Istanbul ordert 18 Airport-Enteiser
Auch auf dem drittgrößten Flughafen Europas, Schiphol bei Amsterdam, ist ein Airport-Enteiser made in Hedendorf seit 2012 mit Erfolg im Einsatz. Foto Herbert Dammann GmbH
Millionen-Auftrag für den Pflanzenschutz-, Fahrzeug- und Airport-Technik-Hersteller Dammann aus Hedendorf: Der Mittelständler wird im April/Mai dieses Jahres 18 Flughafen-Enteisungsgeräte in die Türkei liefern.
Damit werden die Flieger auf dem neuen Istanbuler Mega-Flughafen auch bei Schnee und Eis pünktlich starten und landen können. Die Dammann-Geräte werden auf dem neuen Istanbuler Flughafen („Istanbul Yeni Havalimani“) nicht nur die Start- und die Landebahnen, sondern auch das Vorfeld und die Straßen vom Eis befreien: Die Türken haben vier Airport-Enteiser (De-Icer) und 14 sogenannte Kommunalflächenenteisungsgeräte geordert. „Die Arbeitsbreiten betragen neun bis 30 Meter“, sagt Sprecher Oliver Hoinik. Der neue Flughafen soll am 29. Oktober eingeweiht werden, dem Nationalfeiertag der Türkei. 90 Millionen Fluggäste sollen nach offiziellen Angaben jährlich abgefertigt werden, langfristig sogar 150 Millionen Passagiere. Damit wäre „Istanbul Yeni Havalimani“ nordwestlich von Istanbul der größte Flughafen der Welt.
Dieser soll das neue Drehkreuz für Europa und Asien werden. Auf den sechs Start- und Landebahnen – mit drei Pisten geht’s los – sollen täglich 3500 Starts und Landungen erfolgen.
Auf die rollenden Enteisungsgeräte für die Start- und Landebahnen setzen europaweit bereits mehr als 40 Airports – unter ihnen auch Flughäfen großer Metropolen wie Amsterdam (Schiphol), Paris (Charles de Gaulle), Kopenhagen, Warschau, Mailand oder Oslo. In Deutschland setzen unter anderem Hamburg, München, Leipzig, Köln-Bonn sowie Airbus in Finkenwerder auf die Technik made in Hedendorf.
„Es ist ein wichtiger Prestige-Auftrag“, sagt der Unternehmenssprecher Oliver Hoinik. In Europa ist das mittelständische Unternehmen bereits führend. Der Auftrag könnte den Hedendorfern neue Absatzmärkte in Asien erschließen, bislang gibt es erst einen Flughafen in Asien, der auf die Dammann-Geräte setzt: Shenyang im Nordosten der Volksrepublik China.
So soll der neue Flughafen bei Istanbul Ende 2018 aussehen. Foto: IGA
Die hohe Effizienz, die Zuverlässigkeit sowie Kosten- und Umweltschutzgründe seien ausschlaggebend für den Kauf der Technik aus Buxtehude. Der Flughafen Kopenhagen hatte die Kosten für das Enteisen der Start- und der Landebahnen – dank der hohen Präzision aus der Pflanzenschutztechnik – um 40 Prozent senken können.
Versprüht wird – auch wegen der empfindlichen Triebwerke der Flugzeuge – das teure Kaliumformiat. Und so funktioniert es: Die Airport-Enteiser aus Hedendorf arbeiten satelliten- und computerunterstützt mit Hightech-Düsen. Mit bis zu 50 km/h fahren die Geräte über den Beton und Asphalt. An den Auslegern sind jeweils 240 Düsen montiert. Die luftgefüllten Tropfen des Enteisungsmittels zerplatzen mit hoher Aufprallgeschwindigkeit in viele kleine. So wird das Mittel mit deutlich geringerer Abdrift exakt verteilt. Das schone die Umwelt und reduziere die Kosten. „Dort, wo bereits gesprüht worden ist, schalten sich die Düsen automatisch aus. Unsere Systeme arbeiten mit den Daten von zwei Satelliten“, erklärt Oliver Hoinik.
Alles wird im Bordcomputer dokumentiert – auch, um bei Unfällen etwas in der Hand zu haben. Schießt ein Flugzeug über die Bahn hinaus oder müssen die Flieger einige Runden drehen, kann das teuer für die Betreiber werden. Speziell für Flughäfen wurde ein Programm zur Dokumentation entwickelt. Die Datenaufzeichnung – sichtbar auch auf einer Karte des jeweiligen Airports auf einem Display – dokumentiert wer, wann, wo, was ausgebracht hat. Es lassen sich damit aber auch Aufträge vorplanen. Im Tower können die Verantwortlichen auf wenige Zentimeter genau nachvollziehen, wo die drei, beziehungsweise in Zukunft sechs Start- und Landebahnen und das Vorfeld des Großflughafens bereits geräumt worden sind.
Das Unternehmen für Pflanzenschutz-, Fahrzeug- und Airporttechnik in Hedendorf ist „ausgelastet“, betont Hoinik. 130 Mitarbeiter zählt die bereits 1979 gegründete Firma im Gewerbegebiet an der Harsefelder Straße in Buxtehude-Hedendorf, die in zweiter Generation von Nadine Dammann geführt wird. „Wir bilden aus, etwa zum Landmaschinen-Mechatroniker, und stellen weiter ein“, sagt Firmensprecher Hoinik. Gesucht werden unter anderem Metallbaumeister, Schweißer, Schlosser, Lagerlogistiker, Mechaniker und Monteure.