Kaltgepresste Säfte mit Äpfeln aus dem Alten Land
Konstantin Timm und Annemarie Heyl von „Kale & Me“ und Ulf Wittlich von der Elbe-Obst vor der Abfüllanlage ihres gemeinsamen Produktionsunternehmens Nordsaft (von links). Rund 3000 Flaschen können pro Stunde abgefüllt werden, vier Mitarbeiter arbeiten in der Produktion. Foto Vasel
Das Start-up-Unternehmen „Kale & Me“ und die Elbe-Obst Fruchtverarbeitung GmbH haben am Donnerstagabend im Gewerbegebiet Horneburg die Produktionsstätte ihres Joint Ventures Nordsaft eingeweiht.
In der neuen Halle werden jetzt die kaltgepressten veganen Säfte von „Kale & Me“ hergestellt.
Rund 300 000 Euro haben das Start-up „Kale & Me“ und die Elbe-Obst Fruchtverarbeitung in die Produktionsstätte ihrer Nordsaft GmbH investiert. Diese stellt seit Juli den Saft für das Start-up aus Hamburg her, das 2015 von den drei Freunden Annemarie Heyl, Konstantin Timm und David Vinnitski gegründet worden ist. Auf ihre Geschäftsidee waren Heyl und Timm während eines Auslandssemesters im Jahr 2014 in Südafrika gekommen – bei einem Steak-Essen. Dort lernten sie Saftkuren auf Basis kaltgepresster Säfte kennen. Kurzum: Die Betriebswirtschaftler wurden zu Saftexperten – und gründeten ein eigenes Unternehmen: „Kale & Me“. Das ist Englisch und steht für „(Grün)-Kohl & Ich“. Mittlerweile hat es rund 25 Mitarbeiter. 13 Produkte werden vermarktet. Anfänglich ließen sie ihre Säfte in der Lüneburger Heide herstellen.
Schließlich reifte bei ihnen die Idee, selbst eine Produktion aufzuziehen, das Trio stellte ihre Geschäftsidee bei Vox in der TVSendung „Die Höhle der Löwen“ vor. Das blieb nicht ohne Folgen.
Denn die Töchter von Elbe-Obst-Geschäftsführer Ulf Wittlich saßen vor dem Bildschirm – und sprachen ihren Vater auf die Säfte an. Wittlich und Heyl kamen ins Gespräch. Sie wurden sich einig und gründeten ein Produktions-Joint Venture in Horneburg: die Nordsaft GmbH. Auf dem Areal der Elbe-Obst Fruchtverarbeitung in der Gerd-Heinssen-Straße entstand eine neue Halle.
Hersteller setzen auf Kaltpressen und Kaltpasteurisation
In einer großen Presse werden das Obst und das Gemüse kaltgepresst. Dadurch bleiben Vitamine und Nährstoffe erhalten, bei Hitze würden diese nämlich bereits ab 42 Grad zerfallen. Während des gesamten Herstellungsprozesses wird auf Hitze verzichtet – auch bei der Haltbarmachung. Die Hersteller setzen auf schonende Kaltpasteurisation. Die bereits abgefüllten Saftflaschen werden auf einen hydrostatischen Druck bis zu 6000 bar gebracht. Durch den Hochdruck werden Keime und Bakterien im Saft zerstört, Vitamine und Nährstoffe bleiben hingegen erhalten. Das Verfahren sei in Deutschland noch recht neu und kostenintensiv. Das und die Ansprüche bei der Rohware schlagen sich auf den Preis nieder. „Kale & Me“ bezeichnet die eigenen Säfte als „Sportwagen unten den Säften“.
Heyl und Wittlich sind die Geschäftsführer der Nordsaft. Für sie ist die Zusammenarbeit eine Win-win-Situation. Bislang lag der Fokus der Hamburger auf dem Online-Vertrieb. „Kale & Me“ vermarktet 95 Prozent über den Online-Shop, rund 20 000 Säfte werden pro Woche verkauft. Die Elbe-Obst hilft ihnen beim Einstieg in den stationären (Offline-)Handel, so die Unternehmerin. Im Gegenzug könne die Erzeugerorganisation viel von dem Wissen des Start-ups beim Thema Online-Handel lernen. Möglicherweise, so Wittlich, könnten künftig Club-Apfelsorten online verkauft werden. Denkbar sei auch, dass die Elbe-Obst Fruchtverarbeitung ihre Apfelpürees oder -Sticks und -Würfel nicht nur an Backwarenhersteller, sondern auch an Endkunden verkauft. Das ist (noch) Zukunftsmusik. Nordsaft ist das Heute.
Zum Start hat „Kale & Me“ drei Neuheiten mit Apfel und in Bio-Qualität – ohne Konservierungsstoffe – auf den Markt gebracht: Apfel-Erdbeere-Basilikum, Apfel-Zitrone und Apfel-Brombeere-Minze sollen in 500-Milliliter-Flaschen die Kühlregale der Lebensmitteleinzelhändler erobern. Tests verliefen „sehr erfolgreich“, mehrere Edeka-Märkte in Hamburg führen die Säfte bereits.
„Kale & Me“ will Saft-Manufaktur bleiben
Ein Einstieg in die industrielle Produktion sei bei der Nordsaft GmbH nicht geplant. „Wir wollen eine Saft-Manufaktur bleiben“, betonte die „Kale & Me“-Mitgründerin und -Geschäftsführerin Heyl am Donnerstagabend bei der Einweihung der Produktionsstätte in Horneburg. Sie blieben ihrem Ziel treu, die „qualitativ hochwertigsten Säfte Deutschlands“ herzustellen.
Regionalität sei ihnen wichtig, deshalb beziehen die Hamburger ihre (Bio-)Äpfel von Elbe-Obst-Erzeugern. Die Gründer setzen weiter auf nachhaltiges Wachstum. Heyl ist überzeugt: „Es gibt noch Potenzial nach oben.“
Die Super-Saftpresse im Vordergrund der neuen Halle ist das Herzstück der Produktion. Es wird kalt gepresst, dadurch bleiben Vitamine und Nährstoffe erhalten. Foto Vasel
Noch werden 95 Prozent der Säfte online vermarktet. Diese drei kaltgepressten Apfelsäfte werden jetzt im stationären Handel angeboten. Foto Vasel