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Kloster Neuenwalde: Purismus in altem Gemäuer

Blick auf das Kloster – von der Rückseite aus gesehen. Fotos von Allwörden

Blick auf das Kloster – von der Rückseite aus gesehen. Fotos von Allwörden

15 Jahre lang ist das Kloster Neuenwalde saniert worden. Jetzt sind die letzten drei Zimmer fertiggestellt. Das Kloster wird nunmehr (fast) komplett vom Evangelischen Bildungszentrum im nahen Bad Bederkesa als Seminarhaus genutzt.

Von Peter von Allwörden Freitag, 15.04.2016, 16:14 Uhr

„Unser Kloster ist das einzige lebendig erhaltene seiner Art im ganzen Elbe-Weser-Dreieck“, sagt Dr. Eduard von Reden-Lütcken nicht ohne Stolz. Er hat als Präsident der Ritterschaft des Herzogtums Bremen die Sanierung des alten Klosters angeschoben. Bereits seit dem Jahr 2010 ist die Ritterschaft, der das Kloster gehört, mit der Kirche im Gespräch über Nutzungsmöglichkeiten des Klosters Neuenwalde, um es lebendig weiter zu nutzen. Die Kirche war auf die Ritterschaft zugekommen und hatte die Idee, „es zu einem bildungsbezogenen und spirituellen Zentrum für den Sprengel Stade weiterzuentwickeln“, wie von Reden es bei der Einweihung des Zentrums formulierte. Und er zitierte zum Sinn des Erhalts dieses seltenen Denkmals: „Denkmalschutz ist der Dank an die Vergangenheit, die Freude an der Gegenwart und das Geschenk für die Zukunft.“

Das Präsidentenamt hat der Hamelwördener zwar zu Ende 2015 abgegeben, aber als Verantwortlicher für die Modernisierung und Nutzung des Klosters wird er in die Geschichte der Ritterschaft eingehen.

Umgesetzt haben die Umnutzung des Klosters zum Seminarzentrum die Planer Bernd Mügge, Architekt aus Hammah, und Margarete von der Decken, Innenarchitektin aus Krummendeich. Während Mügge sich um äußere Sanierung im alten Fachwerkanbau des Klosters, um Technik, Brandschutz und energetische Sanierung gekümmert hat, war Innenarchitektin von der Decken für die Gestaltung und Möblierung der Flure, Zimmer, Seminarräume und sonstigen Nebenräume zuständig. Beide haben sich ganz eng mit den Denkmalschützern abstimmen müssen. Die Denkmalpfleger stufen das Kloster „als ganz hochwertiges Denkmal“ ein, freut sich von Reden.

Bewusst minimalistisch sei alles gehalten, sagt Margarete von der Decken. Keine modernistischen Details sollen von der puristisch anmutenden Ausstrahlung des alten Klosters ablenken, so ihr Ansatz. Und der war so auch kompatibel mit den Forderungen des Denkmalschutzes. Die Möbel sind schlicht, eigens gefertigt worden von Tischlern. „Alles hier im Haus hat eine Nachhaltigkeit, die Möbel sind aus Vollholz gefertigt, hochwertig“, sagt die Planerin.

Die Innenwände wurden gedämmt, um modernen Standards zu genügen. Als Putz wurde Lehm gewählt. „Die Wände sind ganz bewusst nicht glatt geputzt, die Holzbohlen etwas krumm und schief“, erklärt die Gestalterin. Die langen Flure sind in Grau und Weiß gehalten, die alten Fußböden auf Wunsch der Denkmalschützer grau gestrichen, in den Zimmern dunkelrot. Alle Türen wurden restauriert. In den Fluren und auch in den Zimmern hängt kein Bild. Ausnahme: Gerahmte Fotos von den Gutshöfen der Mitglieder der Ritterschaft, nach denen die einzelnen Zimmer des Klosters auf deren Wunsch benannt sind. Hier konnte sich übrigens auch Margarete von der Deckens Mann Christian verewigen mit dem Gut Ritterhof.

Das kirchliche Bildungszentrum Bad Bederkesa war auf die Ritterschaft zugekommen, um über die Möglichkeit einer Nutzung als Seminarzentrum zu verhandeln. Bis vor Kurzem war das Kloster noch als Damenstift genutzt worden. Da diese Nutzung kaum noch nachgefragt war (siehe Geschichte des Klosters), liefen die kirchlichen Erwachsenenbildner bei der Ritterschaft offene Türen ein. „Es wurde eine nachhaltige und für die Klosterräume passende Nutzung gefunden“, sagt von Reden.

Die Klosterräume wurden zu Zimmern umgestaltet. Sie sind alle mit modernen Bädern ausgestatten und auch auf Kosten der Ritterschaft möbliert worden. Die letzten drei von insgesamt 15 Zimmern wurden gerade fertiggestellt. Die Gesamtfläche hier beträgt 324 Quadratmeter. In der sogenannten Zehntscheune, in der sich immer noch eine Wohnung des Damenstifts befindet, sind auf 133 Quadratmetern Seminarräume, eine Bibliothek und der Küchen- und Essbereich für die Seminarteilnehmer untergebracht.

Unabhängig vom Umbau zu einem Seminarzentrum hatte die Ritterschaft bereits in den Jahren von 2002 bis 2013 die Dächer und die Fenster der beiden Hauptgebäude erneuert sowie technische und energetische Sanierungen vorgenommen und den teils maroden Fachwerkanbau erneuert. Es gab zwar Zuschüsse aus EU-Mitteln und auch von den Denkmalschützern, aber den Löwenanteil der gesamten Sanierung in der Größenordnung von mehr als 2,5 Millionen Euro hat die Ritterschaft als Eigentümerin aufgebracht. Allein die Umbauten zum Seminarzentrum hat die Ritterschaft aus Eigenmitteln knapp 1,2 Millionen Euro gekostet. Nur für Brandschutzmaßnahmen musste die Ritterschaft schon 230 000 Euro aufwenden.Passend zur Nutzung als kirchliche Seminarstätte gehört zum Kloster eine kleine Kirche, die auch weiterhin den Neuenwaldern als Dorfkirche dient.

Das Evangelische Bildungszentrum Bederkesa unter Leitung von Dr. Jörg Matzen bietet in dem mittelalterlichen Kloster seit 2014 ein Seminarprogramm an. Themenschwerpunkte sind christliche Besinnung und Einkehr, interreligiöser Dialog und Kultur. Informationen zum Programm stehen auf der Internetseite der Einrichtung.

www.ev-bildungszentrum.de

Bis zu 15 Nonnen lebten früher in den alten Gemäuern von Kloster Neuenwalde. Sie kümmerten sich um die Kirche als Küsterinnen, waren handwerklich und künstlerisch tätig, webten und sponnen. Sie bestellten den Garten und kümmerten sich um die Speisung der Armen und die Pflege der Kranken. Was man eben so macht in einem mittelalterlichen Kloster, das schon 1219 in Midlum gegründet wurde. Es war fast so etwas wie eine heutige ländliche Sozialstation.
1334 wurde das Kloster schließlich auf seinen jetzigen Standort verlegt und damit auch die Siedlung Nigenwolde gegründet. Aus der anfänglich nur sehr kleinen Klostersiedlung geht der heutige Ort Neuenwalde hervor. Das Kloster gehörte zum Erzbistum Bremen.
Nach der Reformation verlor das zuletzt von Jesuiten betriebene Kloster seine Bedeutung. Am 3. Juli 1683, zur Schwedenzeit, geht es in den Besitz der Ritterschaft über. Zum Kloster gehören fast 380 Hektar Forsten.
Das Kloster wurde unter der Ritterschaft zu einem christlich ausgerichteten Damenstift mit dem Ziel, ledigen Töchtern aus dem Adel zum Zwecke der „Education und zum Unterhalt“ eine Heimstadt zu geben, wie es in der 1684 erlassenen Klosterordnung hieß.
Die Ritterschaft der Herzogtümer Bremen und Verden fördert Kultur, Museen, Bildung und sieht sich als Bewahrer von Tradition und überlieferten Werten. Einmal im Jahr versammeln sich 35 Gutsbesitzer im Rittersaal ihres eigenen 1826 gegründeten Ritterschaftlichen Kreditinstituts in Stade zum Rittertag. Hier wird Rückschau auf das abgelaufene Jahr gehalten und die Marschrichtung für das kommende festgelegt.
Wer Mitglieder in der Vereinigung mit dem Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, muss im Eigentum eines in der Matrikel von 1741 eingetragenen ritterschaftlichen Gutes im ehemaligen Erzbistum Bremen sein. Das ist als unabdingbare Voraussetzung im Statut der Ritterschaft 1863 festgelegt worden. Gegründet wurde die traditionelle Ständevertretung des Adels zwischen Elbe und Weser schon viele Hundert Jahre vorher. Ein genaues Datum ist nicht bekannt, aber als die Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden am 6. Dezember 1397 gegründet würde, gab es die Ritterschaft bereits.
Auch wenn sich die Ritterschaft in Zeiten moderner Demokratien nicht mehr als Ständevertretung versteht, wird sie auch heute noch vom ehemaligen Landadel beherrscht. Die für fünf Jahre aus ihren Reihen gewählten Ritterschaftspräsidenten sind Männer aus dem Adelsstand. Bis Ende 2015 war Eduard von Reden-Lütcken Präsident. Er ist Eigentümer des Hamelwördener Gutes Holenwisch.
www.kloster-neuenwalde.de

 

Planer und Bauherren im sanierten Zimmer (von links): Margarete von der Decken, Eduard von Reden, Bernd Mügge.

Planer und Bauherren im sanierten Zimmer (von links): Margarete von der Decken, Eduard von Reden, Bernd Mügge.

Puristisch und urtümlich: Innenarchitektin Margarete von der Decken hat die Klosterflure in grau-weiß gehalten.

Puristisch und urtümlich: Innenarchitektin Margarete von der Decken hat die Klosterflure in grau-weiß gehalten.

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