TLandkreis verabschiedet sich von Michael Roesberg
Der Landratskoffer für den Neuen: Michael Roesberg (rechts) übergibt an Kai Seefried .
Abschied von Landrat Michael Roesberg, das musste gefeiert werden. 110 geladene Gäste gaben ihm die Ehre. Der Abend war geprägt von Menu, Musik, wohlwollenden Reden und nachdenklichen Tönen. Und ein Geheimnis wurde preisgegeben.
Bewusst wurde im Großen Sitzungssaal des Stader Kreishauses gefeiert, am Arbeitsplatz des Chefs der Kreisverwaltung, Roesberg wollte es so. Die Auswahl sagt viel über den heute 64-Jährigen. Seine Person musste nicht im Vordergrund stehen, sagte er selbst über sich, viel mehr die Arbeit – für die 200 000 Menschen im Landkreis.
Job als Staatssekretär abgelehnt
Dazu passt auch die Anekdote aus der launigen Rede von David McAllister, dem CDU-Europaabgeordneten aus der Elbe-Weser-Region. Als er zum Ministerpräsidenten in Niedersachsen gewählt worden war, wollte er Roesberg als Staatssekretär in die Landesregierung holen. Der lehnte ab, wollte lieber seinen Job im Landkreis Stade machen.
„Es waren gute Jahre, es waren sehr gute Jahre für den Landkreis Stade“, der sich in der Zeit von Roesberg enorm positiv weiterentwickelt habe, sagte McAllister. Die Aufgaben seien nicht ohne: der Wachtsumsdruck aus Hamburg, die Elbvertiefung mit ihren Problemen, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur wie A 26, A 20 oder S-Bahn. McAllister nannte den Hochwasserschutz, aber auch Straßen- und Schulbau. Roesberg habe den Landkreis sicher durch Finanz-, Flüchtlings- und Corona-Krise geleitet.
Roesberg sei ein Mensch mit Prinzipien und klarer Haltung, genieße weit über die Grenzen des Landkreises hinaus einen exzellenten Ruf, überzeuge durch Kompetenz und überparteiliches Engagement und sei ein bis in Ministerkreise anerkannter Repräsentant seines Landkreises.
STD steht für Schönster Teil Deutschlands
Roesberg kreierte Slogans wie „Freu’ Dich, Du bist im Landkreis Stade“ oder „Schönster Teil Deutschlands“ für das Autokennzeichen STD.
Hans-Jürgen Detje, ehrenamtlicher Vertreter als Landrat, sagte, Roesberg sei unter den gut 900 Mitarbeitenden der Kreisverwaltung „bei vielen durchaus beliebt und von allen geschätzt“. Roesberg war 15 Jahre rund um die Uhr Landrat, 24 Sunden lang 365 Tage im Jahr. Er suchte immer wieder den Kontakt zur Bevölkerung, führte die Bürgersprechstunde ein, nahm viele Termine selbst wahr, entsprechend selten kamen seine Stellvertreter zum Zuge.
Stehende Ovationen für den scheidenden Landrat im Kreishaus. 110 geladene Gästen feierten (mit) Michael Roesberg . Fotos: Martin Elsen
Hermann Krusemark, langjähriger Vorsitzender des Kreistags, erinnerte an den Ausbau der Schullandschaft, als Roesberg zuerst Schuldezernent war und später auch als Landrat. Krusemark nannte das Gymnasium Harsefeld, die neue Schule in Apensen, aber auch die Ausbauten von Athenaeum und Vincent-Lübeck-Gymnasium. Das Bildungsbüro als Netzwerkstatt der hiesigen Bildungslandschaft sei auf Michael Roesbergs Initiative hin entstanden.
Ein beliebter Landrat
Zudem habe er eine schützende Hand über Natureum, das Schloss Agathenburg, die Kreisjugendmusikschule oder den Tourismusverband in finanziell schlechten Zeiten gehalten. Auch die Einbürgerungsfeiern, wenn Menschen aus dem Ausland die deutsche Staatsbürgerschaft in Empfang nahmen, waren seine Idee und sind ihm heute noch wichtig. Der scheidende Landrat habe sich vor seine Leute gestellt und keinen im Regen stehen lasen und sei in der Bevölkerung sehr beliebt gewesen.
Als sein Vorgänger im Amt beglückwünschte Gunter Armonat Michel Roesberg zu seinem Schritt, auf eine weitere Amtsperiode zu verzichten. Der Zeitgeist ändere sich, man selbst nicht mehr in diesem Alter, sagte Armonat. Damit begebe man sich auf Glatteis.
Roesberg stimmt nachdenkliche Töne an
Der mit Lob Überschüttete stimmte nachdenkliche Töne an in seiner Abschiedsrede: Für das Amt eines Landrates zahle man einen gewissen Preis. Das Amt sei kein Schönwetter-Amt. Dennoch habe er immer den Landkreis Stade und das Amt wichtig genommen, nicht sich selbst. Nun rücke der Tag näher, auf den er sich freue und vor dem er sich auch ein wenig fürchte. Aber, so Roesberg, er sei mit sich und seiner Entscheidung im Reinen.