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Jack Sawyer ist zurück - Stephen King beendet Talisman-Reihe

Das Finale der Talisman-Trilogie: ein neues Buch von Stephen King. (Archivbild)

Das Finale der Talisman-Trilogie: ein neues Buch von Stephen King. (Archivbild) Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Fantastische Abenteuer und sich ineinander verschlingende Welten: Stephen King vollendet die Talisman-Trilogie und lässt eine dunkle Macht auf die Menschen los. Ein alter Bekannter ist zur Stelle.

Von Thomas Strünkelnberg, dpa 14.10.2026, 00:05 Uhr
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Hannover. „Es gibt andere als diese Welten.“ Lapidar sagt dies der obskure Berater eines Provinzdespoten - nicht in unserer Welt, sondern in den Territorien, im Reich Mittwelt. Wer die Bücher von Stephen King verschlungen hat, ahnt nun wohl, was kommt: Der Protagonist zweier Klassiker, Jack Sawyer, kehrt zurück. Wieder hat er eine lange Reise vor sich, voller Gefahren: bedroht von seinem Schicksal, verwandelten Menschen, grausigen Monstern und einer dunklen Macht. Das neue Buch „Andere als diese Welten“ der US-Autoren King und Peter Straub ist ein würdiger Abschluss der Talisman-Trilogie. Doch trotz allem: Jacks Reise ist lang - und hat auch für den Leser Längen.

Zurück in den Territorien

Worum geht es? Dafür muss man etwas ausholen, denn schon 1984 erschien der Fantasy-Roman „Der Talisman“ von King und Straub. Darin geht es um die gefahrvolle Reise des damals zwölfjährigen Jack, der zwischen der Realität und der Welt der Territorien hin- und herwechseln kann - „flippen“, wie er das nennt. Er wird zum Beschützer dieser Welten und rettet seine todkranke Mutter.

Dann folgt ein Zeitsprung: Im zweiten Buch, „Das schwarze Haus“, ist Jack knapp 30 Jahre alt und muss eine Reihe grässlicher Kindermorde aufklären. Wieder führt ihn seine Suche in die andere Welt - und endet mit einem gewaltigen Cliffhanger: Jack wird angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Beide Bücher unterscheiden sich deutlich: Das eine ist ein fantastisches Coming-of-Age-Abenteuer, das andere eine ebenso fantastische Horrorgeschichte.

Von einem echten Mörderpaar inspiriert

Nun folgt der dritte Teil der Trilogie, diesmal von King allein geschrieben, denn Straub starb 2022. Straub hatte seinem Kollegen 2013 von seiner Idee für einen dritten Band geschrieben - inspiriert von der realen Mordserie von Charlie Starkweather und Caril Ann Fugate in den späten 1950er Jahren in den USA. Allerdings ging die Mail mit den Details verloren. Erst der belgische Literaturwissenschaftler Vincent Neyt fand sie nach Peter Straubs Tod 2022 im Archiv wieder, wie King im Nachwort schrieb. Und: „Auf jeden Fall wollte ich nach Mittwelt zurückkehren.“

Zwar weiche die Geschichte erheblich von Straubs Vorschlag ab. Straub steht dennoch als Co-Autor auf dem Einband. „Aber der Keim war da, und ich habe mich von Peter die ganze Zeit über wie wild inspirieren lassen“, schrieb Stephen King. „Ich hoffe, er würde gutheißen, was ich geschrieben habe, und es ist mir eine reine Freude, seinen Namen zusammen mit meinem auf dem Buch zu sehen.“

Dunkle Macht droht Welten zu verschlingen

Was Straub auf jeden Fall zusagen dürfte, ist die Charakterzeichnung, eine große Stärke Kings: Jack ist inzwischen 57 Jahre alt, müde und abgekämpft, voller Trauer und etwas zynisch. Nach seiner lebensgefährlichen Verletzung kann er immer nur für kurze Zeit in die reale Welt der USA wechseln - bleibt er zu lange, ist das tödlich für ihn. Als zielloser und einsamer Emigrant in den Territorien wird er vom Despoten und Provinzgouverneur auf eine Mission geschickt. Er soll Informationen über ein mysteriöses, gefährliches Gebiet sammeln - den „Schlund“.

Jack wechselt zwischen Amerika und den Territorien hin und her. In seiner alten Heimat erfährt er, dass ein alter Freund ein mordendes Teenagerpaar verfolgt, das nach dem Vorbild von Starkweather und Fugate vorgeht, und verschwunden ist. Er will ihm helfen, stellt aber schnell fest, dass das mörderische Paar in den Territorien auftaucht und seine Blutgier die Teenager der Mittwelt befällt - wie eine Seuche. Voller Schrecken erkennt Jack, dass die Welten zu kollidieren und zu verschmelzen beginnen und eine dunkle Macht alle Welten verschlingen wird - schließlich gibt es mehr als nur die beiden.

Es gibt wahrhaft fesselnde Momente in dem neuen Buch, auch Momente wahren Horrors. Doch gerade zu Beginn lässt sich nicht leugnen, dass die Reise von „Ole Travellin‘ Jack“, wie der Protagonist als Junge genannt wurde, arg lang ist und sich hinzieht. Für Leserinnen und Leser des 800-Seiten-Romans, die die ersten beiden Teile der Trilogie nicht kennen, liest Jack regelmäßig in einer Art Tagebuch, in dem er seine früheren Erlebnisse aufgeschrieben hat. Das hilft, Zusammenhänge zu verstehen, hält andererseits aber auch auf. Auch wiederholt sich so manches: Immer neue einsturzgefährdete Brücken müssen Jack und seine Crew überqueren.

Kings Hang zur Alltagssprache

Ganz bei sich und in großer Form ist Stephen King bei der Charakterzeichnung der handelnden Figuren. Ohnehin hat er schon immer einen Blick für feinste Details besessen. Die Figuren gewinnen Leben und sind mit ihren Seltsamkeiten und Eigenarten schon bald vertraut und sogar - mehr oder weniger - liebenswert. Dabei hilft auch der typische King-Stil: eine an die Alltagssprache angelehnte Sprache, die auch derb sein kann und die Figuren lebendig werden lässt. Vor allem aber gelingt es King, die Territorien, eine fremde Welt, vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen.

Stephen King ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Die Bücher des 79-Jährigen haben sich weltweit mehr als 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Straub wiederum gilt neben King als einer der bedeutendsten amerikanischen Horrorschriftsteller. Für beide dürfte Magie völlig selbstverständlich sein - und so entfaltet sich auch die besondere Magie der Mittwelt wieder.

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