Klaus Schmidt gibt das Zepter ab
Eines der größten Talente beim Stader TC, Jennifer Gorlow, Trainer Alexander Brüggenwerth, der 2. Vorsitzende Michael Zill und Klaus Schmidt (von links). Berlin
Nach 33 Jahren als Jugendtrainer beim Stader Tennis-Club übergibt Klaus Schmidt (64) den Posten an seinen Zögling Alexander Brüggenwerth (24). Brüggenwerth will langfristig eine leistungsstarke Mannschaft aufbaue und den Breitensport nicht vernachlässigen.
Als Trainer war Klaus Schmidt immer Autodidakt, der sich nie an Konventionen hielt. Tennis aus dem Lehrbuch oder von selbsternannten Experten interessierte Schmidt nicht. Als passionierter Billardspieler analysierte der heute 64-Jährige physikalische Rotationsgesetze anhand der Bewegungen der Kugeln und wand sie beim Tennis an. Schmidt etablierte früh den Top Spin beim Stader Tennis-Club.
Der gebürtige Cuxhavener feierte die Norddeutsche Meisterschaft im Einzel und mit der Mannschaft. Die Stadt Stade wählte ihn einmal zum Sportler des Jahres. Schmidt führte eine Reihe von jugendlichen Talenten zu vielen Erfolgen. Seine Tochter und seine Enkeltöchter spielen längst auf hohem Niveau und stehen weit oben auf den niedersächsischen Ranglisten. Für die beste Vereinsjugendarbeit in der Region zeichneten die Sparkassen und Kreissparkassen Schmidt Ende der 1980er bis Anfang der 1990er fünfmal in Folge mit einem Pokal aus.
„Der Stader TC wäre nicht das, was er heute ist, wenn wir Klaus Schmidt nicht hätten“, sagt der 2. Vorsitzende des Clubs, Michael Zill. Schmidt sei im Umgang mit den Jugendlichen ein Phänomen. Der Spaß kommt in den Trainingsstunden nie zu kurz.
Seinen Nachfolger Alexander Brüggenwerth (24) formte Schmidt einst selbst. Alexander und sein Zwillingsbruder Nicolai gingen durch seine Schule, ehe die Nachwuchstalente an das Sportinternat nach Hannover wechselten. Zu ihren besten Zeiten waren die beiden in der deutschen Top 10-Liste. Alexander und Nicolai Brüggenwerth trainierten gemeinsam mit Tennis-Größen wie Nicolas Kiefer. Alexander Brüggenwerth stand im Doppelfinale um die Deutsche Meisterschaft und war im Einzel auf nationaler Ebene einmal Dritter.
Beim Stader TC will Brüggenwerth als Trainer den Spagat zwischen Leistungssport und Breitensport schaffen. Der Verein unterscheidet zwischen Freizeitspielern, Wettkampfspielern und Turniertennis. Brüggenwerth will langfristig eine Herrenmannschaft aufbauen und sie in der Oberliga etablieren. Brüggenwerths größtes Talent ist derzeit Jennifer Gorlow (15). Sie gewann jüngst die Regionsmeisterschaften und startete bereits bei internationalen Turnieren.
Brüggenwerth soll hauptsächlich Training geben und zudem in Zusammenarbeit mit Sportwart Peter Meyer Schnupperkurse organisieren, Mini-Turniere veranstalten und sich um das Marketing kümmern.
In den nächsten drei Jahren hält Schmidt noch die Anlage des Stader TC am Lönsweg in Schuss. Zudem unterstützt er seine Ehefrau Christel bei der Gastronomie im Vereinsheim.
Schmidt war Trainer, Hausmeister, Hilfspolizist, Seelsorger und Entertainer in den vergangenen 33 Jahren. Seine sportlichen Erfolge sind bereits beschrieben. Gastmannschaften schwärmen von einer der schönsten Anlagen in der Region. Nur in Unterhose gekleidet stellte Schmidt eines Nachts einen drogenabhängigen Einbrecher und übergab ihn der Polizei. Jeden Dienstag beim Clubabend hört sich der 64-Jährige auch die traurigen Geschichten einiger Vereinsmitglieder an. Die Rolle des musikalischen Unterhalters mit spitzer Zunge und viel Wortwitz liegt ihm aber am meisten.