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Krautsander Künstler

Jonas Kötz zeigt seine Jungs im Alten Hamburger Jachtclub

Jonas Kötz umringt von seinen Jungs.

Jonas Kötz umringt von seinen Jungs.

Jonas Kötz lebt auf Krautsand und macht aus altem Holz seltsam schweigende Figuren. Seine „Jungs“ sind Kult: Inzwischen stehen sie in ganz Deutschland herum und schauen ganz gelassen in die Welt. Vom 9. bis 24. November sind sie im Alten Hamburger Jachtclub zu sehen.

Sonntag, 03.11.2019, 13:00 Uhr

Sie haben Holzköpfe und zwei Kulleraugen, keinen Mund, keine Haare, dafür ein kleines Bäuchlein und eine ziemlich große Nase. Stumme Helden, die eigentlich Antihelden sind. So stehen sie in Wind und Wetter, am Meer, im Meer, in Vorgärten und gern auch mal auf Fensterbänken oder Sofatischen. Wortlose Typen sind’s, mit Händen ohne Finger, Beinen ohne Hosen, Füßen ohne Stiefel, geschnitzt, gefräst aus Holz und nicht selten mit Vogelschiet bekleckert.

Die hölzernen Geschöpfe von Jonas Kötz sind so etwas wie der auf seine archetypischen Linien reduzierte Mensch. Und vielleicht mögen die Menschen sie genau darum: Weil sie nicht schwadronieren, keine Moden mitmachen und keine Urteile fällen. Haltung aber zeigen sie schon.

Derart enthaltsam haben die Skulpturen von Jonas Kötz inzwischen den deutschsprachigen Raum erobert. Einer der Jungs steht in Schleimünde, glotzt auf die Ostsee. An der Wischhafener Seitenelbe wacht einer über die Wiesen, die Matschspuren von Ebbe und Flut bis zu den Knien. In Kappeln steht einer, bei Graswarder in Heiligenhafen, einer am Möllner See. Auch am Krautsander Elbufer trotzt einer der Zeit, streckt seinen Bauch vom Deich aus ungeniert dem Strom entgegen. Auch mitten in Hamburg-Eppendorf ist so eine Holztype postiert, besieht sich das städtische Geschehen.

Was uns die hölzernen Burschen sagen wollen, weiß keiner so genau, nicht mal Künstler Kötz selbst. „Sie halten die Klappe, aber sagen tun sie ja schon was. Hm, weiß auch nicht“, sagt Kötz, der sich lieber als Handwerker bezeichnet. Im November bekommen seine vielsagend schweigenden Holzgenossen Nachwuchs. Einer steht dann mit Schwimmflügeln da, ein anderer mit einem Dorsch unterm Arm. Die meisten aber werden schlichte Originale sein – mit Segelohren, Wanst und kleinen Äuglein.

Zu sehen sind die Figuren im Alten Hamburger Jachtclub. Mit Blick auf Övelgönne wurde 1914 in einer Bucht des südlichen Elbufers eine Villa nach den Plänen des Hamburger Architekten Fritz Schumacher erbaut. Hier gingen die Arbeiter des Petroleumhafens ein und aus, bekamen in der „Kaffeeklappe“ heiße Getränke und ein schnelles Mahl, aber auch der Hamburger Jachtclub fand genau hier sein Domizil.

Als der Petroleumhafen 1962 ausgebaut wurde, musste der Hamburger Jachtclub nach Wedel umsiedeln. Wie durch ein Wunder wurde das einstige Clubhaus – heute „Gerresheim“ – nie abgerissen. Der stolze Jachtclub von damals ragt mit seinem Garten als Halbinsel in den Köhlfleet.

Dort sind die Jungs von Kötz vom 9. bis 24. November, dienstags bis sonntags von 10.30 bis 18 Uhr zu sehen. Die Vernissage am 9. November beginnt um 15 Uhr. Anreise ab Finkenwerder mit der Fähre bis Bubendey-Ufer; mit dem Auto ab Autobahnabfahrt Waltershof. Adresse: Jachtweg 10, Hamburg-Finkenwerder.

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