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Jane Comerford: „Die meisten Kompositionen habe ich im Pyjama geschrieben“

Jane Comerford ist erstmals mit eigenen deutschen Songs auf Tour. Foto: Dressler

Jane Comerford ist erstmals mit eigenen deutschen Songs auf Tour. Foto: Dressler

Sie ist bekannt als Sängerin der Band „Texas Lightning“: Am 13. Oktober kommt Jane Comerford mit ihrer Show „Filmreif – Hollywood, Pyjamas & andere Tragödien“ ins Stadeum. Vorab verrät sie im Interview, warum sie so häufig im Landkreis Stade ist.

Von Annika Nowottny Dienstag, 02.10.2018, 19:00 Uhr

TAGEBLATT: Zu Beginn Ihrer neuen Show sagen Sie, dass Sie heute Dinge tun werden, die sie schon immer mal tun wollten. Gibt es da auch etwas außerhalb der Bühne?

Jane Comerford: Ich würde gerne mal mit Delphinen schwimmen.

Wie kommen sie darauf?

Meine Nachbarin hat gerade eine Ausbildung zur Delphintherapeutin gemacht. Dadurch bin ich zu dem Thema gekommen und es fängt an, mich auch zu faszinieren. Eine geerbte Leidenschaft. Es hat sich bisher nicht ergeben. Das habe ich mir vorgenommen für jetzt irgendwann.

In Ihrer Show geht es auch um Ihren Vater. Was bedeutet er Ihnen?

Mein Vater war ein sehr aufrichtiger, bodenständiger und humorvoller Mensch, der auch wunderbar Klavier gespielt und gesungen hat und zwar die alten Hollywoodhits. Zum Beispiel sehr viel von George Gershwin. Diese Musik haben wir mit der Muttermilch aufgesogen. Er hat uns wirklich sehr inspiriert, wie er ans Musizieren herangeht. Liebevoll, mit Respekt vor der Musik und ganz beseelt. Ich glaube, dass er uns Kinder wirklich damit infiziert hat. Alle vier Töchter sind Musikerinnen geworden.

Wie war es mit drei Schwestern in Australien aufzuwachsen?

Das ist sehr lange zurück, aber ich habe die sonnige Kindheit in sehr guter Erinnerung. Wir wohnten am Strand in einem sonnigen Land. Zur Schule gingen wir auf dem Sand. Man kann da nicht wirklich meckern.

Ihre neuen Songs sind auf Deutsch. Warum?

Das wurde angestupst von einer guten Freundin von mir, Pille Hillebrand. Sie ist Autorin und Songtexterin. Sie fragte mich irgendwann: „Jane überleg mal, was macht dir richtig Spaß zu singen, was fordert dich heraus?“ Ich habe ganz lange überlegt und mir fiel dann ein Song ein, den ich vor Jahren komponiert und in Deutsch getextet hatte. Erstaunlicherweise ein amüsanter deutscher Text, der einwandfrei ist – aus der eigenen Feder. Wir haben den Ball aufgegriffen. Pille sagte dann zu mir: „Sag mal, wollen wir nicht, bevor wir uns zum Shopping oder Essen treffen, das tun, was wir beide lieben? Songs zusammen schreiben?“ Da war ein schöner Zeitvertreib miteinander geboren und es wuchs zum Herzensprojekt. Die Musik habe ich am Klavier in meiner Hamburger Wohnung komponiert und die Texte haben wir teils alleine und teils gemeinsam geschrieben. Es sind 13 eigenwillige Songs entstanden, die Anfang nächsten Jahres auf CD erscheinen.

Fällt es Ihnen schwer auf Deutsch zu singen oder sind Sie mittlerweile in der Sprache Zuhause?

Komplexe Frage. Ich spreche ja jeden Tag Deutsch, ich spreche fließend Deutsch. Wenn auch mit ein bisschen Akzent und fehlenden Vokabeln und schlechter Grammatik. Aber es ist mir sehr geläufig und mein Alltag läuft seit sehr, sehr vielen Jahren auf Deutsch ab. Es ist mir nicht fremd, meine Gedanken vom Herzen und Geist auf Deutsch zu formulieren und so zu singen. Es ist aber gesanglich schwieriger, weil sich die ganze Muskulatur anders bewegt, wenn ich Deutsch spreche. Das passiert beim Singen auch.

Was hat es mit dem Pyjama auf der Bühne auf sich?

Durch den Schnitt meiner Hamburger Wohnung muss ich, wenn ich aus dem Schlafzimmer gehe unweigerlich am Klavier vorbei. Es ist so häufig, dass ich an dem Instrument hängenbleibe, weil ich eine Songidee habe oder etwas ausprobiere. Die allermeisten Kompositionen in meinem ganzen Leben habe ich im Pyjama geschrieben. Da kriegen wir auch die Verbindung zu meinem Papa. Samstagmorgens ist er vom Bett an das Klavier gegangen. Wir alle fünf waren im Pyjama und haben George Gershwin gesungen. Ich habe einen schönen Pyjama gefunden und das ist doch richtig authentisch, den auch auf der Bühne anzuziehen.

Was ist Ihr liebster Hollywood-Song?

Ganz eindeutig: Diamonds are a girl’s best friend. Es gibt drei Gründe: Der Text ist so aberwitzig, clever und verschmitzt geschrieben. Die Big Band ist so klasse arrangiert mit so viel Humor für die verschiedenen Instrumente. In der Art, wie die Instrumentalisten spielen, ist viel versteckter Witz. Und natürlich Marylins Auftritt in „Blondinen bevorzugt“ in diesem rosa Kleid und wie der Film gedreht ist, ist einfach grandios.

Ihre Arbeit ist unheimlich vielfältig. Was machen Sie am liebsten?

Kann ich nicht sagen. Ich mag die Abwechslung. Ich bin leidenschaftlich gerne Dozentin an der Hochschule. Seit 35 Jahren. Ich liebe diese Arbeit. Aber auf der anderen Seite komponiere ich auch richtig gern und tauche ganz unter. Am liebsten ganz alleine, ungestört tauche ich in diese Welt der Fantasie. Aber auch auf der Bühne zu stehen und in Kommunikation zu treten mit dem Publikum liebe ich. Und im Studio zu stehen und eine CD aufzunehmen und zu arrangieren und Instrumente zu spielen und sich Sachen auszudenken mit guten Leuten ist auch fantastisch. Die Abwechslung hält es frisch. Es ist immer wieder aufregend. Das finde ich auch wichtig, dass die Aufgaben im Leben nicht etwas Alltägliches bekommen, sondern dass man zusieht, dass man sich immer reaktiviert mit Abwechslung und neuen Herausforderungen.

Sie sind mit einem Buxtehuder verheiratet und arbeiten auch immer mal wieder in der Gegend. Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Wo man mich in Buxtehude finden kann, ist Kaffee trinkend am Westfleth in der Sonne und in der Damenoberbekleidung bei Stackmann. Vor allem liebe ich, wie der Buxtehuder „Stackmann“ ausspricht. Das ist ganz herrlich. Ich muss immer Grinsen. Man gewinnt das alles lieb.

Sind Sie häufig in Buxtehude oder ist ihr Lebensmittelpunkt Hamburg?

Ich wohne in Hamburg, aber ich bin relativ häufig in Buxtehude, weil mein ursprünglicher Freundeskreis, den ich bei meiner Ankunft in Hamburg Anfang der 80er Jahre hatte, aus Stade, Buxtehude, Cranz, Jork, Königreich und Horneburg kam. Diese Freunde sind bis heute geblieben. Allein wegen der Freunde und auch meiner familiären Bindung dahin bin ich relativ häufig in Buxtehude.

Wo fühlen Sie sich Zuhause und vermissen Sie Australien?

Hamburg ist mein Zuhause seit so vielen Jahren. Ich vermisse Australien natürlich und habe auch noch Familie dort. Das Land, in dem man aufgewachsen ist, hat einen ganz besonderen Platz im Herzen. Interessanterweise: Wenn ich in Deutschland bin und sage jemandem, ich fliege nach Hause, wissen sie, dass ich Australien meine. Wenn ich in Australien bin und sage ich fliege nach Hause, wissen sie, dass ich Hamburg meine.

Was vermissen Sie an Australien?

Es gibt so Sachen aus der Kindheit, die ich in meinem Gepäck immer wieder mit zurücknehme. Es gibt Süßigkeiten, die es nur dort gibt. Das sind ganz tief verankerte Kindheitserinnerungen. Aber ich bereue es immer, wenn ich sie mitnehme, weil das Zeug eine Milliarde Kalorien hat.

Karten zu Jane Comerfords Auftritt im Stadeum sind für 24,60 Euro erhältlich unter 0 41 41 / 40 91 40, im Internet unter www.stadeum.de sowie bei allen Stadeum-Vorverkaufsstellen.

Zur Person

Jane Comerford ist in Newcastle, Australien geboren und aufgewachsen. Seit 1984 arbeitet sie als Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. 1998 veröffentlich Jane Comerford Ihr Debut Album-CD „Somebody Sent Me An Angel“. Die Sängerin ist Vocalcoach in den Fernsehserien „Fame Academy“ (RTL 2) und „Popstars“ (Pro7). 2005 wird sie Mitglied der Country Band „Texas Lightning“. Die Band gewinnt den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Mit dem Song „No No Never“ belegt die Band den 14. Platz.

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