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Hof Oltermann

Landwirt in Harsefeld will für seine Hühner ausbauen

Landwirt Oliver Holtermann bei der Fütterung der 12.000 Hennen im Außengelände. Foto: Beneke

Landwirt Oliver Holtermann bei der Fütterung der 12.000 Hennen im Außengelände. Foto: Beneke

Der Hof Holtermann setzt auf Expansion: Er plant an der Griemshorster Straße den Bau eines weiteren Legehennenstalles. Landwirt Oliver Holtermann setzt dabei auf Tierschutz und Transparenz. Er verkauft seine Eier mit dem Siegel des Deutschen Tierschutzbundes.

Montag, 20.01.2020, 10:03 Uhr

Die Stallabmessungen betragen laut Sitzungsvorlage 32 mal 83 Meter. Demnach ist eine Belegung mit 14.994 Legehennenplätzen vorgesehen. Die vorgesehene Auslauffläche (Grasland) wird in sechs Teilflächen untergliedert und hat eine Größe von knapp 68.000 Quadratmeter. Die Auslauffläche soll mit einem 1,80 Meter hohen, offenen Wildgehegegeflecht vorgenommen werden.

Die Gestaltung des geplanten Stall-Neubaus soll dem bereits in direkter Nachbarschaft errichteten Stallgebäude ähneln. Die Erschließung soll ausschließlich über die Kreisstraße 53 (Griemshorster Straße) erfolgen. Das beantragte Bauvorhaben befindet sich im sogenannten planungsrechtlichen Außenbereich. Die Genehmigungsfähigkeit hängt somit in erster Linie der für Außenbereichsvorhaben erforderlichen landwirtschaftlichen Privilegierung ab. Diese sowie auch die Prüfung aller übrigen genehmigungsrelevanten Aspekte obliegt dem Landkreis Stade als zuständige Baugenehmigungsbehörde. Bei einem Legehennenstall ist die landwirtschaftliche Nutzung offenkundig.

Hinsichtlich des Immissionsschutzes (Lärm und Gerüche) des nahen Neubaugebietes am Neuenteicher Weg sind gemäß eines inzwischen vorliegenden Gutachtens von Professor Jörg Oldenburg – ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet – keine unzulässigen Beeinträchtigungen zu erwarten. Gemeindedirektor Rainer Schlichtmann empfiehlt der Politik daher, dem Vorhaben zuzustimmen. Damit kann das gemeindliche Einvernehmen hergestellt werden.

Landwirtsmeister Oliver Holtermann bietet seine Eier mit dem Siegel des Deutschen Tierschutzbundes an. Der Landwirt verfolgt ein in der Region bisher einzigartiges Konzept. Im neuen Stall am Horster Weg am Rand von Harsefeld sind 12 000 Legehennen in Gruppen untergebracht – fünf Tiere pro Quadratmeter. 11.500 Eier legen die Hennen jeden Tag. Die EU-Bio-Richtlinie würde sieben Tiere erlauben, in der konventionellen Bodenhaltung wären es 18. Dann hätte er bis zu 20.000 Tiere im Stall.

Doch das will er nicht. Er setzt auf Tierschutz und Transparenz. Dafür trägt er ein besonderes Siegel des Deutschen Tierschutzbundes. Im Vergleich zu durchschnittlichen Produkten sind seine Eier 15 bis 25 Prozent teurer. Zu kaufen gibt es sie in Supermärkten, Hofläden und Fleischereien in der Region. Um dem hohen selbst gesteckten Transparenzanspruch nachzukommen, gibt es im ersten Stock des Stalls – die Zufahrt ist vom Horster Weg ausgeschildert – einen Besucherraum, der bei freiem Eintritt geöffnet ist. Dort ist der Blick in den Stall möglich. Live-Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen vier weitere Perspektiven. Erklärtafeln und Zertifizierungen sind dort ebenfalls zu sehen. Auf den acht Hektar großen Freilaufflächen ist der Drahtzaun für Passanten problemlos zu durchblicken. Im Internet gibt es weiterführende Informationen über die Haltungsbedingungen.

Den 2004 ausgebauten Kuhstall hat Oliver Holtermann, der sich von der industriellen Massentierhaltung losgesagt hat, inzwischen verpachtet. Behalten hat er die Biogasanlage, die seit 2011 auf dem Hof steht. Grundpfeiler des Programms sind Tierschutzstandards wie etwa ein deutlich erhöhtes Platzangebot, geeignete Beschäftigungsmaterialien in ausreichenden Mengen, Strukturierung der Haltungsumgebung und im Premiumstandard „Kontakt zu Außenklima“, also Freilauf unter freiem Himmel und in nicht beheizten Wintergärten. Die Einhaltung der Standards wird in unangekündigten Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsgesellschaften viermal im Jahr überprüft. Dazu kommt die Selbstverpflichtung des Landwirts, jeden Tag eine Anzahl von Tieren nach festgelegten Fragebögen zu untersuchen und den Gesundheitsstatus zu bewerten. Die ausgefüllten Bögen müssen eingeschickt werden.

„Premium-Eier für Harsefeld“ – das sind zertifizierte Eier mit Futter ohne Gentechnik, 50 Prozent kleinere Herdengröße gegenüber Freilandhaltung, eine größere effektive Auslauffläche und weniger Keimbelastung sowie mehr Lebensqualität sind für ihn wichtige Argumente. Aber es geht für den Landwirt, der seit 18 Jahren einen eigenen Hof bewirtschaftet, noch um eine andere Sache: den Preis und die regionale Vermarktung. Die Eier rollen am Fließband aus der Halle. Die Premiumhaltung aus Tiersicht beginnt mit dem Verbot von Schnabelkupieren, geht über Picksteine, große Fenster im Dach und Sandbäder zum Gang in den Wintergarten und zu den riesigen Toren. Dahinter ist die Freilandfläche.

Die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bau-, Umwelt- und Verkehrsangelegenheiten im Flecken Harsefeld beginnt am morgigen Dienstag, 21. Januar, um 19 Uhr im Harsefelder Rathaus. Der Sitzungsraum befindet sich im Obergeschoss.

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