TLehrermangel verstehen
Zum Artikel „Hier fehlen die meisten Lehrer“ (TAGEBLATT vom 24. Januar) schreibt Manuela Thorbahn aus Stade:
Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Beitrag der Komplexität des Problems nicht gerecht wird. In Ihrer Einleitung erwähnen Sie Gymnasien, Gesamtschulen, Oberschulen und Hauptschulen gemeinsam. Dies führt jedoch in die Irre, da gerade Gymnasien und Gesamtschulen einem anderen Dezernat unterstehen und daher nicht verpflichtet sind, Lehrkräfte für Grundschulen abzuordnen. Das führt dazu, dass Oberschulen und Hauptschulen, die ohnehin oft die Hauptlast bei der Inklusion und Integration tragen, zusätzlich belastet werden. Grundschulen wiederum, die eine hundertprozentige Versorgung benötigen, erhalten Unterstützung, was den Mangel an anderen Schulformen weiter verschärft. Erschwerend kommt hinzu, dass Sie ein Negativranking der Schulen präsentieren. Eine Rangliste, in der Schulen mit einer 80-prozentigen Versorgung als schlecht dargestellt werden, erscheint mir wenig hilfreich, da sie die strukturellen Ursachen des Problems verdeckt. Derzeit wird der Mangel an einer Schule mit Mangel an einer anderen abgefangen – eine unhaltbare Situation, die differenzierte Lösungen erfordert. Ich wünsche mir von Ihrer Berichterstattung eine Darstellung, die die strukturellen Hintergründe und Zusammenhänge des Lehrkräftemangels aufzeigt. Dies würde nicht nur die Diskussion bereichern, sondern auch zu einem besseren Verständnis der Problematik beitragen.