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In Rade bewegen blaue Bretter die Warenwelt

Blaue Euro-Paletten, gecheckt, repariert und bereit für den nächsten Einsatz, stapeln sich in der Chep-Halle in Rade bis zur Decke. Chep- Regionalbetreuer Markus Menne kontrolliert, dass hier alles nach den Qualitätsstandards des Unternehme

Blaue Euro-Paletten, gecheckt, repariert und bereit für den nächsten Einsatz, stapeln sich in der Chep-Halle in Rade bis zur Decke. Chep- Regionalbetreuer Markus Menne kontrolliert, dass hier alles nach den Qualitätsstandards des Unternehme

Mit seinem Mega-Logistikzentrum an der A 1 ist Neu Wulmstorf zur größten Warendrehscheibe im Hamburger Süden geworden. Auch die, die den Warentransport möglich machen, ackern hier im großen Stil: Firma Chep schlägt in Rade täglich 30 000 Paletten um..

Von Claudia Michaelis Freitag, 23.11.2018, 20:30 Uhr

Ohrstöpsel, Warnweste und Sicherheitsschuhe sind Pflicht, bevor Markus Menne einen Besucher in die Halle lässt. Denn dort herrscht reichlich Bewegung, und leise ist es auch nicht gerade. Gabelstapler flitzen umher, ziehen bis zu 20 aufeinandergetürmte blaue Paletten aus den Lkw, die draußen an den Ladestationen angedockt sind und bringen sie zum Entstapler, der sie vollautomatisch auseinanderzieht und einzeln aufs Fließband legt.

Markus Menne ist Regionalbetreuer bei der Chep Deutschland GmbH und aus der Unternehmenszentrale in Köln ins Service-Center nach Rade gekommen, um zu schauen, ob hier alles läuft, wie es soll. In einer der grünen Hallen im Logistikzentrum betreibt Chep, der weltweit größte Anbieter von Ladungsträgern, auf 10 000 Quadratmetern Fläche sein Service-Center. 2016 hat die Firma in Rade ihre vorherigen Standorte Norderstedt und Bremen zusammengeführt. Von Rade aus bedient Chep ganz Norddeutschland mit frisch gecheckten und reparierten Paletten.

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An der nächsten Station in der Halle steht Inspekteur Mateusz Tupyj und unterzieht die Paletten einer ersten Sichtprüfung, zieht hier einen Folienrest, da ein Pappstück ab, das von der Warenverpackung hängen geblieben ist. Dann laufen die Paletten in ein Gerät, in dem sie sechs Infrarotkameras von allen Seiten scannen und auf Absplitterungen oder andere Fehler checken. Das elektronische Auge entscheidet, ob die Palette gut ist und auf dem Band gleich wieder abbiegt in Richtung Ausgang oder ob sie auf dem Band an einen der Arbeitstische weiterläuft.

Dort steht Reparateur Tomasz Jonczyk und sieht sofort, was zu tun ist. Im Handumdrehen greift er die Palette vom Band, zieht mit seinem Werkzeug kaputte Nägel, Bretter und Klötze ab, legt neue auf, tackert sie wieder fest und legt die reparierte Palette zurück aufs Band. An den acht Reparaturbänken arbeiten Jonczyk und seine Kollegen im Zweischicht-Betrieb.

Die reparierten Paletten wandern weiter in die Lackierkabine und werden dort vollautomatisch mit jener blauen (Lebensmittel-) Farbe bespritzt, die sie weltweit als Eigentum von Chep ausweist. Ral 5015 „himmelblau“: Das ist die Farbe aller Chep-Paletten, an denen sie in der ganzen Welt zu erkennen sind, weiß Menne. Anschließend werden die Paletten noch auf ihre Feuchtigkeit gemessen, dann packt sie ein Roboter auf den Stapel zur Abholung für den nächsten Einsatz.

Am Standort Rade beschäftigt Chep 35 Mitarbeiter und hat gerade in die Automatisierung der Anlage investiert. 600 Paletten pro Stunde können jetzt durch die Inspektions- und Reparaturanlage geschleust werden, erklärt Menne. Durch die Automatisierung lassen sich die Euro-, Halb- und Viertelpaletten noch schneller umschlagen, denn Chep ist auf Expansionskurs. Seit 2016 verzeichne Chep eine wachsende Nachfrage nach seinen Paletten. Bis Mitte 2019 erwarte das Unternehmen allein in Rade eine Steigerung der jährlichen Umschlagmenge von 30 000 Paletten auf fast das Doppelte.

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Menne kennt auch den Grund für die Expansion: Immer mehr Hersteller und Händler nutzen Cheps Dienstleistung, das sogenannte Palettenpooling – ein in sich geschlossenes System, in dem die Paletten recycelt und getauscht werden. Der zunehmende Palettenklau nervt die gesamte Branche und kostet Firmen und Spediteure Jahr für Jahr Hunderttausende Euro. Mit seinem Mietsystem bietet Chep eine Alternative: Chep bleibt stets Eigentümer seiner Paletten und sorgt für Wartung und Reparatur, die Kunden brauchen den Ärger und das finanzielle Risiko bei Verlust oder Diebstahl nicht zu fürchten. Die blaue Farbe und der Chep-Stempel signalisieren die Unverkäuflichkeit der Palette.

Die Kunden bestellen die Paletten, beladen sie und schicken sie zum Handel. Vom Großhandel holt Chep die leeren Paletten wieder ab. Dabei ist es auch egal, wenn sie inzwischen in Spanien gelandet sind. Dann holt sie der spanische Chep-Standort ab und speist sie wieder in den Kreislauf ein, erklärt Menne. In Deutschland hat Chep 30 Standorte, 200 in Europa. Allein in Rade fahren täglich an die 50 Lkw mit 30 000 Paletten ein und aus, rund zwei Millionen Paletten pro Jahr. Zu Cheps Kunden gehören Riesen wie Nestlé, Mondelez, Henkel oder Procter & Gamble ebenso wie kleine Einzelhändler.

Unterdessen hat der Gabelstapler einen Lkw mit Paletten beladen, der gleich nach Buxtehude fahren wird. Ein bis drei Lkw fahren von Rade jeden Tag zum Unilever-Werk, weiß Menne. Denn auch Unilever packt seine Kosmetikprodukte made in Buxtehude auf die blauen Miet-Bretter.

Der Firmenname Chep ist die Abkürzung für Commonwealth Handling Equipment Pool. Das Logistik-Unternehmen, das sich auf das Pooling (Bündelung) von Paletten und Behältern spezialisiert hat, wurde 1945 von der australischen Commonwealth-Regierung gegründet und gehört heute zum australisch-britischen Dienstleistungsanbieter Brambles. Die blaue Farbe der Paletten geht auf die Gründungszeit zurück. Als die amerikanischen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg aus Australien abzogen, hinterließen sie ungezählte blaue Paletten der US Navy im Land. Die Regierung Australiens versuchte zunächst selbst, das Pooling dieser Paletten zu betreiben. Später wurde es an Brambles abgegeben. Die 1985 gegründete Chep Deutschland GmbH ist in Köln ansässig. In Deutschland ist Chep vor allem für seine blaue Viertelpalette bekannt.

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