Kritisierter NFV lobt das TAGEBLATT
Drei leicht provozierende Plakate zeigten die Celler Fans während des Wiederholungsspiels: Erst „Sieg oder Wiederholungsspiel“, dann „Vorsicht Hooligantouristen“ und als letztes „Wir zünden – Ihr zahlt“.
Bei Annahme des Anrufs in der Sporredaktion stellte ich mich sofort auf eine Beschwerde ein und auf eine schöne Auseinandersetzung. Es kam anders: Mein Kommentar wurde von den Kritisierten gelobt.
Den Namen des Anrufers hatte ich sogleich wieder vergessen, als er sagte, dass er vom NFV, dem Niedersächsischen Fußballverband, sei und sich aus Barsinghausen melde. Ich ging in den Abwehrmodus. Ich wusste sofort, worum es gehen sollte: das „Skandalspiel“ des Fußball-Bezirksligisten TSV Elstorf gegen den TuS Celle FC. Im Zuge dessen hatte das TAGEBLATT die lückenhafte Satzung des NFV kritisiert. Doch der NFV-Mann gab mir recht im Namen des NFV-Präsidenten Karl Rothmund (kürzlich abgetreten) und wollte ein Gespräch zwischen mir und Rothmund terminieren. Alles klar. Schöne Sache.
Zum Hintergrund: Das Spiel zwischen Gastgeber TSV Elstorf und TuS Celle FC wurde vom Schiedsrichter abgebrochen. 35 gewaltbereite TuS-Fans zündelten mit Bengalos und randalierten. Die alarmierte Polizei forderte Verstärkung an. Bei dem Versuch, die teils vermummten Krawallmacher des Platzes zu verweisen, kam es zum Widerstand. Vier Polizisten wurden leicht verletzt.
Für das Sportgericht war die Sache aufgrund der zugrundeliegenden Berichte klar: Der verantwortliche Verein TuS Celle FC bekam eine Strafe aufgebrummt und das Spiel wurde mit 0:5 zugunsten des TSV Elstorf gewertet. So weit die gängige Handhabe.
Der TuS Celle FC schluckte das als üblich anerkannte Urteil aber nicht und legte Revision ein. Und das Verbandsgericht bestätigte zurecht den Einspruch. Denn die Satzung des NFV ließ ein solches Urteil nicht zu. „Anders als beim DFB gibt es in unserem Verband keine rechtliche Grundlage dafür, dass die Vereine für das Verhalten ihrer Anhänger bestraft werden“, so der Richter.
Das Urteil sorgte für Furore. Das Spiel musste neu angesetzt werden. TSV-Trainer Hartmut Mattfeldt sprach aufgebracht von einer „Schande für den Amateurfußball“. Aber: Der NFV wurde aufgeweckt und durch die Berichterstattung sensibilisiert. Beim Telefonat mit mir sprach Karl Rothmund von der „sachlichen und guten Berichterstattung“ des TAGEBLATT und der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), dadurch sei „mehr Zug“ in die Aufarbeitung gekommen. Die NOZ hatte über dieselbe Satzungslücke berichtet im Zuge von Schiedsrichterbeleidigungen.
Rothmund verkündete im Gespräch, dass aufgrund der „sport-politischen Brisanz“ eine Satzungsänderung kommen werde. Die kam schnell. Das Wiederholungsspiel fand freilich trotzdem statt, TSV Elstorf verlor mit 0:2.
TAGEBLATT-Sportredakteur Jan Bröhan erwartete bei einem Anruf vom NFV eine Beschwerde und wurde positiv überrascht: Die Kritisierten lobten die Berichterstattung.
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