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Abfallkontrollen

TLandkreis moniert: Diese Plastiktüten im Biomüll sorgen für Probleme

Mit diesen Plakaten versucht der Landkreis Stade, die Qualität des Biomülls zu verbessern. Foto: Landkreis

Mit diesen Plakaten versucht der Landkreis Stade, die Qualität des Biomülls zu verbessern. Foto: Landkreis

Sie sollen kompostierbar sein und werden von zahlreichen Haushalten genutzt. Doch: Auch die abbaubaren Tüten sorgen im Kreis Stade für Probleme. Ebenso wie falsch befüllte Biotonnen, wie sich bei Kontrollen in Nordkehdingen erneut zeigt.

Von Anke Settekorn Mittwoch, 01.03.2023, 11:00 Uhr

Die Abfallberaterinnen im Kreis Stade haben bei Sichtkontrollen in Freiburg und Wischhafen erneut zu viele Fremdstoffe in den Biomülltonnen gefunden. "Auch in Nordkehdingen verliefen die jüngsten Sichtkontrollen der Biomülltonnen enttäuschend", lautet das Fazit von Kreissprecher Daniel Beneke. Besonders auffällig: Viele Biomülltonen enthielten Kleintierstreu. "Das ist jedoch aus seuchenhygienischen Gründen verboten – hier ist die Restmülltonne richtig", klärt Beneke auf.

Knapp jede fünfte Biotonne blieb stehen – Müllproblem immer schlimmer

Insgesamt kontrollierten die Abfallberaterinnen in der vergangenen Woche in Freiburg 146 Tonnen. Davon wurden 26 nicht geleert, was einer Quote von 18 Prozent entspricht. Sie enthielten deutliche Fehlbefüllungen, wie etwa herkömmliche Plastikmüllbeutel, Windeln, Asche und Hundekotbeutel.

Ähnlich ernüchternd sei die Sichtkontrolle in Wischhafen verlaufen, so Beneke. Dort blieben von den 96 gesichteten Tonnen 12 stehen – also knapp 13 Prozent.

Seit dem Sommer 2022 leert die Müllabfuhr falsch befüllte Tonnen im Kreis nicht mehr. Immer wieder finden kreisweit unangekündigte Großkontrollen statt. Eine Besserung ist trotz der begleitenden Infokampagne nicht in Sicht. Im Gegenteil: Zuletzt wurde es immer schlimmer. In einem Harsefelder Neubaugebiet wurden Anfang des Jahres 20 Prozent der falsch befüllten Behälter nicht geleert.

Kompostierbare Beutel sorgen für Probleme

Abfallberaterin Gabriele Mahr berichtet: „Auffällig waren die doppelten Verpackungen. Bioabfälle erst in einen kompostierbaren Beutel zu geben und anschließend diesen noch zusätzlich in Papierbeutel zu füllen – oder auch umgekehrt, ist ökologisch sinnlos.“ Die Fachkräfte raten, auf die kompostierbaren Biomüllbeutel zu verzichten.

Auch wenn kompostierbare Beutel laut Bioabfallverordnung erlaubt sind, und damit eine hygienische und bequeme Sammlung der Bioabfälle möglich ist, haben sie viele Nachteile, betont Gabriele Mahr: „Oft werden sie in den Kompostierungs- und Vergärungsanlagen bereits bei der Abfallaufbereitung gemeinsam mit anderen Störstoffen aussortiert und als Restabfall entsorgt, weil die eingesetzte Technik nicht zwischen biologisch abbaubaren und konventionellen Kunststoffbeuteln unterscheiden kann.“ Dadurch erhöht sich die Menge des Restabfalls, der verbrannt wird, was wiederum zu Lasten der Umwelt geht.

Biologisch abbaubar bedeutet, dass in industriellen Anlagen nach zwölf Wochen nur zehn Prozent Rückstände vorhanden sein dürfen, die größer als zwei Millimeter sind. Allerdings sind in den meisten Kompostierungsanlagen nur vier Wochen für die Zersetzung vorgesehen. Das ist folglich zu wenig Zeit für den Abbau der kompostierbaren Biobeutel.

Bioabfälle in Zeitungspapier wickeln

Weiterer Nachteil dieser Biomüllbeutel: Beim Abbau der Tüten entsteht hauptsächlich Wasser und Kohlendioxid, was nicht zu einem nährstoffreichen Kompost beiträgt. „Außerdem bestehen diese Beutel vor allem aus Mais, Kartoffeln und Zuckerrohr.

Weil die Nachfrage nach biobasierten Kunststoffen steigt, werden immer mehr Waldflächen in Ackerland umgewandelt, um diese Rohstoffe anzubauen. Das dabei eingesetzte Düngemittel benötigt obendrein Erdöl“, ergänzt die Abfallberaterin.

Nachhaltiger ist es also, auf diese Beutel zu verzichten. Stattdessen sollte Zeitungspapier in die Biomülltonnen gelegt und die Abfälle darauf entsorgt werden. Feuchte Bioabfälle können zusätzlich in Zeitungspapier eingewickelt werden.

Kompostierbare Biomüllbeutel sind zwar laut Bioabfallverordnung erlaubt, doch haben dennoch einige Nachteile. Foto Landkreis Stade/Dede

Kompostierbare Biomüllbeutel sind zwar laut Bioabfallverordnung erlaubt, doch haben dennoch einige Nachteile. Foto Landkreis Stade/Dede

Was alles in die Biomülltonne, aber auch in die anderen Mülltonnen gehört, steht auf der Homepage des Amtes „Abfall und Kreislaufwirtschaft“. Die Abfall-App liefert ebenfalls umfangreiche Informationen rund um die Abfallentsorgung. Die App steht zum kostenlosen Download im App-Store von Apple und im Google-Play-Store bereit.

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