TInitiative hofft auf neuen Elbtunnel bei Stade
Ein von einer E-Lok gezogener Güterzug auf der Schiene. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
Die Initiative für ökologischen, nachhaltigen Personen- und Güterverkehr plädiert für eine neue Elbquerung bei Stade und setzt große Hoffnungen in die neue Bundesregierung. Dabei soll vor allem der Warenverkehr profitieren – aber auch an Radfahrer wird gedacht.
(Letztes Update: Sonntag, 12. Dezember, 16.35 Uhr: Detailierter Bericht hinzugefügt)
„Ohne Rücksicht auf die Umwelt und die an der Elbe lebenden Menschen wurde die Elbvertiefung von Hamburg vorangetrieben und letztendlich auch durchgesetzt“, sagt IÖNPG-Sprecher Manfred Schuster mit Blick auf die jüngsten Verlautbarungen der Hafenwirtschaft. Für den Hamburger Hafen habe es wenig bis nichts gebracht, Rotterdam eilt davon. Deshalb sei es ein wenig dreist, jetzt eine Zusammenarbeit der nordwestdeutschen Seehäfen zu fordern.
Nur um dem „stetigen Wachstum des Rotterdamer Hafens Paroli zu bieten“ rücke „die Idee einer Hafen-übergreifenden Zusammenarbeit der bislang konkurrierenden Seehäfen an der deutschen Nordseeküste in greifbare Nähe“, betont Schuster seitens der IÖNPG, zu deren Beratern unter anderem der EVB-Gründer Heinz Badke sowie Professor Dr. Uwe Höft (Technische Hochschule Brandenburg) gehören.
Sprecher: "Rotterdam gegenüber Hamburg im Vorteil"
Endlich und hoffentlich nicht zu spät, hätten die Hafenbetreiber Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und Eurogate bemerkt, dass mit gegenseitiger Konkurrenz dreier Häfen an der deutschen Nordseeküste Rotterdam nicht beizukommen sei. „Zumal der Hafen in den Niederlanden als Tiefwasserhafen direkt erreichbar und nicht wie die Häfen in Bremerhaven oder Hamburg durch Flussmündungen erreichbar sei“, so Schuster.
Schon vor Jahren war Hamburg aus der Planung des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven ausgestiegen. Mittlerweile dürfte man dort gemerkt haben, dass das ein großer Fehler war, sagt Schuster weiter. Enorm wichtig für die Häfen seien die Industrien im näheren Umfeld und die Hinterlandanbindungen. Auch da sei Rotterdam im Vorteil, sagt Schuster mit Blick auf die Industriestandorte in NRW direkt vor der Haustür.
Zudem hätten die Niederländer sehr früh auf die Anbindung durch die Schiene gesetzt. Zumindest Bremerhaven und Hamburg seien mit ihren Hafeneisenbahnen nachgezogen. Die Investitionen dort seien beispielhaft, bei den notwendigen nachfolgenden Anschlüssen bestehe jedoch extremer Nachholbedarf.
Bremerhaven könnte Bremen entlasten
Durch eine Zusammenarbeit der Häfen bekommen jetzt Forderungen an die Politik deutlich mehr Gewicht. Das wird deutlich, wenn die Seehäfen eine bessere Anbindung an das Schienennetz fordern. Bei diesen Forderungen spielen Klimaschutz und Zuverlässigkeit eine Rolle.
Die verfehlte Verkehrspolitik der bisherigen Bundesregierungen erweise sich als nicht in die Zukunft gedacht. „Es wurde überwiegend in den Neubau von Straßen investiert, Investitionen in die Schiene jedoch stark vernachlässigt, Gleisanlagen sogar zurückgebaut. „Das rächt sich nun“, kritisiert die IÖNPG.
In Zeiten des Klimawandels könne sie nur hoffen, dass die neue Bundesregierung einen 180-Grad-Schwenk macht. Die Wirtschaft sei diesbezüglich schon weiter und treibt die künftige Regierung vor sich her, bevor sich diese konstituiert hatte. Die neue Regierung müsse schnellstens zusammen mit den Hafenstandorten ein Verkehrskonzept erarbeiten, das ein Umsteuern des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene gewährleistet, fordern die Aktivisten.
So stellt sich die IÖNPG den „Tustadtor“-Tunnel zwischen Stade und Tornesch vor.
„Bei diesem Verkehrskonzept könnte Bremervörde im Herzen des Elbe-Weser-Dreiecks eine entscheidende Rolle zufallen“, heißt es in der Mitteilung mit Blick auf drei Beispiele: „Bremerhaven bekommt den Schwerpunkt Skandinavien, aber auch den Süden, um den Nord-Süd-Strang durch Bremen zu entlasten.
Mitgeführte Güter für Hamburg und Osteuropa werden auf der Schiene bis Maschen weitergeleitet. Dazu wird die schon bestehende Strecke Bremerhaven-Bremervörde-Zeven-Tostedt der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) ertüchtigt und elektrifiziert“, heißt es in der IÖNPG-Vision.
Elbtunnel für Bahn, Autos, Radfahrer und Fußgänger
Weiter heißt es in dem Szenario: „Die Entlastung für Bremen erfolgt über den schon seit 2014 geforderten „Bypass für Bremen“ (Bremervörde-Zeven-Rotenburg und von dort über Verden in den Südstrang). Der Güterverkehr nach Skandinavien wird über Bremervörde auf die schon bestehende Strecke Bremervörde-Fredenbeck-Stade der EVB verlegt. Auch diese muss ertüchtigt und elektrifiziert werden.
Ein Abzweig von der EVB-Strecke in Fredenbeck verbindet dann durch einen multifunktionalen Tunnel Niedersachsen mit Schleswig-Holstein und mündet bei Tornesch in die DB-Strecke Hamburg-Kiel. Die Querung der Elbe durch den Tunnel bei Stade mit Schwerpunkt Bahnverkehr ermögliche parallel die Passage von Autos und über einen regelmäßigen Shuttle auch die von Fußgängern und Fahrrädern.
Hamburg habe den Vorteil einer starken Industrieansiedlung im näheren Umland. Diese brauche den Hafen und umgekehrt. Zusätzlich sei die Anbindung von Ost- und Südeuropa wesentlicher Bestandteil des Hafens.
„Zur Verbesserung der Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene werden alle jetzt schon vorhandenen Schienenverbindungen ausgebaut“, fordert die IÖNPG. Und die Verbindung Hamburg-Berlin-Osteuropa sollte nach Überzeugung Schusters und seiner Mitstreiter durch den Ausbau der ehemaligen Amerika-Linie für den Güterverkehr ertüchtigt werden. Über die schon in der Planung befindliche Rail-Baltica (R-B) würde der Güterverkehr in die Baltischen Staaten abgewickelt.
"Amsterdam und Kopenhagen rücken näher zusammen"
„Bei diesen wegweisenden Investitionen in eine klimaneutrale Zukunft geht es nicht nur um den Gütertransport. Auch die Bevölkerung muss davon profitieren“, heißt es seitens der IÖNPG. In Anlehnung an die schon seit mehreren Jahren geplante so genannte „Wunder-Line“ (eine Zugverbindung von Groningen/Niederlande über Leer, Bad Zwischenahn, Oldenburg bis Bremen, könnte diese weitergeführt werden als „Hygge-Fantastik-Stræk“: Von Bremen aus über OHZ, das Künstlerdorf Worpswede, die Findorff-Siedlung Gnarrenburg, dann Bremervörde zur Hansestadt Stade und weiter über Tornesch, Neumünster, Schleswig nach Flensburg und weiter über Kolding, Odense nach Kopenhagen.
„Somit wären drei europäische Länder im Norden mit einer durchgehenden Eisenbahnlinie verbunden. Amsterdam (NL) und Kopenhagen (DK) rückten näher zusammen“, beschreibt Manfred Schuster die sehr optimistische Vision der Initiative.
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Auch der Güterverkehr belastet die Anwohner an der Bahnstrecke. Archivfoto: Allwörden