guten Service bei einem nicht zeitgemäßen Design“, sagt Barta. TAGEBLATT-Note 2
Die Website der Gemeinde Drochtersen (www.drochtersen.de) ist in jeder Hinsicht veraltet. Davon zeugen ästhetische Gesichtspunkte wie das Layout, die Farben und die Typografie, aber auch die Benutzerfreundlich- keit und die Inhalte. Zum Beispiel gibt es keine geeignete Version für mobile Geräte, auch Informationen zum Bürgerbüro und zu aktuellen Ereignissen lassen sich nur schwer finden. Wie bei den anderen getesteten Seiten gibt es die Inhalte nur auf Deutsch. Lichtblick für die Drochterser: Der Experte hat das Finden, Herunterladen und Ausfüllen von Formularen für Behördengänge für gut befunden. „Bei den meisten Seiten war das problematisch, aber bei Drochtersen war es unerwartet leicht“, sagt Professor Silvio Barta. Auch die Navigation findet er übersichtlich. Und ein Schmankerl für Experten: Die Website wurde sauber programmiert. Barta hält es dennoch für unausweichlich, dass die Seite komplett überarbeitet werden muss. TAGEBLATT-Note 5
Layout, Farben, Typografie: Die Internetseite der Stadt Stade (www.stadt-stade.info) kommt nicht so frisch daher wie die der Stadt Buxtehude, dafür ist sie übersichtlicher aufgebaut. Silvio Barta ist aufgrund der gut gegliederten Navigation, der Startseite und des funktionellen Layouts zu diesem Urteil gekommen. „Stade und Oldendorf haben die Struktur am besten durchdacht“, sagt der Experte. Insgesamt haben die Stader ein Standardwerk produziert. Aktuelle Veranstaltungen lassen sich gut finden, Informationen zu Verantwortlichen, vergangenen Ereignissen und zum Bürgerbüro genauso wie die Qualität der Artikel stuft er als befriedigend ein. Für das Finden, Herunterladen und Ausfüllen bestimmter Formulare für Behördengänge gibt es nur ein „Ausreichend“. Immerhin haben die Stader eigens eine Version für mobile Endgeräte. In puncto Gestaltung ist die Website teilweise veraltet, dafür funktional und benutzerfreundlich. TAGEBLATT-Note 3
Buxtehudes neue Internetseite (www.buxtehude.de) überzeugt durch modernes Design. Die technische Umsetzung ist hingegen schwach. „An einigen Stellen hapert es noch.“ Überrascht hat Experte Silvio Barta der Einsatz von Google Fonts. Das sind Schriftarten, die der Internetkonzern Google zur Verfügung stellt und die auf allen Geräten gut dargestellt werden können. Das Problem: Durch die Fonts kann Google Nutzerdaten sammeln. Wenn es um aktuelles Geschehen geht, glänzt Buxtehudes Internetseite. Wer jedoch ein Formular für Behördengänge sucht und ausdrucken möchte, wird vor Probleme gestellt. Die Navigation der Seite hält Internet-Experte Barta für zu komplex. Die Anordnung sei oft nicht verständlich. Vorbildlich hingegen sind die Einbindung der sozialen Medien und die Version für mobile Endgeräte. Insgesamt stellt Silvio Barta ein durchwachsenes Zeugnis aus: „Teilweise zeitgemäß, teilweise ineffektiv.“ TAGEBLATT-Note 4
Zeitgemäßes Layout und gute Funktionalität zeichnen die Website der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten (www.oldendorf-himmelpforten.de) aus. „Das Design ist modern und die Navigation nutzerfreundlich“, sagt Barta. Gut zu finden und auszudrucken sind auch Formulare für Behördengänge. Problematisch hingegen ist, einen Verantwortlichen für einen bestimmten Bereich zu finden. „Das Angebot in diesem Bereich ist nicht ausreichend“, so der Experte. Über Aktuelles kann sich der Nutzer gut informieren. So zeitgemäß das Aussehen der Internetseite ist, so altmodisch kommt sie bei den sozialen Medien daher. Eine Verknüpfung zu Facebook oder Twitter sucht der Nutzer vergeblich. Außerdem fehlt es an einer Version für Browser mobiler Geräte. Wie Buxtehude nutzt die Samtgemeinde Google Fonts, wodurch der Internetkonzern Daten über Nutzeraktivitäten sammeln kann. Das Ergebnis für die Websitte der Samtgemeide fällt insgesamt mittelmäßig aus. TAGEBLATT-Note 3
Die Samtgemeinde Harsefeld (www.harsefeld.de) schneidet mit ihrer Website durchschnittlich ab. „Das Design ist veraltet und die Navigation teilweise zu komplex“, sagt Silvio Barta. Zudem gebe es keine Version für Browser von Smartphones und Tablets. Wer jedoch ein Formular für Behördengänge herunterladen und ausfüllen möchte, wird sich sehr gut zurechtfinden. Aktuelle und vergangene Veranstaltungen lassen sich zwar finden, sind aber laut Barta nicht ideal aufbereitet. Dasselbe gilt für Informationen über das Bürgerbüro. „Es ist nicht übersichtlich“, sagt Barta. Ganz mit der Zeit geht die Samtgemeinde dagegen bei den sozialen Medien. Dabei punkten die Harsefelder mit einer Verknüpfung zum Facebook-Auftritt. Die Inhalte auf der Website stuft der Experte als befriedigend ein. Mehrsprachige Angebote sucht der Nutzer jedoch bei den Harsefeldern vergeblich. Insgesamt vergibt Silvio Barta für die Internetpräsenz das Urteil „unterer Standard“. TAGEBLATT-Note 4
Silvio Barta.