Insekten finden Blühparadies
Ulf Gieseler (links) und Kai Hollander sind überzeugt, dass der Wildacker-Versuch mehr als gelungen ist. Foto Monsees
Landwirt Ulf Gieseler hat in der Straße Altendorf in Osten einen großen Wildacker und Blühstreifen angelegt. Dort summt, zirpt und brummt aus allen Richtungen. Es scheint, als fühlten sich Brummer und Falter wie im Schlaraffenland.
Von Carmen Monsees
Bienen, Hummeln, Schmetterlinge sind unersetzlich. Als Blütenbestäuber sorgen sie für die Pflanzenvielfalt. Doch wo finden sie heute noch Nahrung? Auf Feldern, Wiesen und in Gärten blüht es immer weniger. „Bei den sommerlichen Temperaturen ist der starke Anflug von Bienen und Insekten sehr gut zu beobachten gewesen“, berichtet Ulf Gieseler. „Der Sinn und Zweck meines ersten großen Wildacker-Versuchs ist, das Insektenleben zu fördern. Ich biete Hummeln Bienen und Insekten eine Nahrungsgrundlage. Zum anderen bekommt auch das Niederwild, Fasan oder Rebhuhn Rückzugsmöglichkeiten“, erzählt der engagierte Landwirt und Jäger bei der Ortsbegehung. Der Imker Ralf Umland aus Großenwörden hatte an dieser Blühfläche monatelang einige Bienenstöcke aufgestellt, wie er sagt.
„Insgesamt sind auf dem zwei Hektar großen Wildacker sechs verschiedene Saatgut-Mischungen in breit angelegten Streifen nebeneinander aufgeblüht. Die wurden von der Agravis Raiffeisen Weser-Elbe und Isernhagen gesponsert“, erklärt Gieseler. Alle dort angebauten Sorten seien Agravis Eigenmischungen, die zum Teil sogar greeningfähig seien. „Das bedeutet, diese Saatmischungen sind zur Ansaat auf ökologischen Vorrangflächen erlaubt“, fügt Kai Hollander von der Raiffeisen Weser-Elbe hinzu.
„Wir waren begeistert, als Ulf Gieseler uns von dem Vorhaben erzählt hat und haben sofort unsere Unterstützung zugesagt“, betont er. Auch Kai Hollander schaut oft und gern mit der Familie am Wildacker vorbei. Er könne sich an dem Insekten-Paradies gar nicht sattsehen, schwärmt er. „Das Optimale ist, dass wir an der Blühfläche jetzt gut erkennen können, welche Saat-Mischungen tatsächlich am besten für diese Region geeignet sind, um den Fortbestand von Biene und Co. zu fördern“, so Hollander. „Insekten, die auf Blüten gehen, wie Honigbiene, Wildbiene, Hummel, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge haben eine entscheidende Funktion im Ökosystem.“ Sie erledigten auf ihrer Nahrungssuche die Bestäubungsarbeit. Etwa 80 Prozent der einheimischen Blütenpflanze seien auf Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen. „Die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert“, bekräftigen die beiden.
Die Landwirtschaft gestalte in großem Maße unsere Kulturlandschaft. Doch die Entwicklungen führten zu einem immer knapper werdenden Nahrungsangebot für Insekten, so Gieseler. „Die landwirtschaftlich genutzten Flächen können unsere Insekten nicht mehr ernähren.“ Auch er müsse sich als Landwirt immer wieder selbst hinterfragen. Jeder Landwirt habe seiner Ansicht nach mit Sicherheit irgendwo eine Ecke und sei es nur 200 Quadratmeter, wo er ein Stück Wildacker anlegen könne.
In der Straße Altendorf jedenfalls sind Buchweizen, Malve, Hafer, Borretsch und insbesondere Sonnenblume und Phacelia nicht nur echte Hingucker, der Effekt ist sichtbar, spürbar und gut zu riechen. Ulf Gieseler und Kai Hollander schwebt vor, den wild blühenden Acker schon bald zum außerschulischen Lernort zu machen. Kinder können die Pflanzenwelt entdecken und sehen, wie die Hummel den Weg zur Blüte findet.