Konzernkrise: Deutsche Bank schließt 188 Filialen
Bald wird das Blau der Deutschen Bank seltener zu sehen sein – zumindest in Zentren. Rumpenhorst/dpa
Die Deutsche Bank steckt mitten in der bislang tiefsten Konzernkrise. Das größte deutsche Kreditinstitut muss sparen – und schließt bis 2017 jede vierte Filiale. Das TAGEBLATT hakt nach: Wie geht es mit den Standorten Stade und Buxtehude weiter?
Die Neustrukturierung des deutschen Bankenprimus sieht vor, jede vierte von 720 Filialen in der Bundesrepublik zu schließen. Hintergrund ist eine radikale Sparkur, der 188 Anlaufstellen zum Opfer fallen sollen. Außerdem ist geplant, mindestens 3000 Stellen in Deutschland zu streichen. Am stärksten betroffen ist das Privat- und Firmenkundengeschäft des Kreditinstituts, auf das fünf von sechs der Jobs entfallen.
Nach Analysten soll durch die Neuausrichtung das Investmentbanking stärker in den Fokus rücken. Die deutschen Anleger verlieren derweil scheinbar das Vertrauen in die Großbank. Verstärkt durch den Brexit-Schock stürzte die Aktie der Deutschen Bank im Montagshandel auf 12,36 Euro – ein neues Allzeitrekordtief.
Dieser Schritt sei unausweichlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben, argumentierte John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft, bei der offiziellen Strategiekundgabe. Die Bank strebt nun an, dem Filialabbau eine Digitalisierungsoffensive entgegenzusetzen. 650 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Gleichzeitig soll die Beratungsqualität verbessert werden. Deutschlandweit sollen Zentren eröffnet werden, in denen 360 Mitarbeiter per Videoschaltung, Chat oder Telefon den Privat- und Firmenkunden Auskunft geben. Doch welche Filialen werden dafür dichtgemacht?
Offiziell kommentiert das noch niemand. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich zu diesem Thema keine Auskunft geben darf“, sagt Andreas Krohn, Filialdirektor der Deutschen Bank in Stade, auf TAGEBLATT-Nachfrage. Krohn verweist direkt an die zentrale Pressestelle in Frankfurt. Ein Anruf dort bringt nur unwesentlich mehr Auskunft. „Die Deutsche Bank und die Arbeitnehmervertretung haben sich darauf verständigt, zuerst die betroffenen Mitarbeiter zu informieren“, sagt Sprecher Markus Weik.
Aus Wettbewerbsgründen, und weil die Änderungen erst 2017 in Kraft treten, solle die Liste noch nicht publik gemacht werden. In der offiziellen Verlautbarung der Bank ist ohnehin nicht von Schließung, sondern lediglich von einer „Zusammenlegung zu leistungsstärkeren Standorten die Rede.“ Nach Weiks Aussagen sind aber vornehmlich Filialen in den urbanen Zentren betroffen.
In Berlin sollen nach einem Medienbericht allein 20 Niederlassungen geschlossen werden. „Bei den leistungsfähigen Hansestädten Stade und Buxtehude handelt es sich bei allem Respekt aber nicht unbedingt um urbane Zentren“, so Weik. Dieses Kriterium könnte als eine Art Indikator zu verstehen sein, dass die Zweigstellen in Stades und Buxtehudes Innenstädten verschont bleiben. Aber: Ein klares Bekenntnis ist es allerdings auch nicht.
„Die Deutsche Bank bleibt in Niedersachsen und der Region Hamburg stark vertreten und für ihre Kunden über alle Kanäle erreichbar“, verspricht Weik. Zu den Dimensionen: In Stade kümmern sich aktuell sechs Mitarbeiter um 6000 Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden. Das Geschäftsvolumen liegt bei 149 Millionen Euro. Die Bank beziffert das Volumen bei den Einlagen auf 60 Millionen, bei den Depots auf 49 Millionen Euro. Dazu kommt eine Summe von 23 Millionen Euro zur Baufinanzierung.
In der Niederlassung in Buxtehude arbeiten derzeit sieben Angestellte. Was die Zahlen betrifft, ist sie etwas leistungsfähiger: 6800 Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden werden betreut. Das Geschäftsvolumen beziffert das Geldhaus auf 172 Millionen Euro. Bei den Einlagen liegt das Volumen bei 50 Millionen, bei den Depots bei 55 Millionen Euro. Für die Baufinanzierung stehen 61 Millionen Euro zur Verfügung.
Auch andere Geldhäuser bauen ab
Die Deutsche Bank steht mit der Schließung von Filialen in Deutschland nicht allein da. Auch die krisengebeutelte Commerzbank musste seit der Bankenkrise 2007 etwa 400 ihrer Filialen abbauen. Wie „Welt online“ berichtet, wollen die deutschen Volks-und Raiffeisenbank bis zum Jahr 2018 circa 2500 von 12 500 Niederlassungen einsparen. Ein Drittel aller Sparkassen in Deutschland soll ebenfalls konkrete Schließungspläne haben. Bei der Sparkasse Stade-Altes Land werden zum Beispiel 6 von 20 Filialen geschlossen. Auch die Hypovereinsbank hat in der Republik bereits Filialen schließen müssen. Von 580 Zweigstellen sind nur noch 340 übrig.
Deutsche-Bank-Filiale in Stade .
Ihr Pendant in Buxtehude .