Italo bestellt Schnellzüge bei Siemens für 3 Milliarden Euro
In Krefeld sollen künftig neue Hochgeschwindigkeitszüge für das italienische Zugunternehmen Italo gebaut werden. (Archivbild) Foto: Oliver Berg/dpa
Ab 2028 will das Zug-Unternehmen Italo Fernverkehrsverbindungen in Deutschland anbieten. Die Schnellzüge dafür sollen von Siemens kommen. Nun gibt es einen Vertrag.
Berlin. Der Eintritt des italienischen Zugunternehmens Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt auf der Schiene wird konkreter: Der Konzern habe mit dem Zugbauer Siemens Mobility einen Vertrag in Höhe von drei Milliarden Euro für die Lieferung von 26 Hochgeschwindigkeitszügen unterzeichnet, wie das Unternehmen mitteilte. Der Vertrag enthält demnach die Option auf 14 weitere Züge.
Bei den Zügen handelt es sich den Angaben zufolge um den Siemens Velaro Multi System. Diese sind baulich und optisch eng verwandt mit den ICE-3- und ICE-3-Neo-Zügen der Deutschen Bahn. Hergestellt werden die Fahrzeuge laut Italo im Siemens-Werk in Krefeld. Zudem sei mit Siemens ein Instandhaltungsvertrag mit einer 30-jährigen Laufzeit abgeschlossen worden. Die Wartung erfolge in Dortmund.
Gesamtinvestitionen von 3,6 Milliarden Euro
Insgesamt investiere Italo für den Markteinstieg rund 3,6 Milliarden Euro. Das umfasse neben der Beschaffung und Wartung der Züge auch Ausgaben für die Einstellung und Ausbildung von rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Investitionen in Bahnhöfe und IT-Infrastruktur. „Wir wollen den Fahrgästen in Deutschland eine größere Auswahl, häufigere Verbindungen, faire
Preise und einen hochwertigen Service bieten“, teilte Italo-Chef Gianbattista La Rocca mit.
Italo will ab 2028 eigenen Angaben zufolge auf zwei Hauptkorridoren verkehren: München-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg. „Damit werden 18 Städte auf einem 1.300 Kilometer langen Streckennetz mit insgesamt 50 täglichen Verbindungen angebunden“, teilte das Unternehmen mit.
Bahnbranche aufgeschreckt
Mit der Ankündigung haben die Italiener die deutsche Bahnbranche aufgeschreckt. Gewerkschaften, Fahrgastverbände und die Deutsche Bahn selbst warnen davor, dass ein weiterer Wettbewerber auf dem ohnehin schon an vielen Stellen überlasteten Schienennetz dazu führen könnte, dass Fern- und Regionalverkehr in der Fläche reduziert werden.
Italo hatte versucht, bei der Bundesnetzagentur bessere Bedingungen für Neueinsteiger im deutschen Fernverkehr durchzusetzen. Die Behörde hat daraufhin beschlossen, dass künftig auf hochbelasteten Korridoren mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber der Bahn vergeben werden müssen. Der bundeseigene Konzern kontrolliert bisher rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland. Einziger größerer Wettbewerber ist bislang der Münchner Reiseanbieter Flix.