Justizvollzugsanstalt Glasmoor wird modernisiert
Das zentrale Gebäude der JVA Glasmoor aus dem Jahr 1920 steht unter Denkmalschutz . Foto FHH
Das Aus war schon besiegelt, doch nun hat dieses besondere Stück Hamburg in Schleswig-Holstein wieder eine Zukunft.
Die Hansestadt wird ihre Justizvollzugsanstalt Glasmoor in Norderstedt (Kreis Segeberg) nicht nur umfassend modernisieren, sondern auch erweitern. Der Senat hat nach langem Anlauf den Ausbauplänen in Höhe von 33,3 Millionen Euro endgültig zugestimmt. Die Zahl der Haftplätze in der Anstalt des offenen Vollzugs steigt von 190 auf 231.
Die Investition ist nicht nur ein Bekenntnis Hamburgs zum Standort, sondern auch zu dieser Art der Unterbringung mit weitgehender Freizügigkeit für die Gefangenen. Justizsenator Till Steffen (Grüne): „Wir bauen den offenen Vollzug aus, weil er ein wichtiges Element für die Wiedereingliederung Strafgefangener ist. Durch mehr Haftplätze in Glasmoor können mehr Inhaftierte von diesem Angebot profitieren.“
In Glasmoor werden Straftäter schrittweise auf die Rückkehr in die Freiheit vorbereitet. Es gibt weder Gitter noch Mauern. Mehr als die Hälfte der Insassen sind Freigänger, die tagsüber außerhalb arbeiten gehen. Hamburg nutzt das Gelände in Norderstedt-Glashütte seit 1922 als Gefängnis, der denkmalgeschützte Zentralbau nach Plänen von Fritz Schumacher wurde 1928 in Betrieb genommen.
Vorgesehen ist nun der Bau eines dritten Hafthauses sowie die Grundsanierung des fast 100 Jahre alten Hafthauses I. Dort werden die bisherigen Gemeinschaftssäle für sechs bis acht Häftlinge in Einzelhafträume umgebaut. Die Saalunterbringung entspricht schon länger nicht mehr den Standards modernen Strafvollzugs. Baubeginn soll im kommenden Frühjahr sein, Fertigstellung im Sommer 2022.
Der Glasmoor-Ausbau unter Steffens Führung wirkt wie eine Ironie des Schicksals. Denn in seiner ersten Amtszeit hatte der grüne Justizsenator 2009 noch die Schließung der Gefängnis-Exklave angekündigt. Nach dem Ende von Schwarz-Grün setzte die SPD allerdings zur 180-Grad-Wendung an, beschloss Erhalt und Ausbau der altertümlichen Strafanstalt im Moor. Steffen übernahm das Konzept in seiner zweiten Amtszeit ab 2015.
Schlagzeilen machte das Gefängnis-Projekt auch, weil die Behörden die anfangs gegebene Ausgabenprognose grandios verfehlten. Die nun fälligen 33,3 Millionen Euro liegen etwas mehr als doppelt so hoch wie die zunächst kalkulierten 16 Millionen. Als Gründe für das Finanzdebakel nennt der Senat Planungsfehler, Preissteigerungen sowie vergessene Denkmalschutzauflagen.