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Kleinkunst-Igel präsentiert die Crème de la Crème der kleinen Bühne

Mit „Gegendarstellung in Buxtehude“ eröffnet der gefeierte Kabarettist Max Uthoff im September die 36. Kleinkunstsaison. Foto Michel Neumeister

Mit „Gegendarstellung in Buxtehude“ eröffnet der gefeierte Kabarettist Max Uthoff im September die 36. Kleinkunstsaison. Foto Michel Neumeister

Die 36. Saison ist unter Dach und Fach und Verein Kleinkunst-Igel kann mit Fug und Recht behaupten, von den bekannten Protagonisten der kleinen Bühne Vertreter der Crème de la Crème unter Vertrag genommen zu haben.

Von Hannelore Aldag Mittwoch, 13.07.2016, 12:49 Uhr

Die Saison eröffnet am Sonnabend, 17. September, der großartige Max Uthoff mit „Gegendarstellung in Buxtehude“. In einer Zeit, in der Günther Jauch ungestraft die Berufsbezeichnung Journalist tragen darf, in der sich das Kapital benimmt wie Rotz am Backen und Hartz IV oft nur die Fortsetzung von Stirb langsam III ist, gilt mehr denn je: Wer über den Tellerrand sieht, sieht viel mehr von der schmutzigen Tischdecke. Max Uthoff, der die Sprache als Waffe des Pazifisten aus dem Eff-Eff beherrscht, nimmt kein Blatt vor den Mund, redet von mörderischen Geschäften, gesellschaftlichem Inzest und davon, dass sich Menschen, die in Schubladen denken, schon mal halb aufgeräumt fühlen.

„Keine weiteren Fragen“ hat Christian Ehring, der mit seinem Solo am Freitag, 25. November, nach Buxtehude kommt. Dieser Mann hat ein nostalgisches Faible für aussterbende Medien, weswegen er regelmäßig im Fernsehen auftritt. Was viele nicht wissen: Schon weitaus länger kultiviert er seine Liebe zur Bühne, jenem fabelhaft antiquierten Kommunikationsmittel in analogem HD. Uns Deutschen geht es scheinbar gut. Die Wirtschaft brummt, der Export bricht alle Rekorde, wir sagen anderen, wo es langgeht und Angela Merkel hat keine natürlichen Feinde mehr. Doch die Einschläge kommen näher. „Keine weiteren Fragen“ ist ein asszoziativer Monolog voller Gegenwartsfurore und mit Gesang.

„Theorie der feinen Menschen“ ist eine epische Geschichte von Verrat, Familie und Geld – nur in live, so als hätte Shakespeare ein Praktikum bei der Deutschen Bank absolviert und aus Verzweiflung darüber eine Komödie geschrieben. Mit „Theorie der feinen Menschen“ kommt Claus von Wagner am Sonnabend, 10. Dezember, nach Buxtehude. Und der Kabarettmann soll genauso sein, wie sich Loriot und Bertolt Brecht in einer durchzechten Nacht ihren Schwiegersohn vorgestellt hätten

Das Letzte, was die Zukunft braucht, sind Frust und Verlust. Wenn Wilfried Schmickler am Freitag, 10. Januar 2017, mit „Das Letzte“ in Buxtehude Station macht, kümmert er sich drum. Ob als Kleinkunst-Vagabund auf den Bühnen des Landes, ob als Kolumnist im WDR oder als Rausschmeißer in den Mitternachtsspitzen – der Stimmungsaufheller und Muntermacher will vor allem eins und das so gründlich wie möglich und aktuell wie nötig: Gute Unterhaltung. Denn Gründe für schlechte Laune gibt es schon genug.

Sinnend und singend macht er sich auf den Weg und lädt sein Publikum zu einem Perspektivwechsel ein. Mit „Was, wenn doch?“ bringt Bodo Wartke am Freitag, 10. März 2017, mitreißendes Klavierkabarett in Reimkultur auf die Bühne, ebenso wie verblüffende Denkanstöße mit augenzwinkerndem Blick auf unser tägliches Miteinander. Was tun bei widersprüchlichen Gefühlen? Ein ungebremster Bodo brennt für das, was er tut und singt neue, ganz akute Lieder.

Authentisch sein lautet das Gebot der Stunde und fleißig an der Marke „Ich“ arbeiten. Nachdem der Bielefelder Kabarettist Ingo Börchers erfolgreich auf der Datenautobahn aufgeräumt und das Gesundheitswesen seziert hat, widmet er sich am Freitag, 7. April 2017, mit „Immer ich“ einem Thema, dem sich niemand wirklich entziehen kann. Denn auch wenn es erst einmal nicht so klingt: In „Immer ich“ geht es auch um Sie.

Zum Abschluss der Saison am Sonnabend, 29. April 2017, erobert mit Christine Prayon eine Frau die Bühne, die genauso wenig in eine Schublade passt wie ihr Programm „Die Diplom-Animatöse“. Christine Prayon hat sich das Ulknudel-Diplom auf die Netzhaut tätowieren lassen und wird sich auch diesmal nicht festlegen, ob es sich bei ihrem Solo um Kabarett, Comedy oder einfach nur eine Heizdeckenverkaufsveranstaltung handelt: „Ich muss halt auch bleiben, wo ich gucke“ – lustig wird es allemal.

Wegen der Umbauarbeiten im Schulzentrum Süd laden alle sieben Veranstaltungen jeweils ab 20 Uhr auf die Halepaghen-Bühne ein. Karten gibt es jeweils sechs Wochen vor den Veranstaltungen in Buxtehude bei Allerleibuch im Torfweg unter 0 41 61/ 8 44 66, im WeinGut in der Ritterstraße unter 0 41 61/ 51 26 96 und in der Altländer Drogerie in Jork, Bürgerei, unter 0 41 62/ 81 05.

Ingo Börchers serviert im April 2017 sein Programm „Immer ich“. Foto Jan Merlin Friedrich

Ingo Börchers serviert im April 2017 sein Programm „Immer ich“. Foto Jan Merlin Friedrich

Christine Prayon präsentiert im April 2017 „Die Diplom-Animatöse“.

Christine Prayon präsentiert im April 2017 „Die Diplom-Animatöse“.

Wilfried Schmickler fällt im Januar 2017 mit „Das Letzte“ vom Glauben ab. Foto Holger Scholl

Wilfried Schmickler fällt im Januar 2017 mit „Das Letzte“ vom Glauben ab. Foto Holger Scholl

Bodo Wartke stellt im März 2017 singend die Frage: „Was, wenn doch?“ Foto Sebastian Niehoff

Bodo Wartke stellt im März 2017 singend die Frage: „Was, wenn doch?“ Foto Sebastian Niehoff

Christian Ehring kommt im November mit „Keine weiteren Fragen“. Foto Harald Hoffmann

Christian Ehring kommt im November mit „Keine weiteren Fragen“. Foto Harald Hoffmann

Claus von Wagner ist im Dezember mit „Theorie der feinen Menschen“ zu Gast. Foto S. Büttner

Claus von Wagner ist im Dezember mit „Theorie der feinen Menschen“ zu Gast. Foto S. Büttner

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