Lebensmittelgroßhändler aus Hammah setzt auf Gaslaster
Thomas Schmitz (rechts) und Fuhrparkleiter Uli Wermann von der EGV freuen sich über den Gas angetriebenen 18-Tonner . Foto: von Allwörden
Die EGV AG mit Niederlassung in Hammah geht neue Wege beim hauseigenen Fuhrpark. Der Lebensmittelgroßhändler, der Großverbraucher wie Hotels oder Krankenhäuser beliefert, hat jetzt einen mit Erdgas betriebenen Laster in Betrieb genommen. Ein zweiter folgt in diesem Jahr.
„Wir wollen damit nachhaltig die Umwelt entlasten und aktiv etwas für den Klimaschutz tun“, sagt der EGV-Niederlassungsleiter im Hammah, Thomas Schmitz. In der Tat werden der CO2-Ausstoß verringert und die Feinstäube gegenüber Diesel-Fahrzeugen auf Null gesenkt. In der Region sei ein solcher Gas-Laster eine absolute Seltenheit, sagt Schmitz.
Die EGV AG gehört zu den ganz Großen in Deutschland, die als Lebensmittelvollsortimenter zahlreiche Großverbraucher beliefert – von frischer Ware wie Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst bis zu Tiefkühlware.
Schmitz glaubt, dass die EGV als Vorreiter viele Transporteure nachziehen werde. Denn eine solche Nachhaltigkeit beim Klimaschutz sei heute immer mehr gefordert. Zudem beuge sein Unternehmen möglichen Vorgaben und Restriktionen vor – vor allem in den Innenstädten, sagt der Niederlassungsleiter.
Am Ende rechne sich der Einsatz des Lasters nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die EGV, sagt der Hammaher Chef. Zwar kostet der Wagen rund 20 Prozent mehr als ein herkömmliches Diesel-Fahrzeug, aber am Ende würden die Verbrauchkosten deutlich gesenkt. Ein Kilogramm Erdgas ersetzt 1,2 Liter Diesel und kostet statt 1,20 Euro (1 Liter Diesel) nur ein Euro. Das entspricht am Ende einer Einsparung von rund 30 Prozent. Hinzu kommt noch, dass der Wagen bis Ende 2020 von der Maut befreit ist.
Und noch eines ist für den Hammaher Fuhrparkleiter Uli Wermann wichtig: Die Autos sind erheblich leiser und versorgen die Kühlanlage gleich mit. Bei den Dieseln wird die Kühlung über einen eigenen, relativ lauten Dieselmotor betrieben. Das komme bei den Kunden besonders gut an, weiß Wermann. Denn die Fahrer müssten sich schon mal Beschwerden von Passanten anhören, wenn der Wagen im Stand weiterläuft.
Doch mit dem neuen Scania-Laster (18 Tonnen und 280 PS), dem bald noch ein zweiter Gas-LKW folgen wird, sind die Maßnahmen zur Verbesserung des Fuhrparks noch nicht beendet. Fast alle Fahrzeuge – 35 Transporter von 3,5 bis 26 Tonnen Ladekapazität sind in Hammah im Einsatz – sind mittlerweile auf eine Höchstgeschwindigkeit von 82 Stundenkilometern elektronisch begrenzt. Alle neuen Autos sind mit Automatik und diversen Assistenzsystemen ausgestattet. „Wir erhöhen damit die Sicherheit der Fahrer und senken den Verbrauch“, sagt Fuhrparkleiter Wermann.
Je nach Fahrtstrecke fahren die EGV-Transporter zwischen 200 und 500 Kilometer täglich. Sie sind im Hamburger und Bremer Raum und bis nach Hannover und Schleswig-Holstein unterwegs.
Am Standort in Hammah wurde erst vor wenigen Jahren eine neue Kühlhalle gebaut. Mehr als 6000 Quadratmeter Lagerfläche hat das Unternehmen vor Ort. Im Dezember 2005 hat sich die „EGV Lebensmittel für Großverbraucher AG“ mit Hauptsitz in Unna in Hammah in den ehemaligen Molkereiräumen angesiedelt. Die Nordmilch in Zeven hatte den Betrieb aufgegeben. Die EGV beliefert Kunden im gesamten Elbe-Weser-Dreieck. Zu den Kunden gehören Krankenhäuser – auch die Elbe-Kliniken in Buxtehude und Stade werden von Hammah aus beliefert – diverse Hotelketten, Seniorenheime, aber auch die Bundeswehr, Flüchtlingseinrichtungen, JVAs oder Spezialfachgroßhändler. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Unna gehört zu den vier Marktführern der Branche in der Bundesrepublik.
Außer in Hammah/Stade und Unna gibt es Niederlassungen in Güstrow, Eberswalde, Jena und Herford. 1928 wurde das inhabergeführte Unternehmen gegründet. Aktuell beschäftigt die EGV AG fast 800 Mitarbeiter, davon in Hammah rund 100.