Zähl Pixel
Archiv

Kinder lieben die frostigen Discos in Harsefeld

Die DJs Marvin Gosler und Christoph Wege legen von ihrer Kabine aus die aktuellen Chart- und Partyhits auf.

Die DJs Marvin Gosler und Christoph Wege legen von ihrer Kabine aus die aktuellen Chart- und Partyhits auf.

1000 Besucher – vor allem Familien mit Kindern – kommen zur Disco in die Harsefelder Eissporthalle. Vor dem Eingang bildet sich eine lange Schlange, als die Gäste aus der Dunkelheit ins Innere drängen.

Von Daniel Beneke Mittwoch, 30.12.2015, 17:35 Uhr

Der Stau reicht bis zur Herrenstraße, die Parkfläche wird um eine Wiese erweitert. Viele Menschen reisen sogar aus den Landkreisen Harburg und Cuxhaven an. Aus den Lautsprechern dröhnt laute Musik, die Arena ist in buntes Licht getaucht. An der Decke dreht sich eine funkelnde Disco-Kugel, aus den Rohren strömt Nebel. Das Thermometer zeigt acht Grad Celsius, entsprechend dick eingepackt sind die meisten Freizeitsportler. Sie tragen nicht nur gefütterte Mäntel und Handschuhe, einige haben sogar ihre Rodelschlitten mitgebracht. Bei Keshas Partyhit „Timber“ drehen die ersten Wagemutigen ihre Runden auf dem blanken Eis.

Mariella Dunkel und Carolina Köhn bleiben lieber am Rand, wo die Halt bietende Absperrung nah ist. Die beiden Elfjährigen haben sich aus Buchholz in der Nordheide auf den Weg nach Harsefeld gemacht. „Zum ersten Mal“ tragen die Mädchen aus dem Harburger Land, die von ihren Müttern begleitet werden, Schlittschuhe. Mit Bedacht bewegen sie sich auf dem rutschigen Grund, setzen einen Fuß vorsichtig vor den anderen. Langsam klappt es und die Schülerinnen strahlen.

Während die kleineren Kinder – manche an der Hand der Eltern oder Geschwister – in aller Ruhe über das Eis balancieren, sind die Größeren in schnellerem Tempo und ganz alleine unterwegs. Manchmal tanzen sie zur Musik oder versuchen sich an Sprüngen und Pirouetten. Der neueste Trend: kutschiert werden. Viele Väter und Mütter haben für ihre Sprösslinge einen hölzernen Stuhl ausgeliehen, auf dem die Mädchen und Jungen dann – wie auf einem Schlitten – durch die Halle gleiten.

Noch gemütlicher wirkt nur das Treiben auf dem Schneehaufen in der Mitte des Feldes, der von den großen Scheinwerfern unter dem Dach im Wechsel in Rot-, Gelb- oder Grüntönen ausgeleuchtet wird. Draußen öffnen die ersten Pflanzen schon wieder die Knospen, drinnen in der Eishalle erleben die Familien den richtigen Winter.

Drei Mädchen aus Harsefeld sitzen in ihren Skianzügen auf dem gefrorenen Nass und lächeln den Fotografen an. Mit ihren Händen formen sie – zum Glück weiche – Schneebälle und zielen auf die Kamera. Für das Trio ist der Ausflug in die Eissporthalle ein Heimspiel, erzählen die Mütter. Sie stammen allesamt aus Harsefeld und schauen häufiger in der Eissporthalle vorbei.

Wiederholungstäter aus Überzeugung und auf der Geest verwurzelt sind auch die Discjockeys, die maßgeblich zu der ausgelassenen Stimmung beitragen. Christoph Wege und Marvin Gosler steuern an ihrem digitalen Mischpult die Anlage.

Bei der wöchentlichen Disco am Mittwochabend wechseln sie sich ab, heute kümmern sich die beiden zusammen um den Ansturm. „Die aktuellen Charts und die Partyklassiker“ kommen beim Publikum am besten an, das zeigten auch die Wunschsongs. Manchmal müssen die Musikkenner aber auch als Ersthelfer und Seelsorger einspringen. Während des Interviews steckt ein Junge seinen Kopf in die gläserne Kabine: „Entschuldigung? Meiner Schwester wurde gerade über die Hand gefahren!“ Christoph Wege läuft sofort los.

Die Abläufe in der Halle kennt er aus dem Effeff, sein Vater ist nämlich als Betriebsleiter für das Geschehen auf und neben dem Eis verantwortlich. Die letzte Kinderdisco im zu Ende gehenden Jahr stellt alle bisherigen Rekorde in den Schatten, erzählt der Chef nicht ohne Stolz. Die Kassiererinnen haben 1000 Besucher gezählt – 200 mehr als sonst. Für Michael Wege ein Beleg dafür, dass sein Konzept aufgeht. „Die Saison liegt bisher im Schnitt“, verrät er.

„Aber wir müssen uns immer mehr einfallen lassen, um die Zahlen zu halten. Einfach nur die Tür aufmachen und darauf warten, dass die Leute kommen – das funktioniert nicht mehr.“ In den Ferien ist der Zuspruch durchgehend stark, in den übrigen Wochen ist das Haus vor allem Sonnabend und Sonntag voll. Dann haben die Familien genug Zeit für einen Ausflug nach Harsefeld und die Crew muss binnen weniger Stunden bis zu 20 Geburtstagsgruppen bespaßen.

„Wir möchten den Gästen etwas bieten“, sagt Michael Wege. Damit das gelingt, stehen insgessamt 1000 Schlittschuhe in den Größen 25 bis 50 in den Regalen zur Ausleihe bereit. Neu angeschaffte Pinguin-Figuren sollen den Knirpsen beim Laufen lernen auf dem Eis helfen. Mit den Monaten Januar und Februar steht dem Betriebsleiter und seinem Team noch eine traditionell ordentlich besuchte Zeit bevor. Zum Saisonende, wenn der Frühling schon seine Vorboten schickt, kommen spürbar weniger Menschen.

»Wir müssen uns immer mehr einfallen lassen, um die Besucherzahlen zu halten.«

Der Schneehaufen ist cool. Eva Behrens, Anna Detje und Viktoria Fohrmann sind Stammgäste auf dem Eis.

Der Schneehaufen ist cool. Eva Behrens, Anna Detje und Viktoria Fohrmann sind Stammgäste auf dem Eis.

Svetlana Roth und Sohn Elwin laufen mit Stuhl durch die Arena.

Svetlana Roth und Sohn Elwin laufen mit Stuhl durch die Arena.

Die Regale sind leer. Jan Stieglitz hat 600 Schlittschuhe verliehen.

Die Regale sind leer. Jan Stieglitz hat 600 Schlittschuhe verliehen.

Kinder lieben die frostigen Discos in Harsefeld

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.