Zähl Pixel
Neujahrsempfang der Vereinsrunde in Freiburg

Jörg Petersen ist neuer Vereinsmeier in Freiburg

Jörg Petersen ist der neue Vereinsmeier in Freiburg. Beim Neujahrsempfang der Freiburger Vereinsrunde am Sonnabendabend wurde die Entscheidung der Jury verkündet. Zuvor hatte der Regisseur Jürgen Flimm ein Loblied auf das Ehrenamt gehalten.

Von Susanne Helfferich Sonntag, 20.01.2019, 11:00 Uhr

Der Ehrenamtspreis von Vereinen für Vereine ist erstmals 2015 an Ferdinand Sick verliehen worden. „Die Fußstapfen für den Nachfolger sind groß“, bekannte Malte Bösch, Sprecher der Vereinsrunde. Es habe viele gute Vorschläge für den neuen Preisträger gegeben, „da wird einem erst bewusst, wie viel Zeit Ehrenamtliche in die Gemeinschaft stecken.“ 

Jörg Petersen, Erster Vorsitzender des Fördervereins Historischer Kornspeicher, war gleich von mehreren Vereinen und Institutionen vorgeschlagen worden - als einer, der aus der Vereinsarbeit nicht mehr wegzudenken ist. Als er dann gegen 19 Uhr als neuer Vereinsmeier verkündet wurde, war er sichtlich berührt. Mit brüchiger Stimme gab er zu: „Ich bin nicht dieser coole Typ.“ Zum zweiten Mal wurde er innerhalb eines halben Jahres für seine ehrenamtliche Arbeit geehrt. Im August hatte ihn Ministerpräsident Stefan Weil ausgezeichnet. 

Er werde immer wieder gefragt, warum er denn sich so in den Kornspeicher reinhänge, erzählte der ehemaligen Schulleiter.  “Wir machen das, weil wir ständig die Rückmeldungen bekommen, dass es unserem Publikum gut gefällt, was wir machen. Und weil wir der Überzeugung sind, etwas Gutes für unsere Mitmenschen zu tun.“ Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel sei dieser Einsatz wichtig: „Es liegt an uns, wie wir die negativen Folgen abwenden können. Und wenn es uns gelingt, die Gemeinschaft hochzuhalten, dann hat Freiburg eine Zukunftschance.“

{picture1}

Damit führte der Geehrte das fort, was zuvor Jürgen Flimm ausgeführt hatte. Der Opern- und Theaterregisseur, der in Hamelwörden lebt, erklärte über das Ehrenamt: Diese dienstbaren Geister hätten es verdient, über den grünen Klee gelobt zu werden. „Sie sind Kitt und Ferment unseres Zusammenlebens, das braucht diesen guten Geist der Solidarität.“ Wenn es den nicht gebe, „zerbröselt die Gemeinschaft in kleine Steine und in den Lücken siedeln sich störende Elemente an.“ Flimm appellierte an seine Zuhörer, Zivilcourage zu zeigen, mit offenem Visir miteinander zu sprechen, Fragen zu stellen und auch zu streiten, mit dem Ziel, Einvernehmlichkeit zu erreichen. 

Flimm erinnerte an die Anfänge der Europäischen Gemeinschaft. Ehemalige Feinde hätten sich um des süßen Friedens Willen zusammengeschlossen, um die apokalyptischen Zustände des Zweiten Weltkriegs, den die Deutschen vom Zaun gebrochen hatten, für alle Zukunft zu verhindern. Die Europäische Union „ist mehr als eine bürokratische Organisation. Sie ist eine Friedensorganisation.“ Es drohe  in diesem Jahr mit der Europawahl eine Schicksalswende, warnte Flimm. „Wir wollen uns das nicht kaputt machen lassen, von Nationalisten, die ihren Egoismus über die gemeinsame Sache stellen“, erklärte der Regisseur und appellierte am Ende seiner leidenschaftichen Rede: „Geht bitte wählen für dieses wunderbare Europa.“

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.