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Jugendbauhütte: Junge Hände erhalten alte Wände

Verdiente Pause: Anleiter Martin Gawlig (von links) mit Arsen Amirkhayan, Alexander Szymanski, Helena Berg, Tinatin Davadze und Jugendbauhütten-Leiterin Eva Pfennig. Fotos Lepél

Verdiente Pause: Anleiter Martin Gawlig (von links) mit Arsen Amirkhayan, Alexander Szymanski, Helena Berg, Tinatin Davadze und Jugendbauhütten-Leiterin Eva Pfennig. Fotos Lepél

Fünf junge Leute sind „MOBI“ – die Mobile Interkulturelle Einsatztruppe, eine Besonderheit der niedersächsischen Jugendbauhütten. Während eines Freiwilligen Sozialen Jahres lernen sie viel über Denkmalpflege und altes Handwerk. Und über sich selbst.

Von Sabine Lepél Sonntag, 07.05.2017, 14:55 Uhr

Konzentriert führt Tinatin Davadze den Pinsel. Sie erneuert eine Beschriftung auf dem Beekhoff in Beckdorf. Tina, wie sie von ihren Kollegen genannt wird, kommt aus Georgien. Sie gehört zur Mobilen Interkulturellen Einsatztruppe (MOBI) der Jugendbauhütte im Landkreis Stade und ist für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege nach Deutschland gekommen. Ebenso wie Arsen Amirkhanyan aus Armenien, der fröhliche Scherzkeks der Truppe.

Zusammen mit Helena Berg, Alexander Szymanski und Andreas Hinrichs bilden sie die aktuelle Mobile Interkulturelle Einsatztruppe und leisten in kleineren, gemeinnützigen Museen und Vereinen Hilfe bei größeren Vorhaben. Sie machen das ehrenamtlich.

Auf dem Beekhoff unterstützen sie den Heimatverein „Die Kranzbinder“. Sie helfen im Bauergarten, richten Lehmgefache am alten Schafstall her, tischlern, malen, buddeln, reparieren und putzen das alte Hofgelände so richtig heraus. „Die jungen Leute sind unheimlich motiviert“, sagt Siegfried Stresow, Bürgermeister von Beckdorf und Vorsitzender der Kranzbinder. „Wir wollen sie aber nicht als billige Arbeitskräfte ausnutzen.“

Deshalb werden Tina, Arsen und Co. in den Pausen auch nach Strich und Faden verwöhnt. Die Kranzbinder-Frauen kochen ihnen täglich ein frisches Mittagessen, im Hauptgebäude stehen immer Tee, Kaffee und Mineralwasser bereit, während ihres mehrtägigen Einsatzes wird das alte Backhaus angeschmissen, Stresow sorgt für nicht abreißenden Süßigkeitennachschub, und zum Abschluss gibt es ein Grillfest. „Das ist nicht immer so gegeben“, sagt Eva Pfennig, Leiterin der Jugendbauhütte im Landkreis Stade. „Hier stimmt die Chemie.“

Pfennig ist es wichtig, dass die freiwilligen Helfer eine gute fachliche Anleitung erhalten. Auf dem Beekhoff ist dafür Handwerker Martin Gawlig, Gründungsmitglied der Kranzbinder, zuständig. Gawlig ist auf dem Beekhoff so etwas wie MacGyver in seiner Fernsehserie: Er hat für jedes Problem eine Lösung parat und kann den jungen Leuten bei allen Arbeiten beratend zur Seite stehen.

„Wir haben hier schon viel gelernt“, sagt Helena Berg. Die 20-Jährige ist wie 80 bis 90 Prozent alle Jugendbauhütten-Teilnehmer zum ersten Mal so richtig von zu Hause weg. Sie lebt mit der fünfköpfigen MOBI-Gruppe zusammen in einer Wohnung, sie müssen sich selbst organisieren und versorgen. „Viele möchten nach Berufsausbildung oder Studiengang erst einmal den Kopf freibekommen vom vielen Lernen und sich in dieser Zeit körperlich, handwerklich und geistig beim Erhalt des kulturellen Erbes einbringen“, sagt Eva Pfennig. „Sie möchten eine Orientierung für die Zukunft mitnehmen und im Anschluss voller Elan ihren Ausbildungsweg beginnen.“

Am 1. September startet der nächste Jahrgang der Jugendbauhütte im Landkreis Stade mit 22 Freiwilligen. Die FSJler bekommen ein Taschengeld, Verpflegungsgeld und einen Unterkunftszuschuss von 406 Euro monatlich. Die Bewerbungen laufen. Jeder, der seinen Schulabschluss in der Tasche hat, zwischen 17 und 26 Jahre alt ist und Interesse am Thema Denkmalschutz mitbringt, kann sich bewerben.

Die Jugendbauhütte (JBH) im Landkreis Stade ist eine von 13 Jugendbauhütten bundesweit, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege anbieten. Die Projektidee basiert auf der Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Betriebsträger ist der Internationale Jugend-Gemeinschaftsdienst (ijgd). Die JBH im Landkreis Stade hat ihren Geschäftssitz im Schloss Agathenburg, Hauptstraße 45. Weitere Informationen, auch zu einer Bewerbung, gibt es bei der Leiterin Eva Pfennig unter Telefon 0 41 41/ 54 22 30, Mail an fsj.denkmal.nds@ijgd.de und auf der Homepage www.ijgd.de.

Tinatin Davadze bessert ein Schild aus.

Tinatin Davadze bessert ein Schild aus.

Helena Berg befreit das Bauernrosen-Beet von Laub.

Helena Berg befreit das Bauernrosen-Beet von Laub.

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