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Chefvisite

Karl-Heinz Wiebe ist auf den Hund gekommen

Karl-Heinz Wiebe ist auf den Hund gekommen

Hunde spielen im Leben des Karl-Heinz Wiebe eine herausragende Rolle, denn der geschäftsführende Gesellschafter vom Media Markt in Stade hat ein ungewöhnliches Hobby: Er züchtet Schlittenhunde. Mitten auf der Geest, ohne Schnee.

Von Wolfgang Stephan Samstag, 13.01.2018, 15:00 Uhr

Natürlich könnte er auch ins allgemeine Jammertal des Einzelhandels einstimmen. Weil die Kunden immer mehr im Internet unterwegs sind und die heimischen Läden immer mehr meiden. Tendenziell ist das zwar richtig, sagt Karl-Heinz Wiebe, aber nicht im Ergebnis: „Das Weihnachtsgeschäft war gut und wir verzeichnen steigende Umsätze.“ Und das in einer Branche, die hart umkämpft ist und sich ständig neu erfinden muss. „Das ist ja das Gute, unsere Branche steht nie still“, sagt der gelernte Industriekaufmann aus Neuwied.

Im Gegenteil, der Markt entwickele sich immer schneller, was besonders mit einem Produkt in Verbindung zu bringen ist, das die Lebensgewohnheit der Menschen völlig verändert hat. „Das Smartphone steht bei den verkauften Geräten klar an Nummer eins“, sagt Wiebe. Der Durchbruch für das Lieblingsspielzeug der Deutschen kam mit dem 2007 vorgestellten iPhone und hat innerhalb von zehn Jahren andere Produkte wie die digitalen Musikplayer aus dem Markt gedrängt. Auch bei den Kameraherstellern, besonders im unteren Segment, haben die Smartphones tiefe Wunden geschlagen. „So schnell hat kaum eine andere Technologie das Leben in Beruf und Freizeit gleichermaßen verändert“, sagt der Media Markt-Chef aus Stade. Aus seiner Sicht besonders erfreulich: Der Zyklus hat sich weiter verknappt, mittlerweile bringen die Hersteller fast jährlich neue Modelle auf den Markt. Die Branche habe es geschafft, Begehrlichkeiten zu wecken. Viele möchten das neue Smartphone haben. Mehr Lifestyle und Statussymbol als Telefon. Viele?

Karl-Heinz Wiebe muss bei dieser Frage in eigener Sache passen. Dienstlich telefoniert er auf einem koreanischen Handy des Mit-Marktführers, aber nicht in der neuesten Version, und privat ist er kommunikativ auf exotischen Pfaden unterwegs: Sein robustes Caterpillar-Handy ist alles andere als ein Statussymbol. Jedenfalls für normale Menschen.

Doch bleiben wir zunächst im Unternehmen: Hinter Smartphones sind die Notebooks die Umsatzrenner. Auch mit einer wahnsinnigen Innovationsgeschwindigkeit behaftet, wie auch die in der Branche als „weiße Ware“ betitelten Haushaltsgeräte, die ebenfalls immer innovativer ausgestattet seien. Die Steuerung von Kühlschränken, Kaffeemaschinen, Licht, Heizung per Smartphone beflügelt die Branche ebenso, wie die neueste Technik mit der Sprachsteuerung über „Alexa“, „Siri“ oder der Google-Assistentin. „Die Innovationskraft ist ungeheuerlich“, sagt Wiebe, der die Konkurrenz aus dem Internet zwar auch beklagen könnte, es aber nicht tut. Sein Beruhigungsfaktor heißt „Multi-Channel“. Wer online im Unternehmen Media Markt bestellt, kann sein Gerät im Markt vor Ort abholen und damit den Service vor Ort für sich nutzen.

Klar ist freilich auch: Wer online bei der Konkurrenz unterwegs ist, fällt als potenzieller Käufer im heimischen Markt aus.

„Fluch und Segen“, nennt Wiebe den Onlinehandel: Einerseits, Fluch, weil die Preise durch das Onlinegeschäft bestimmt werden, was die Margen schmälere, andererseits aber als Segen, weil durch das Multi-Channel-System die Umsätze vor Ort nicht verloren gehen, sagt der Geschäftsführer, der vor zehn Jahren den Markt in Stade mitgegründet hat. „Das ist mein Baby.“

Damals ist er mit der auch noch länger im Unternehmen tätigen Gattin Kira aus dem Süden nach Stade gekommen, mehr oder weniger aus Zufall, weil ihm dieser Standort als Geschäftsführer mit Gesellschaftsanteilen und einer eigenständigen GmbH aus der Konzernzentrale in Ingolstadt angeboten wurde.

Damals waren die Wiebes noch alleine, was sich aber schnell ändern sollte, denn ein Geschenk der Ehefrau hatte nachhaltige Auswirkungen, die sich jedem Besucher in seinem eher schmucklosen Büro mit AC/DC-Poster, Eishockey-Schlägern und Borussia Mönchengladbach-Trikot an der Wand zeigen.

Von der Philosophie passt das Interieur, denn Wiebe pflegt bei seinen 45 Beschäftigten die flache Hierarchie, Statussymbole hat er nicht. Und wenn ein Mitarbeiter im Bürokomplex ein Kaltgetränk braucht, stört er das Gespräch beim Chef. „Nicht wir sind wichtig, der Kunde ist wichtig“, sagt Wiebe, der auf seine beiden Kundenmanager großen Wert legt, zwei Mitarbeiter, die nichts anderes zu tun hätten, als für die Zufriedenheit bei den Kunden zu sorgen. Dass seine Verkäufer keine Provisionen bekommen, sei Programm, sie sollen nach Qualitätskriterien und nicht nach Preis beraten.

Natürlich ist der Schreibtisch belagert von den Utensilien der Branche, Prospekte, Protokolle, Körbe mit diversen Papieren zur Ablage, aber keinesfalls hochmoderner Elektronik. Was aber auffallend ist, sind die vielen Fotos von Hunden. Hier sitzt ein Hundefreund. Und was für einer.

Alles begann mit diesem Geburtstagsgeschenk: Ein Workshop für Schlittenhundeführer. Ein wenig Liebe zu Tieren, ein wenig Affinität zum Urlaub im Norden, ein wenig Abenteuer und vor allem eine exotische Überraschung. Das war das Motiv für diesen Kurs im bayerischen Wald, der das Leben von Karl-Heinz Wiebe nachhaltig veränderte. „Das war noch genialer als unsere Hochzeit“, gestand er der überraschten Ehefrau, die mit so viel Emotionalität nun wahrlich nicht gerechnet hatte.

Und vor allem nicht mit dem Familienzuwachs, denn mit der Übernahme des Media Marktes in Stade waren die räumlichen Rahmenbedingungen für das Hobby geschaffen: ein 4500 Quadratmeter großes Anwesen auf der Geest, eingezäunt und damit ideal für die „Siberian Husky“, eine intelligente, kontaktfreudige, sanftmütige und freundliche Hunderasse. Sehr starke und ausdauernde Tiere, also ideal als Schlittenhunde zu gebrauchen. 16 Tiere sind mittlerweile bei den Wiebes zu Hause, gekauft, gezüchtet und bis auf drei Monate im Jahr mit dem Chef im Training. Immer angepasst an den Trainingszustand der Hunde.

Schlittenhunde auf der Geest? „Das geht gut“, meint Wiebe. Im Frühjahr und Herbst werden die Tiere vor sein Quad gespannt und im Winter geht es in den Schnee, vorwiegend in den Norden, ein Ferienhaus in Schweden ist folgerichtig. Die Frage nach dem warum? Karl-Heinz Wiebe spricht vom Gegensatz: Hier die sich ständig weiter entwickelnde Elektronikbranche, voll auf Konsum getrimmt und da ein Hobby mit Tieren in der Natur, beschränkt auf das Lebensnotwendige. Es gebe nichts Schöneres, als hinter zwölf Huskies auf dem Schlitten durch den Schnee zu fahren und in der Einsamkeit der Natur nur die Hunde und das Gleiten der Kufen zu hören. Weil das so einmalig sei.

So sieht das aus, wenn Karl-Heinz Wiebe mit seinen Schlittenhunden durch einsame schwedische Landschaften fährt.

Und so packen die Wiebes wann immer es möglich ist, ihren Transporter mit den 16 Hundeboxen und fahren gen Südlappland.

Die Ehefrau ist begeisterte Begleiterin. Bis auf den Höhepunkt: Auf den Schlitten geht sie nicht, sie sorgt für das Wohl der Hunde und das ihres Mannes. Der 48-jährige Schlittenhundeführer fährt alleine durch den Schnee. Karl-Heinz Wiebe gibt offen zu: „Wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut.“ Vor Glück, nicht vor Angst.

Der Schreibtisch als Spiegel der eigenen Seele? Einmal im Monat besucht TAGEBLATT-Chefredakteur Wolfgang Stephan unangemeldet eine Chefin/einen Chef in der Region – um einen Blick auf den Schreibtisch zu werfen. Daraus folgt ein Porträt der Protagonisten. Heute: Karl-Heinz Wiebe, Geschäftsführer und Inhaber Media Markt Stade.

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