Kowalski will Bürgermeister in Strasburg werden
Sein Wahlkampf geht auf die Zielgerade. Der Buxtehuder Ratsherr Klemens Kowalski will am Sonntag Bürgermeister der vorpommerschen Stadt Strasburg werden. Der 39 Jahre alte Bundesbeamte tritt für die Partei Die Linke in seiner Heimatstadt an.
„Hier gibt es so viele gute Sachen und so viele positive Dinge, über die aber viel zu wenig geredet wird“, beschreibt Kowalski seine Motivation, Bürgermeister in der 5000-Einwohnergemeinde in einer der strukturschwächsten Regionen zu werden. Strasburg ist die einzige uckermärkische Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Sie liegt im Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Wieso ausgerechnet Strasburg? Kowalski ist dort aufgewachsen. Er hat seine Heimat mit Anfang 20 verlassen. Mit seiner Übernahme ins Beamtenverhältnis kam er über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nach Hamburg und schließlich nach Buxtehude. 18 Jahre ist er jetzt weg. „Viele wollen gerne zurückgekommen. Ich habe jetzt die Chance dazu“, sagt Kowalski. Strasburg hat seit der Wende 2000 Einwohner verloren. Seine Ausbildung hatte Kowalski in dem Rathaus begonnen, in dem er jetzt Chef werden will. Wie die Chancen auf einen Wahlsieg sind, ist seriös schwer einzuschätzen. Es gibt fünf Kandidaten für die vorgezogene Bürgermeisterwahl. Die CDU schickt einen Kandidaten ins Rennen, zwei haben ein SPD-Parteibuch, und neben Kowalski bewirbt sich auch noch ein unabhängiger Kandidat.
Im Rat der Stadt sind CDU und SPD mit vier Sitzen gleich stark vertreten. Die Linke folgt mit drei Sitzen. Dann gibt es noch zwei Wählergemeinschaften und einen unabhängigen Abgeordneten. Die AfD ist mangels Kandidaten auf kommunaler Ebene nicht vertreten, bekommt aber bei überregionalen Wahlen über 20 Prozent der Stimmen in dem Gebiet, das zu den sogenannten abgehängten Regionen mit unterdurchschnittlichen Lebensverhältnissen zählt. Kowalski hofft, dass er am Sonntag genug Stimmen bekommt, um in die Stichwahl für die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen einzuziehen.
Seine Qualifikation für den Job? Kowalski: „Als Beamter in einer Bundesbehörde habe ich Verwaltungserfahrung. Aus meiner Arbeit im IT-Bereich weiß ich projektorientiert, sparsam und effizient zu arbeiten.“ Kommunalpolitische Erfahrung habe er in zwölf Jahren im Rat der Stadt Buxtehude gesammelt.
Kowalski hat den Strasburger Wählern versprochen, dass er bis zum Ende seiner im Erfolgsfall siebenjährigen Amtszeit bleiben werde. Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil die frühere CDU-Amtsinhaberin in einem anderen Landkreis zur Landrätin gewählt wurde. „Ich habe sogar schriftlich festgelegt, dass die Bürger nach sieben Jahren sagen können, ob ich meine Sache gut gemacht habe oder nicht“, sagt Kowalski. Strasburg solle nicht als Karrieresprungbrett herhalten.
Wenn er von Strasburg redet, schlägt Leidenschaft für das Projekt durch. Kowalski will die Situation für die Menschen verbessern, ihnen mehr Mitsprache auf dem Weg der Bürgerbeteiligung einräumen. Angesichts einer verheerenden kommunalen Haushaltslage ist das eine echte Herausforderung. Während sich Buxtehude unter Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt in den nächsten vier Jahren ein Investitionsprogramm von rund 100 Millionen Euro leistet, gibt es in Strasburg nicht einmal genug Geld für die Pflichtaufgaben. „Bürgermeisterin in Buxtehude kann jeder“, sagt Kowalski.
Eine anstrengende Zeit mit vielen Fahrten zwischen Buxtehude und dem 400 Kilometer entfernten Strasburg geht für den Familienvater Kowalski am Sonntag, unabhängig vom Ausgang der Wahl, zu Ende. Gewinnt er, bekommt seine Familie einen neuen Lebensmittelpunkt.