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In Turnschuhen zum Walzerschritt

Vor-Seit-Ran im Neonlicht: Die Tanzlehrer Michael Hillmann und Hanna Hausschildt zeigen den Debütanten den Wiener Walzer . Fotos Meybohm

Vor-Seit-Ran im Neonlicht: Die Tanzlehrer Michael Hillmann und Hanna Hausschildt zeigen den Debütanten den Wiener Walzer . Fotos Meybohm

24 Debütantenpaare proben für ihren großen Auftritt: Am Sonnabend werden sie den 11. Stader Opernball mit einem Wiener Walzer eröffnen. Das TAGEBLATT begleitete eine der Tanzstunden.

Dienstag, 01.03.2016, 17:01 Uhr

Ordentlich aufgereiht und in Tanzhaltung stehen 24 Paare auf dem Parkett. Die Partner blicken jeweils links aneinander vorbei, die Oberarme fallen leicht ab. Tanzlehrer Michael Hillmann gibt das Kommando: „Und Aaan-Fang.“ Dann schweben 48 Paar Füße, in Pumps, klassischen Herrenschuhen, aber auch in Stiefeln oder Turnschuhen im Dreivierteltakt über den Saal.

Die Tanzschule Hillmann bereitet die Debütantenpaare auf ihren großen Auftritt vor: den Eröffnungstanz beim Stader Opernball. Bei den Probeläufen gibt Tanzlehrer Michael Hillmann noch über das Mikrofon Anweisungen, Tanzlehrerin Hanna Hauschildt geht durch die Reihen und korrigiert kleine Fehler. Am Sonnabend muss das Vortanzen ohne fremde Hilfe klappen.

Seit dem ersten Opernball in Stade im Jahr 2006 kooperiert die Tanzschule Hillmann mit dem Stadeum und bildet die Debütanten aus. Für die jungen Tänzerinnen und Tänzer sind sowohl der Tanzkursus als auch der Eintritt kostenlos. „Unsere Familien gehen zum Opernball. Ein bisschen tun wir also auch den Eltern einen Gefallen“, sagen Martina (24) aus Mittelnkirchen und Simon (21) aus Buxtehude. Für die 16-jährige Neele aus Bützfleth und ihren Tanzpartner Justin (16) dagegen ist das Debütieren eine Möglichkeit, mal in die „High Society“ hineinzuschnuppern. „Außerdem werden dort einige sehr gute Tänzer auftreten – da fühle ich mich geehrt, dass ich auch vortanzen darf“, sagt Neele.

Bei der Choreografie orientiert sich Michael Hillmann an den großen Opernbällen. Wie die Wiener oder Frankfurter werden auch die Stader Debütanten zum Einmarsch die Fächerpolonaise zeigen und dann einen Wiener Walzer tanzen. In nur fünf Unterrichtseinheiten à 90 Minuten lernen die Paare die Choreografie. „Das ist ein straffer Zeitplan“, sagt Michael Hillmann. Daher muss das „Vor-Seit-Ran, Rück-Seit-Ran“, der Grundschritt des Walzers, nach der zweiten Stunde sitzen. Danach geht es an die verschiedenen Wechsel und Drehungen. „Hier wandeln wir das Original choreografisch etwas ab“, erklärt Hillmann und fügt hinzu: „In Wien haben die Debütanten viel mehr Zeit zur Vorbereitung.“ Außerdem nähmen dort viele noch zusätzlichen Privatunterricht.

„Vielleicht üben wir vorher auch noch einmal zu Hause“, sagt Martina. Das Paar hat die vorige Tanzstunde verpasst – und es kommen jetzt schon wieder neue Choreografie-Elemente dazu. So kurz vor der letzten Probe fordert Michael Hillmann viel Konzentration von seinen Schülern. „Letztlich ist der Auftritt beim Opernball eine Gruppenleistung“, sagt der Tanzlehrer.

In den Übungsstunden legt Hillmann besonderen Wert darauf, dass die Debütanten gleichmäßig tanzen – da muss jeder Schritt sitzen. „Schwofen und Schunkeln sind nicht erlaubt“, sagt der Tanzlehrer und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber ein falscher Schritt fällt bei den langen Kleidern der Debütantinnen nicht so sehr auf.“

Martina (24) und Simon (21) proben für den großen Auftritt: Am Sonnabend werden sie und 23 weitere Paare den Opernball im Stadeum eröffnen.

Martina (24) und Simon (21) proben für den großen Auftritt: Am Sonnabend werden sie und 23 weitere Paare den Opernball im Stadeum eröffnen.

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