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Kati und Rike van der Weerd: Das heilende Doppelpack

Zwillinge, Tierheilpraktikerinnen und bekannt aus dem Fernsehen: Kati und Rike van der Weerd aus Oberndorf an der Oste, nahe der Grenze zum Landkreis Stade. Fotos Caro Heuser

Zwillinge, Tierheilpraktikerinnen und bekannt aus dem Fernsehen: Kati und Rike van der Weerd aus Oberndorf an der Oste, nahe der Grenze zum Landkreis Stade. Fotos Caro Heuser

Kati und Rike van der Weerd sind Zwillinge. Berühmte Zwillinge. Denn die beiden Tierheilpraktikerinnen aus Oberndorf haben eine eigene TV-Sendung im NDR.

Von Peter von Allwörden Freitag, 22.04.2016, 14:00 Uhr

Die Geschichte zweier erfolgreicher Frauen, deren berufliche Karriere einst im Elbe Klinikum Stade begonnen hat.

Wie so vieles im Leben von Kati und Rike van der Weerd war es Zufall, dass ein Filmautor auf die beiden aufmerksam wurde. Der Mann arbeitet unter anderem für den NDR und hat einen Bruder, der im Elbe-Weser-Dreieck lebt. Und der hatte von zwei Heilpraktikerinnen erzählt, Zwillinge, die seinem Pferd geholfen hatten. Also wurde der TV-Mann bei Kati und Rike van der Weerd vorstellig, doch dabei blieb es.

Jahrelang hörten die Zwillinge nichts mehr, dann klingelte das Telefon. Es war der Mann vom Fernsehen, der sagte: „Ich habe einen Produzenten gefunden.“ Die TV-Macher boten den van der Weerds einen 45-Minuten-Sendeplatz im NDR an. Titel: „Doppelt heilt besser.“ Diese Überschrift hatte übrigens das TAGEBLATT schon einmal gebracht, als es über die Tierheilpraktikerinnen vor weit mehr als zehn Jahren berichtete. Damals standen die beiden noch am Anfang ihrer Selbstständigkeit.

Kati und Rike van der Weerd waren geschmeichelt von dem Angebot, aber sie erbaten sich Bedenkzeit. Denn sie legen äußersten Wert auf die Seriosität ihrer Arbeit und entsprechende Ernsthaftigkeit vonseiten der Medien, mit denen sie zu tun haben. Am Ende sagten sie zu, allerdings mit der Bedingung, dass alles authentisch sein müsse. Die 45-Minuten-Sendung zeigt daher die Heilpraktikerinnen auch ohne jede Kommentierung bei ihrer Arbeit in den Pferdeställen oder ihrer Kleintierpraxis.

Drei Teile dieser rein dokumentarischen Serie sind bereits ausgestrahlt worden. Für 2016 sind vier weitere geplant, beziehungsweise schon in Arbeit.

Es war die Anerkennung ihrer Arbeit, die Kati und Rike van der Weerd dazu bewogen hat, sich auf die TV-Geschichte einzulassen. Diese zog weiteren Medienrummel nach sich. Als Ritterschlag haben sie es empfunden, also die „Cavallo“, eine renommierte Pferdezeitschrift, über sie berichtete.

Allzu sehr möchten sich die Zwillinge aber gar nicht in ihrer Idylle im elterlichen Reetdachhaus hinter dem Ostedeich in Oberndorf, unweit der Grenze zum Landkreis Stade, stören lassen. Denn nach Arbeitswochen mit durchschnittlich 60 Stunden brauchen sie auch ihre Ruhe und haben gar nicht die Zeit, sich allzu häufig mit neugierigen Journalisten abzugeben. Für sie und ihr Wirken stehen die Tiere im Vordergrund. Und ihnen zu helfen, hat nichts mit Wunderheilen zu tun, sondern ist nach langen Ausbildungszeiten Professionalität.

Ursprünglich wollten die beiden Frauen nach dem Abitur Tiermedizin studieren. Weil es aber für den Numerus clausus nicht reichte, beschlossen sie, eine Ausbildung zu Physiotherapeutinnen an den Elbe Kliniken in Stade zu absolvieren. Für die Zwillinge folgte eine Phase in einer Physiotherapiepraxis in Hemmoor. Aber so richtig befriedigte sie diese Arbeit nicht. Als dann ihr Pferd krank wurde, es hatte eine Impfschaden und war schulmedizinisch ohne Heilungsaussicht austherapiert, wandten sie sich der Homöopathie zu. Ein Tierheilpraktiker konnte helfen.

Bei ihren Recherchen stießen die van der Weerds auf die Münsteraner Tierärztin und Homöopathin Anja van Dieken. Sie war auch auf großen Pferdehöfen in der Region unterwegs. Als sie erfuhren, dass diese Tierärztin parallel zu ihrer praktischen Arbeit auch eine Schule für ganzheitliche Tiermedizin betrieb, fassten Kati und Rike van der Weerd einen Entschluss: Sie gingen in die Münsteraner Schule und begleiteten die Veterinärin in der Praxis. Sechs Jahre dauerte die Ausbildung. Um das Schulgeld aufbringen zu können, gingen die Zwillinge putzen oder kellnerten in Kneipen. „Es war eine harte Zeit, aber wir haben unendlich viel gelernt“, erzählen die beiden unisono.

Die Zwillinge sehen sich nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern bilden eine Art Symbiose. Bei Reden wechseln sie sich ständig ab, ohne sich zu unterbrechen. Dabei knüpfen sie immer an den Gedankengang der anderen so an, als ob diese selbst weitergeredet hätte. Würde man sie nur hören und nicht sehen, könnte man bei der Ähnlichkeit der Stimmen meinen, dass nur eine der Schwestern geredet hätte. Ähnlich sei das auch bei ihren Diagnosen, erzählt Kati. „Wir hinterfragen uns, tauschen uns aus, denken gemeinsam“, ergänzt Rike. Insofern ist der Titel der TV-Sendung „Doppelt heilt besser“ zutreffend.

Die Schwestern fahren immer gemeinsam raus, wenn sie auf die Höfe gehen. Sie haben sich auf Pferde und Kleintiere spezialisiert. Hunde, Katzen und Co. bestellen sie mit ihren Herrchen und/oder Frauchen in die Oberndorfer Praxis. Die Kleintiere behandeln sie einzeln, können sich aber jederzeit austauschen und zur Hilfe kommen.

Vor zehn Jahren haben die Schwestern die Praxisräume ausgebaut. Ihre Eltern habe ihnen eine von zwei Ferienwohnungen auf dem kleinen Hof dafür zur Verfügung gestellt. Damals waren sie nach sieben Jahren Selbstständigkeit so bekannt, dass immer mehr Menschen ihre Dienste in Anspruch nahmen. Kati und Rike van der Weerd brauchten Platz und waren schon lange vor der Entdeckung für das Fernsehen mehr als ausgelastet. Werbung haben sie nie gemacht und auch nicht nötig.

Anerkennung genießen die Heilpraktikerinnen auch bei den Tierärzten der Region. Sie kooperieren intensiv mit dem Kleintierzentrum in Harsefeld und auch anderen renommieren Tierkliniken. Nur Veterinäre, die Tiere, welche später von den Zwillingen gerettet wurden, längst aufgegeben hatten, sind nicht immer gut auf die beiden zu sprechen. Aber damit, sagen die Heilpraktikerinnen, könnten sie gut leben. „Im Allgemeinen werden wir von Tierärzten sehr ernstgenommen“ so die Erfahrung von Rike van der Weerd. Die beiden Schwestern sehen sich selbst nicht als Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern als Ergänzung. Sie kämen etwa bei der Diagnose an ihre Grenzen, wenn Röntgenaufnahmen oder andere Medizintechnik notwendig seien. Deshalb arbeiten sie auch mit Tierärzten und Kliniken zusammen.

Aber was ist das Geheimnis ihres Erfolgs? Die Antwort der beiden ist ganz einfach: „Das ist ganz und gar kein Geheimnis. Wir haben eine sehr gute Lehrerin gehabt, hören den Tierbesitzern genau zu, wenn sie die Beschwerden beschreiben und haben ein sehr sensibles Verhältnis zu den Tieren“, erklären die beiden.

Die Zwillinge sind ihr Leben lang immer den gleichen Weg gegangen. Sie würden sich nie trennen, gehören zusammen und entscheiden alles gemeinsam und einvernehmlich. Das komme vielleicht daher, dass ihre Eltern sie bewusst getrennt und unterschieden hätten, in der Schule, bei der Kleidung, sagen die beiden. Die hatten es gut gemeint, damit sie nicht immer in einen Topf geworfen würden. Aber das Gegenteil sei nun die Folge: Kati und Rike van der Weerd sind die unzertrennlichen heilenden Zwillingen.

Als Doppelpack werden sie in Kürze wieder mit Dreharbeiten beginnen. Weil sie nichts anderes als sonst auch machen, sei das zwar ungewöhnlich an solchen Tagen, aber nicht sonderlich anstrengend. Damit unterscheiden sich die beiden von dem TV-Team, das sie an diesen Tagen begleitet. „Wenn wir nach einem Zehn-Stunden-Tag um 19 Uhr zuhause sind, dann sind die vom Fernsehen völlig fertig“, sagen Kati und Rike van der Weerd schmunzelnd. Sie haben dann, nach dem Abendessen, meist noch mindestens zwei Stunden im Büro vor sich.

„Doppelt heilt besser“ heißt die Sendung der Tierheilpraktikerinnen, die in loser Folge im NDR-Fernsehen gezeigt wird. Wer sich die bereits ausgestrahlten Beiträge ansehen möchte, gibt im Suchfeld der NDR-Homepage den Namen der Sendung ein.

www.ndr.de

Der Schwerpunkt von Kati und Rike van der Weerd ist die Arbeit mit Pferden . Dafür kooperieren sie auch eng mit Tierärzten.

Der Schwerpunkt von Kati und Rike van der Weerd ist die Arbeit mit Pferden . Dafür kooperieren sie auch eng mit Tierärzten.

Kati und Rike van der Weerd in ihrer Tierheilpraxis in Oberndorf . Dort kümmern sie sich zum Beispiel um Hunde und Katzen.

Kati und Rike van der Weerd in ihrer Tierheilpraxis in Oberndorf . Dort kümmern sie sich zum Beispiel um Hunde und Katzen.

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