TIn „Netti’s“ Kneipe in Buxtehude ist keiner einsam und allein
Die Studentinnen Mette Röschmann, Kira Nünning, Anna Schröder, Turina Salz und Mareile Küsel (von links) feiern bei „Netti‘s“ - bevor es in die Heimat geht. Fotos: Laudien
Studenten, Lehrer, Rentner - bei „Netti’s“ Kneipe trifft sich Jung und Alt auf einen Absacker. Auch in der Weihnachtszeit ist hier niemand allein - und Probleme können mal vergessen werden.
Ob einsame Gäste, auf die zuhause niemand wartet, oder Freunde nach einem gemeinsamen Bummel über den Buxtehuder Weihnachtsmarkt - mit Glühwein und Punsch wird bei „Netti’s“, Lange Straße 1, jedem in der Weihnachtszeit draußen wie drinnen warm ums Herz. Inhaberin Annette Klar und Freund Stefan haben es für die Gäste in der kalten Jahreszeit vor der Kneipentür besonders gemütlich gemacht. Zwei riesige Marktschirme sind mit Lichterketten geschmückt, Tannenbäume wurden als weihnachtliche Deko aufgestellt und einige der Stehtische sind sogar mit Infrarotheizung ausgestattet, um beim geselligen After-Work-Treffen bis in die Fußspitzen einzuheizen.
„Hier gibt es den besten Glühwein“, sagen Petra und Michael aus Heeslingen. Sie kommen eigens jedes Jahr nach Buxtehude, um mit einem befreundeten Ehepaar über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Anschliessend kehren sie dann immer bei „Netti’s“ ein. Dass die kleine Kneipe und der St. Petri-Platz dieses Jahr nicht in den Weihnachtsmarkt integriert wurden, finden einige der Gäste sehr bedauerlich. Anfangs sollten sogar zwei Behindertentoiletten ans Ende des Weihnachtsmarktes direkt vor der Kneipe aufgebaut werden. Doch das konnte die Wirtin gerade noch verhindern. Der Beliebtheit von „Netti’s“, eine der wenigen Kneipen in Buxtehude, die es in der Altstadt noch gibt, können die wenigen Schritte in der Fußgängerzone hinter dem Ende des Weihnachtsmarktes aber keinen Abbruch tun. „Netti’s leckerer Glühwein hat sich längst überall herumgesprochen“, versichert das Heeslinger Ehepaar.
Stefan und Annette (Netti) Klar kümmern sich um das Wohl ihrer Gäste.
Traumjob hinterm Tresen
Am Außentresen heizt Peter Bachmann mit den bekannten Heißgetränken mit und ohne Schuß den Gästen von innen ordentlich ein. Der neue Mitarbeiter war 23 Jahre als Chauffeur des Vorstandes der Allianz-Versicherung tätig. Nun hat er im Vorruhestand seinen Traumjob hinter dem Tresen gefunden. Schon in jungen Jahren habe er in Kneipen gejobbt und wollte es jetzt noch mal wissen, ob er es noch drauf hat. Viel Zeit zum Klönen bleibt ihm an diesem Abend nicht, denn sein Außentresen wird von immer mehr Gästen belagert, die nach Feierabend bei „Netti’s“ einkehren. Nachdem es tagsüber sogar einen Hauch von Schnee in Buxtehude gab, herrscht an diesem eiskalten Dezemberabend regelrechte Hütten-Stimmung wie beim Apres-Ski in den Bergen und der Duft von heißem Glühwein liegt in der Luft.
Stress durch Lehrermangel
David und Bianca, beide Oberschullehrer aus Stade, wollen ihren Feierabend mit einem Absacker bei „Netti’s“ gemütlich ausklingen lassen. Weihnachten werden sie mit ihren beiden Kindern zu Hause traditionell feiern und haben eigentlich nur einen einzigen Weihnachtswunsch: „Wir wünschen uns mehr Zeit“, sagt Bianca. Denn durch die aktuelle Krankheitswelle und den allgemeinen Lehrermangel sei es für sie momentan ziemlich stressig im Schulbetrieb. Doch an diesem Abend möchten sie ihrem hektischen Schulalltag zumindest für kurze Zeit entfliehen.
Auszeit vom Schulstreß: Die beiden Lehrer David und Bianca aus Stade
Das Frauchen von Mischlingshündin Maxi im roten Winterdress und mit blauer Beleuchtung ist zusammen mit einer Freundin nach dem Line-Dance-Kursus gekommen. Die Frührentnerin möchte bei „Netti’s“ ebenfalls ihre Probleme mal völlig vergessen. Durch die aktuelle Energiekrise und die momentanen Preiserhöhungen bekomme sie durch ihre geringe Rente die finanziellen Auswirkungen drastisch zu spüren.
Finanzielle Not durch geringe Rente
„Ich muss jetzt eigentlich bei allem sparen.“ Insbesondere bei Lebensmitteln achte sie auf Angebote und habe auch ihre Heizung trotz der Minusgrade stark gedrosselt. „Ich wünsche mir daher zu Weihnachten einzig und allein ein finanzielles Auskommen.“ Ihre Fröhlichkeit hat die Frührentnerin trotz der schwierigen Lage dennoch nicht verloren. Heiligabend werde sie als Mitglied des Apenser Chores „Happy Voices“ in der Kirche in Apensen singen und zu Hause gebe es dann traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen.
Hündin Maxi mit Frauchen in fröhlicher Runde
In fröhlicher Runde bei Glühwein und Eierpunsch haben sich auch die Familien Bachmann und Schäfer mit ihren Kindern bei „Netti’s“ eingefunden. Sie wünschen sich vor allem Gesundheit und den Zusammenhalt ihrer Familie. Das sei für sie das Wichtigste.
Während draußen bei den Gästen von innen für Erwärmung gesorgt wird, sind drinnen bei „Netti’s“ am Tresen und an den Sitzecken nahezu alle Plätze belegt. Fünf Studentinnen der Hochschule 21 wärmen sich hier nach einem ausgiebigen Bummel über den Weihnachtsmarkt in geselliger Runde auf. Die Stimmung ist fröhlich, denn die letzte Prüfung sei geschrieben, erzählen die jungen Frauen. Das müsse gefeiert werden. Zumal sich anschließend ihre Wege trennen. Daher sei jetzt auch „Driving home for Christmas“ ihr favorisierter Lieblings-Weihnachtshit. Denn Weihnachten werden die Architekturstudentinnen des dritten Semesters in ihrer jeweiligen Heimat in Rendsburg, Lingen, Osnabrück, Trier und Rotenburg verbringen und anschließend in Firmen vor Ort den Praxisteil ihres dualen Studiums vertiefen. Was sie sich zu Weihnachten wünschen? „Vor allem mehr Zeit“, da sind sich alle einig. Ein Wiedersehen der fünf Studentinnen gibt es dann erst im Frühjahr, wenn das Studium an der Hochschule 21 in Buxtehude für sie wieder weitergeht. Dann werden sie sich selbstverständlich auch wieder bei „Netti’s“ treffen, da es für sie und etliche andere Studenten die Stammkneipe sei.
Die Adventsserie
Im Dezember öffnet das TAGEBLATT bis Heiligabend 24 Türen, hinter denen sich interessante Menschen und spannende Geschichten aus der Region verbergen. Alle Folgen der Serie gibt es im Internet unter: