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Hobum Oleochemicals

Industriegeschichte mit viel Tradition

Hobum gehört zu Harburgs Industriegeschichte wie der Michel zu Hamburg: der Ziegelwiesenkanal mit dem Hobum-Werk auf einem Foto von 1912.

Hobum gehört zu Harburgs Industriegeschichte wie der Michel zu Hamburg: der Ziegelwiesenkanal mit dem Hobum-Werk auf einem Foto von 1912.

Eines der traditionsreichsten Unternehmen in Harburg, die Hobum Oleochemicals GmbH im Binnenhafen, feiert seinen 60. Geburtstag. Das scheint für ein Industrieunternehmen in der heutigen Zeit nicht wenig. Eine Verbindung zum Harburger Standort hat die Inhaber-Familie aber schon viel länger.

Von Sabine Lepél Dienstag, 04.06.2019, 08:00 Uhr

Passend zum runden Firmenjubiläum gibt es aus der Geschäftsleitung des Familienbetriebs ein Bekenntnis zum Standort Harburg, denn das Unternehmen investiert in diesem Jahr einen hohen Betrag in einen neuen Reaktor, das neue Herzstück der Produktion von oleochemischen Rohstoffen.

„Der neue, hochmoderne Reaktor ermöglicht eine um 20 Prozent höhere Kapazität unserer Anlage“, sagt Arnold G. Mergell, der gemeinsam mit seinem Bruder John P. Mergell die Geschicke des Familienunternehmens mit seinen 53 Mitarbeitern leitet. Arnold G. Mergell betont: „Auch wenn wir mittlerweile Kunden in der ganzen Welt mit unseren Produkten beliefern, werden wir dies auch in der Zukunft von Harburg aus tun.“

Kaum ein anderes Unternehmen ist so eng mit der Geschichte Harburgs verbunden wie die Hobum: Bereits 1896 nahm die Harburger Leinöl- und Firnisfabrik Brinckman ihren Betrieb in Harburg auf. Gründer waren die Harburger Unternehmer Max Brinckman und Arnold Mergell. 1906 erfolgte dann die Umfirmierung in Harburger Oelwerke Brinckman und Mergell (HOBUM).

Die Harburger Fettchemie Brinckman und Mergell wurde 1959 gegründet – auf diesem Datum basiert das diesjährige Jubiläum. Als kleinere Schwester der Pflanzenölraffinerie war diese Firma zunächst in der Verarbeitung von Raffinationsfettsäuren zu oleochemischen Schmierstoffen tätig. In den 1980er Jahren erfolgte die strategische Neuausrichtung auf die Verarbeitung von hochungesättigten Pflanzenölen und -fettsäuren sowie eine damit verbundene Spezialisierung.

Seit dem Ausstieg der Familie Brinckman Mitte der 1980er Jahre sowie der Veräußerung der Raffinerie an die belgische Vandemoortele-Gruppe im Jahr 1990 bildet die Firma den Kern der Hobum-Unternehmensgruppe und wird in vierter Generation von der Harburger Familie Mergell geführt. 2003 erfolgte schließlich die Umfirmierung in Hobum Oleochemicals, um eine stärkere internationale Ausrichtung der Firma zu ermöglichen. Auch heute noch befindet sich das Tochterunternehmen der Harburger Oelwerke in Besitz der Familie Mergell.

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Seit 60 Jahren entwickelt und produziert die Hobum Oleochemicals GmbH Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Durch die Spezialisierung auf die Oleochemie auf Basis von Pflanzenölen und deren Fettsäuren entstehen die unterschiedlichsten Rohstoffe für Lacke, Farben, Klebstoffe und Kunststoffe, die unter anderem in der Automobilbranche, in der Luftfahrt sowie der chemischen Industrie, aber auch bei Möbeln oder Verpackungen eine wichtige Rolle spielen.

Einen strategischen Schwerpunkt der Hobum bildet der Bereich Forschung und Entwicklung. „Für uns steht die Suche nach speziellen Problemlösungen für unsere Kunden im In- und Ausland im Vordergrund“, betont Arnold G. Mergell. „Das Ziel sind neue und innovative Produkte. Deshalb arbeiten 13 unserer 53 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung.“ Einen sehr großen Stellenwert dabei habe die enge Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg in Harburg, so Mergell: „Gemeinsame Forschungsprojekte, wissenschaftliche Zusammenarbeit oder beispielsweise die Vergabe von Masterarbeiten helfen bei der Bewältigung der Problemstellungen in Gegenwart und Zukunft.“ Mergell ist sich sicher: „Die Industrie muss sich transformieren, um den Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung gerecht zu werden.“

Der Hobum-Geschäftsführer engagiert sich nicht nur für sein eigenes Unternehmen, sondern ist auch ehrenamtlich in Sachen Betriebsförderung aktiv: Arnold G. Mergell ist seit Jahren im Vorstand des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden aktiv und seit Januar 2018 dessen Vorsitzender. Er kämpft nicht nur in dieser Funktion für den Fortbestand des industriellen Gewerbes in Hamburg und speziell in Harburg. „Unser Herz schlägt für die Industrie“, sagt Mergell. Vor allem Harburg, wo sein Unternehmen in der Seehafenstraße ansässig ist, sei ein alter Industriestandort, betont der Betriebswirt.

Der Spross der bekannten Harburger Unternehmer-Dynastie kennt die Harburger Seehäfen, wo Hobum Oleochemicals nach wie vor ansässig ist und laut Geschäftsführung auch bleiben will, wie kaum ein anderer. Schon als Kind ging er mit seinem Vater direkt vom familieneigenen Produktionsstandort auf die „Dampfer“, die dort festgemacht hatten und Rohstoffe aus der ganzen Welt nach Harburg brachten. Heute pocht er auf die Sonderrolle des Areals neben dem stark wachsenden Harburger Binnenhafen: „Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die saubere Trennung zwischen Wohnen und industrieller Hafennutzung ist“, so Mergell.

Im Binnenhafen sind Wohnen, schicke Gastronomie angekommen, Harburgs Bevölkerung flaniert inzwischen gern entlang alter Kaimauern und moderner Bürofassaden. Im Gebiet der Seehäfen, das durch den Ziegelwiesenkanal vom Binnenhafen getrennt ist, flaniert niemand. Dort wird malocht. „Und das ist auch gut so“, findet Mergell. Sein Unternehmen will diese Tradition jedenfalls auch in Zukunft fortsetzen.

„Der Hamburger Süden ist schon immer ein Industriestandort gewesen und genießt eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, der Politik sowie der Verwaltung. Manchmal muss man allerdings im Hamburger Rathaus an die Bedeutung unserer Industrie erinnern. Das werden wir auch weiterhin sehr gerne tun“, so der Vorstand des Wirtschaftsvereins.

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Die Harburger Seehäfen

Die Seehäfen entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, weil der Harburger Hafen dem modernen Schiffsverkehr nicht mehr gewachsen war. Der Erste Weltkrieg und die Inflation verzögerten den Bau des letzten Seehafens bis 1928. Harburg war damals europäischer Hauptplatz für die Herstellung von Pflanzenölen und Ölkuchen, ein Zentrum für die Versorgung Deutschlands mit Pflanzenfetten und Kraftfuttermitteln, Vorort der deutschen Mineralöl- und Bitumenindustrie sowie zweitgrößter deutscher Kautschukplatz.

Mineralöl, Pflanzenöl und „Reste“ der Kautschuk-Industrie spielen in den Seehäfen immer noch eine große Rolle, Futtermittel ebenso. Hinzugekommen sind Logistiker, Schrotthändler, Kies- und Splittimporteure sowie der Baustoff-Umschlag. Es ist ein über viele Jahrzehnte gewachsener Standort, teilweise wurden namhafte Harburger Industrieunternehmen wie Brinkmann & Mergell oder Noblee & Thörl von internationalen Firmen übernommen.

Wie viele Arbeitsplätze die Unternehmen an den Seehäfen insgesamt bieten, lässt sich nicht genau sagen. Weder der Bezirk Harburg noch Hamburg Port Authority fühlen sich zuständig. Es dürften aber noch ein paar Tausend sein. Es gibt keine Interessenvertretung der Seehäfen-Anlieger, sie sind lediglich in einer Zweck- und Zwangsgemeinschaft „verhaftet“: in der Poldergemeinschaft der Eigentümer zum Hochwasserschutz.

Industrie und Schiffe: die Harburger Seehäfen aus der Vogelperspektive. Foto: Hasenpusch

Industrie und Schiffe: die Harburger Seehäfen aus der Vogelperspektive. Foto: Hasenpusch

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