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Wirtschaft regional

Made in Hedendorf ist gefragt

Christian Heiland, Teamleiter der Elektrik, bei einer Besprechung mit seiner Kollegin Katharina Wulf (22). Die Altländerin hat – nach einem Praktikum – bei der Herbert Dammann GmbH in Hedendorf eine Ausbildung zur Land- und Baumaschinen-Mec

Christian Heiland, Teamleiter der Elektrik, bei einer Besprechung mit seiner Kollegin Katharina Wulf (22). Die Altländerin hat – nach einem Praktikum – bei der Herbert Dammann GmbH in Hedendorf eine Ausbildung zur Land- und Baumaschinen-Mec

Die Auftragsbücher der Herbert Dammann GmbH sind gefüllt und die Produktion läuft auf Hochtouren – insbesondere im Bereich Pflanzenschutztechnik. Ein Grund sei laut Unternehmenssprecher Oliver Hoinik der „frühere Vegetationsbeginn“. Doch auch er spürt den Fachkräftemangel.

Von Björn Vasel Dienstag, 19.03.2019, 19:47 Uhr

Die Landwirte und Lohnunternehmer sollen ihre Anhängespritzen und Selbstfahrer „möglichst schnell einsetzen“ können. Der Mittelständler könnte deutlich mehr produzieren, doch Fachkräfte fehlen. „Wir suchen Fachkräfte“, betont der Unternehmenssprecher, Oliver Hoinik. Mittlerweile arbeiteten bereits rund 140 Mitarbeiter bei dem 1979 von Herbert Dammann (1944-2011) gegründeten Unternehmen für Pflanzenschutz-, Fahrzeug- und Airporttechnik in Hedendorf bei Buxtehude. Vor allem Schweißer, Schlosser sowie Land- und Baumaschinenmechatroniker würden händeringend gesucht. Sechs Auszubildende gibt es im Schnitt, in der Entwicklungsabteilung arbeiten neun Ingenieure.

Kunden aus aller Welt stehen Schlange, die Exportquote betrage rund 40 Prozent. Deutschland ist mit einem Anteil von 60 Prozent weiterhin der Hauptmarkt. Der außereuropäische Markt kommt auf einen Anteil von fünf Prozent. Kürzlich wurde ein Pflanzenschutzgerät nach Chile geliefert. „Wir könnten deutlich mehr produzieren als heute, wenn wir mehr Arbeitskräfte hätten“, sagt Oliver Hoinik. Dann könnte Dammann auch eine geplante weitere Produktionshalle im Gewerbegebiet an der Harsefelder Straße in Hedendorf bauen. Denn in dem 2006 eröffneten Werk wird es langsam eng.

„Wir benötigen Mitarbeiter mit Köpfchen – und keine Fließbandarbeiter. Wir sind schließlich eher eine Manufaktur, unsere Kunden stellen sich ihre Hightech-Geräte individuell zusammen.“ Wer jetzt bestelle, bekommt sein Gerät „frühestens“ im September. 15 bis 20 Wochen dauert die Produktion – von der Bestellung bis zur Auslieferung. Damit die Kunden mit ihren Selbstfahrern und Anhängespritzen noch im Frühjahr auf den Acker kommen, wird länger gearbeitet; ein Bonus in Form eines Sondergutscheins winkt.

{picture1s} 45 000 Euro bis 500 000 Euro (und mehr) koste die Technik made in Hedendorf. Bei Tandemspritzen sind die Hedendorfer konkurrenzlos. Doch es ist nicht nur die Größe mit Arbeitsbreiten von 36 Metern, sondern vor allem die satelliten- und computerunterstützte Technik mit Hightech-Düsen, die heutzutage kaufentscheidend sei. „Bei uns hat die Digitalisierung bereits im Jahr 1997 begonnen. Was wir bereits seit Jahren anbieten, das haben andere erst seit 2018 serienmäßig“. Die Dammann-Geräte arbeiteten „auf zwei Zentimeter“ genau – unterstützt (je nach Antenne) von 10 bis 28 Satelliten.

Mit den Düsen lassen sich die Flüssigdünger und die Pflanzenschutzmittel höchst präzise ausbringen. „Landwirte und Lohnunternehmer wollen möglichst wenig verbrauchen – zum Schutz der Umwelt und des Bodens und um Geld zu sparen“, sagt der Firmensprecher. Die Technik sei vernetzt, die Ernte- und Düngedaten könnten in Verbindung gesetzt werden, um im Folgejahr noch präziser zu arbeiten – und um die Landwirte bei der Wahl der Folgekultur zu unterstützen. Hinzu kämen die hohen Auflagen beim Chemie-Einsatz. Nicht nur auf Großbetrieben kommt deshalb die Dammann-Technik zum Einsatz, kleinere Betriebe vergeben den Pflanzenschutz zunehmend gebündelt an Lohnunternehmer, so Hoinik.

Der Clou: Die Selbstfahrer können, nachdem die Fahrgassen einprogrammiert wurden, im Grunde selbst fahren. Der Fahrer ist der Kontrolleur. Außerdem gibt es unter anderem N-Sensoren, sie berechnen anhand des Blattgrüns die notwendige Düngermenge. Durch das Mehrfachdüsensystem können die Geräte für Flüssigdüngung und Pflanzenschutz genutzt werden. Unkrautsensoren seien in der Entwicklung.

{picture2s} Bis heute profitiert die mittlerweile von Tochter Nadine Dammann geleitete Firma von den Erfindungen ihres Vaters Herbert Dammann, der Landwirt hatte vor mehr als 50 Jahren das erste Gestänge selbst gebaut und (nach der wachsenden Nachfrage) am 15. März 1979 das Unternehmen gegründet. Schon vorher hatte der Technikbegeisterte eine Pflanzenschutzspritze auf einen Unimog montiert; im Jahr 1984 baute Dammann den ersten Selbstfahrer für Pflanzenschutz. Mit Hilfe der höchst präzisen Düsentechnik konnten neue Geschäftsfelder erschlossen werden – etwa Airport-Enteiser für Start- und Landebahnen. Danach stiegen sie groß ins Winterdienstgeschäft ein.

Autobahnmeistereien und kommunale Bauhöfe setzen auf Straßenenteisungsgeräte („Solesprüher“) made in Buxtehude.

Im Winter sind im Freistaat Sachsen bei der Autobahnmeisterei fünf Straßenenteiser in Dienst gestellt worden. Die Einsparungen durch die Solesprüher sind im Vergleich zu den klassischen Salzstreuern enorm, bis zu 70 Prozent der Kosten könnten Bund, Land und Kommunen sparen. Es gebe keine Verwehverluste, mehrere Stunden vor der Glättebildung könne diese präventiv ausgebracht werden.

Und auch bei der Flughafentechnik kommen weitere (Groß-) Flughäfen hinzu: So haben die Hedendorfer den Ende 2018 eröffneten neuen Istanbuler Mega-Flughafen „mit 18 Flughafen-Enteisungsgeräten“ ausgestattet. Versprüht wird zum Schutz der Triebwerke der Flugzeuge das teure Kaliumformiat bei bis zu 50 km/h. An den Auslegern sind je 240 Düsen montiert. Die luftgefüllten Tropfen des Enteisungsmittels zerplatzen mit hoher Aufprallgeschwindigkeit in viele kleine. So wird das Mittel mit deutlich geringerer Abdrift exakt verteilt. Das schone die Umwelt und reduziere die Kosten. „Dort, wo bereits gesprüht worden ist, schalten sich die Düsen – wie auch beim Pflanzenschutz – automatisch aus“, betont Firmensprecher Hoinik. Dieser Auftrag könnte neue Märkte in Asien erschließen, bislang gibt es nämlich erst einen „Dammann“-Airport in Asien: Shenyang in China.

www.dammann-technik.de

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