TKreis weitet Kampagne aus: Fünf stationäre Impfzentren geplant
Ein Schild mit der Aufschrift „Impfzentrum“ weist den Weg zu einer Impfstelle. Foto: Markus Scholz/dpa
„Die Lage ist sehr ernst, und sie ist so ernst wie nie zuvor“, sagt Kai Seefried. Der Landrat wendet sich angesichts steigender Corona-Opferzahlen mit einem Appell an die Öffentlichkeit und kündigt eine massive Ausweitung der Impfkampagne an.
„Wir müssen anhand der jetzt vorliegenden Zahlen davon ausgehen, dass es bundesweit Weihnachten um die 400 bis 500 Corona-Tote gibt“, sagt Seefried gegenüber dem TAGEBLATT. Die Zahlen im Landkreis Stade seien im Vergleich mit anderen Regionen noch deutlich niedriger, aber die Folgen der vierten Welle würden auch hier spürbar werden.
Über das sogenannte „Kleeblatt“, die Verteilung von Intensiv-Patienten aus überlasteten Regionen, können auch Patienten nach Stade und Buxtehude kommen. Seefried fordert die Menschen auf, ihre Kontakte auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Die Landkreis-Verwaltung reagiert auf die steigenden Inzidenzwerte mit mehreren Maßnahmen. So soll die Impfkampagne massiv ausgebaut werden.
Impfzentren plus mobile Teams
Neu ist dabei, dass der Landkreis schnell stationäre Impfzentren einrichten will. Derzeit werden Räumlichkeiten in Stade, Buxtehude, Harsefeld, dem Alten Land und Kehdingen geprüft. Für die stationären Einrichtungen soll es Terminvergaben geben. „Wir gehen in die großen Hallen, damit die Menschen nicht alle draußen auf ihren Termin warten müssen“, kündigt Kai Seefried an. Auch die mobilen Impfteams werden ihre Arbeit fortsetzen. Derzeit sind drei Gruppen im Einsatz, die auch viel in Schulen und Senioreneinrichtungen unterwegs sind. Ab der kommenden Woche sollen fünf Teams bereitstehen.
Wie groß der Bedarf an Impfangeboten jetzt ist, zeigte der Einsatz eines Teams am Freitag. Dort wurde zuerst im Altländer Viertel in Stade und anschließend in Harsefeld geimpft. An beiden Orten gab es Menschen, die stundenlang auf ihre Impfung warteten und die dann nicht mehr drangekommen sind. Das Team war von morgens 8 Uhr bis abends 22.30 Uhr im Einsatz und impfte insgesamt rund 700 Menschen.
Polizei schützt Impfteam in Harsefeld
Eine Stunde vor dem Abbruch der Impfungen in Harsefeld forderte das Team die Unterstützung der Polizei an, weil es bei den Wartenden, die in einer langen Schlange durch den Ort standen, zum Teil große Unzufriedenheit gab. Zu Ausschreitungen kam es nicht.
Fortschritte gibt es bei den Impfungen für die rund 800 Rettungskräfte und bei den 650 Feuerwehrleuten, die den Notfallgruppen angehören. Die Rettungskräfte sind geimpft, und die Feuerwehrleute in den Gruppen, die zum Beispiel mit einem Defibrillator schnelle Hilfe bei einem Herzstillstand leisten, sollen in dieser Woche alle ein Impfangebot bekommen.
3G für Mitarbeiter und Besucher der Verwaltung
Als weitere Konsequenz der steigenden Inzidenzwerte wird es nicht in jedem Einzelfall mehr eine Kontaktverfolgung geben können, kündigt Kai Seefried an. Obwohl der Landkreis hier 20 Mitarbeitende in Vollzeit beschäftigt, werden diese nicht mehr bei allen Infizierten die Frage klären können, wer sich ebenfalls angesteckt haben kann. „Wir werden uns nur noch um Personen kümmern, die Superspreader werden könnten“, so Seefried, also mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Weitere Schwerpunkte würden Infektionen in Kindertagesstätten, Schulen und Pflegeeinrichtungen. „Ich appelliere an die Menschen, sich in Eigenverantwortung um die Quarantäne-Auflagen zu kümmern“, so Seefried.
Aufgrund der angespannten Situation wird die Kreisverwaltung wieder einen Corona-Krisenstab einrichten, der sich täglich mit der Lage beschäftigen soll. Außerdem werden die Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse unter der 3G-Regel stattfinden. Das gilt auch für Besucher und Kunden der Kreisverwaltung. Für die Beschäftigten dort gilt es bereits. Beim am heutigen Dienstag stattfindenden Treffen mit den hauptamtlichen Bürgermeistern wird Seefried zudem darauf dringen, dass die Regeln einheitlich im Kreis für Rathäuser und Kommunalpolitik gelten.