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Frauen in Führungspositionen

Interview mit "Lady Fitness"-Inhaberin Heike Hermeling

Die Unternehmerin Heike Hermeling , Inhaberin von „Lady Fitness“, ist Mutter eines 20-jährigen Sohnes und hat wie viele Frauen Karriere und Familie unter einen Hut gebracht. Foto Balzer

Die Unternehmerin Heike Hermeling , Inhaberin von „Lady Fitness“, ist Mutter eines 20-jährigen Sohnes und hat wie viele Frauen Karriere und Familie unter einen Hut gebracht. Foto Balzer

Mit erst 23 Jahren eröffnete die „Lady Fitness“Inhaberin Heike Hermeling ihr Studio in Stade nur für Frauen, mit 25 Jahren hatte sie 1,5 Millionen D-Mark Schulden. Im Interview spricht sie über Startschwierigkeiten, ihr Erfolgsrezept und Zukunftsvisionen.

Mittwoch, 08.08.2018, 08:30 Uhr

Von Julia Balzer

TAGEBLATT: Frau Hermeling, wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit 23 Jahren ihren Beruf als Krankenschwester aufzugeben, um sich mit einem neuartigen Fitnessstudio nur für Frauen selbstständig zu machen?

Heike Hermeling: Das war in der Tat eine kühne Idee, denn das gab es 1987 noch so gut wie gar nicht in Deutschland. Den Ausschlag gaben meine Erfahrungen in einem Fitnessstudio, als ich nach mehreren gescheiterten Diäten zu der Erkenntnis kam, dass ich nur mit Bewegung von meiner damaligen Kleidergröße 44/46 runterkommen würde. Dort angemeldet, musste ich mir nicht nur missbilligende Blicke, sondern auch Sprüche – insbesondere von Männern – gefallen lassen. So kam ich zu der Idee und entschloss mich zusammen mit meinem Mann Bernd, ein zunächst 150 Quadratmeter großes Studio am Hohenwedel zu eröffnen.

Gab es in der damals doch eher kleinbürgerlichen Stadt Stade überhaupt Menschen, die an Sie und die Idee geglaubt haben?

Wir glaubten aus voller Überzeugung an diese Idee. Und dann ja auch zahlreiche Kundinnen. Schon nach kürzester Zeit konnte ich keine Mitglieder mehr aufnehmen.

Aber zunächst mussten wir die Banken davon überzeugen, einen Kredit zu bewilligen. Das war nicht einfach. Nach insgesamt drei Aufnahmestopps und einer Erweiterung durch einen Durchbruch im Keller am Hohenwedel wagten wir dann, das heutige Gebäude in der Hansestraße zu kaufen und zu einem größeren Fitnessstudio umzubauen.

Es war eine harte Zeit. Zunächst habe ich alles alleine gemacht: Kurse gegeben, die Buchhaltung geführt, geputzt und mich nebenbei um Personal gekümmert, das ich dringend zur Unterstützung brauchte. Ein 13-Stunden-Tag war die Regel.

Was war Ihr Erfolgsrezept?

Ich habe das, was ich getan habe, aus voller Überzeugung und mit großer Leidenschaft und Herzblut gemacht. Natürlich gehörte dazu auch die Bereitschaft, ständig zu investieren und auf dem neuesten Stand zu bleiben – nicht nur, was das Angebot an Kursen und Geräten angeht, sondern es betrifft das Komplettpaket. Ich war und bin immer bemüht, einen Ort für Frauen zu schaffen, an dem man sich rundum wohlfühlt und den Spirit des heutigen Lifestyles spürt.

Dazu gehört auch das sich im Laufe der Jahre veränderte Gesundheitsbewusstsein in puncto Ernährung. Ich glaube, hier waren wir immer der Zeit voraus, da dies von Anbeginn an mein Thema war. Ich sehe den Wohlfühlzustand der Frau ganzheitlich. Außerdem hatte ich immer einen starken Mann an meiner Seite, der genauso an mich geglaubt hat. Natürlich war am Anfang auch ein Anteil Naivität dabei – was nicht immer vorteilhaft war.

Inwiefern?

Schon bei den ersten Gesprächen mit den Banken wurde mir unterschwellig Naivität unterstellt – aber nur, weil die nicht an den Erfolg glauben wollten. Und dann war ich immer davon ausgegangen, dass die gleiche Leidenschaft, dieselben Emotionen, die ich für „mein Baby“ hatte, auch meine Mitarbeiterinnen zu 100 Prozent teilen würden, weshalb ich ihnen auf kollegialer Augenhöhe und manchmal „zu lieb“ begegnet bin.

Ich weiß, dass meine sehr offene und den Menschen zugewandte Art nicht von allen als authentisch gesehen wurde. Das war und ist bis heute aber so. Ich liebe meine Mitmenschen und zeige es ihnen. Aus dieser Emotionalität heraus musste ich mir eingestehen, dass ich als Unternehmerin nicht automatisch eine gute Führungskraft bin. Ich musste erst lernen, Chefin zu sein.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen?

Ich lasse sie teilhaben an der Entwicklung des Unternehmens. Ich bin offen für Verbesserungsvorschläge und übertrage die Verantwortung für das Gelingen eines Projekts derjenigen, die es vorgeschlagen hat.

Meine insgesamt 14 Mitarbeiterinnen sind unterschiedlichen Alters und bilden ein großartiges Team, auf das ich sehr stolz bin. Durch ihre Unterschiedlichkeit befruchten sie sich gegenseitig und tragen jede für sich zum Erfolg des Studios bei. Ich denke, ich motiviere jede ganz individuell und immer mit einer persönlichen Ansprache.

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