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Es fehlt an Personal

In Harburg fehlen Kita-Plätze

Der Fachkräftemangel trifft den Bezirk Harburg an einer äußerst empfindlichen Stelle: Bei der Kinderbetreuung mangelt es vor allem in den Neubaugebieten.

Von Rachel Wahba Montag, 22.10.2018, 17:09 Uhr

Drei große Neubaugebiete sind derzeit im Süderelberaum in Planung und teilweise bereits im Bau: die Fischbeker Reethen, der Vogelkamp und der Fischbeker Heidbrook. Die neuen Quartiere sollen besonders für junge Familien mit Kindern attraktiv sein – damit jedenfalls wirbt der Bezirk ebenso wie der zuständige Projektentwickler IBA Hamburg. Vogelkamp und Heidbrook sind für insgesamt rund 2200 Wohneinheiten ausgelegt, bei den Fischbeker Reethen ist die Planung noch nicht so weit fortgeschritten. Fest steht aber: Es wird beileibe nicht genug Kita-Plätze geben. Der Bedarf steigt nicht nur mit den Neubaugebieten, denn auch bestehende Wohngebiete werden nachverdichtet.

Nach derzeitigem Stand sind laut Sozialbehörde im Bezirk Harburg elf neue Kitas mit insgesamt 542 Plätzen geplant. Die werden nicht den tatsächlichen Bedarf im Bezirk decken können. Zumal der Bezirk im Zuge des Hamburger Wohnungsbauprogramms auch an anderen Stellen massiv den Wohnungsbau vorantreibt. „Jetzt haben wir endlich von der Fachbehörde die Zahlen bekommen, und ich stelle fest, dass der Bedarf weit darüber liegt. Es kann nicht sein, dass beispielsweise der mit Harburgs Neubaugebieten sehr gut vergleichbare Bezirk Bergedorf mit 23 neuen Kitas und 1346 Plätzen weit darüber liegt“, moniert der Harburger CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer.

„Dieses Missverhältnis ist für den Bezirk nicht hinnehmbar, zumal dadurch auch die Attraktivität der neuen Wohngebiete erheblich beeinträchtigt wird“, schreiben Meike Fischer-Pinz, Dr. Antje Jäger und Michael Schäfer, allesamt CDU-Fraktionsmitglieder in der Bezirksversammlung, in einem entsprechenden Antrag an die Harburger Verwaltung. Die Verwaltung solle – so die Forderung der CDU-Politiker – „unverzüglich“ ein Konzept zur Einrichtung weiterer Kitas erarbeiten.

Aber das ist leichter gefordert, als getan. Die Sozialbehörde legt ihren aktuellen Planungszahlen lediglich die ihr vorliegenden Anträge der freien Träger auf Einrichtung einer Kita zugrunde. „Die freien Träger entscheiden eigenständig, wo sie Kitas errichten und wie viele Plätze sie schaffen“, so Behördensprecher Marcel Schweitzer.

Und genau da liegt der Haken. Die Träger finden keine Erzieher. Sie sind also kaum in der Lage, neue Kitas zu planen, geschweige denn zu beantragen. Der Fachpersonalmarkt ist, wie überall, leer gefegt. Werden neue Baugebiete von der Politik geplant und die Umsetzung an einen Entwickler beziehungsweise an eine Baugesellschaft abgegeben, melden sich im Idealfall freie Träger, die in diesen Neubaugebieten Kitas betreiben wollen. Sie schließen Verträge mit den Baugesellschaften ab und stellen dann bei der Bauabteilung in Harburg und bei der Hamburger Sozialbehörde einen Antrag. Sie müssen dann auch ihr Konzept vorstellen. Aber auch das beste Konzept ist ohne die nötigen zusätzlichen Erzieher nichts wert.

{picture1s}Einen dringenden Handlungsbedarf wegen der Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage sieht auch die Harburger SPD. „Wir müssen viel früher mit der Planung der Kitas beginnen und nicht nur die üblichen Verdächtigen im Bezirk, sondern alle freien Träger mobilisieren, Konzepte vorzulegen und Anträge für den Neubau von Kitas zu stellen“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. Zu überlegen sei auch, ob es Sinn mache, verstärkt mit städtischen Trägern zu planen.

Aber auch an denen dürfte der Mangel an Fachpersonal nicht spurlos vorübergehen. Mit den üblichen Verdächtigen im Bezirk Harburg meint der SPD-Politiker das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Harburg, Elbkinder– ein städtischer Träger – und SterniPark. Diese drei Träger sind die Hauptanbieter von Kinder-Betreuungsplätzen im Bezirk Harburg. Und die bekommen den Erziehermangel bereits heftig zu spüren.

„Aktuell suchen wir für 20 offene Stellen Erzieher. Der Markt ist geradezu leer gefegt. Das gilt auch für den Bereich Heilerzieher und insgesamt den Bereich Pflegepersonal“, bestätigt DRK-Sprecherin Astrid Heissen. Die Lage ist so verzweifelt, dass der DRK-Kreisverband inzwischen seinen Mitarbeitern Prämien für die erfolgreiche Akquise von Mitarbeitern anbietet. Heissen: „Jeder Mitarbeiter, der einen neuen Kollegen anwirbt, bekommt nach Vertragsunterzeichnung 500 Euro. Bleibt der neue Kollege nach Beendigung der Probezeit, werden noch einmal 500 Euro Prämie ausgezahlt.“ Derzeit plant das Harburger DRK zwei neue Kitas, eine in Wilhelmsburg und eine im Neubaugebiet Vogelkamp. Letztere sei, so Heissen, bereits im Bau, und man rechne für 2020 mit der Fertigstellung.

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