Mariahilf-Klinik trennt sich von Geschäftsführer und Chefärztin
Mit zwei Personalentscheidungen reagiert die Helios Mariahilf Klinik auf die Unruhe rund um die Geburtshilfe des Krankenhauses – auch wenn offiziell abgestritten wird, dass die Trennung vom Klinikgeschäftsführer damit in Verbindung steht. Auch die Chefärztin der Geburtshilfe geht.
Maike Manz, bis zum vergangenen Freitag Chefärztin für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Helios Mariahilf Klinik an der Stader Straße in Harburg, hatte mit ihrer scharfen Kritik an der Klinikführung und an der Geburtshilfe in deutschen Krankenhäusern allgemein den Skandal um die Helios Mariahilf Klinik überhaupt erst ausgelöst. Sie hatte ihren Job bereits im vergangenen Dezember nach nur knapp zweijähriger Amtszeit zum Sommer gekündigt. Mit ihr verlassen vier von sieben Oberärztinnen ebenfalls die Abteilung. Ein halbes Jahr zuvor sollen bereits acht Hebammen und davor Kinderärzte gekündigt haben.
Sie habe in vielen, vielen Gesprächen mit der Geschäftsführung erkennen müssen, dass „wir unter den derzeitigen Bedingungen unseren Ansprüchen an die medizinische Versorgung, eine patientenfreundliche Organisation und den Umgang mit Mitarbeitern nicht mehr gerecht werden können“, so Manz, die anlässlich ihrer Kündigung einen Brandbrief geschrieben hatte und diese Begründung später in einem Interview mit der Hamburg-Ausgabe der „Zeit“ wiederholte.
Wie zur Bestätigung ihrer Kritik musste die Klinik dann am ersten Februarwochenende zeitweilig den Kreißsaal schließen und Schwangere abweisen, weil es krankheitsbedingt an Ärzten mangelte, wie die Klinikleitung erklärte. Dass ausgerechnet an dem besagten Wochenende eine sechsfache Mutter während der Geburt ihres siebten Kindes starb, sorgte für Entsetzen und weitere Negativ-Schlagzeilen – wobei die Klinikleitung versicherte, dass der Todesfall sich außerhalb der Sperrzeiten ereignet und nicht in Zusammenhang mit dem zeitweiligen Personalmangel gestanden habe.
Bei einer Personalversammlung am vergangenen Donnerstagnachmittag wurde den Mitarbeitern der Helios Mariahilf Klinik nun bekanntgegeben, dass Chefärztin Manz sich mit dem Klinikkonzern auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt habe. „Dr. Manz und die Verantwortlichen der Klinik sind sich darüber einig geworden, dass eine Zusammenarbeit in der jetzigen Situation aus nachvollziehbaren Gründen keine Zukunft mehr hat“, heißt es in einer entsprechenden Erklärung der Klinik. Es sei gegenseitiger Wunsch gewesen, das Arbeitsverhältnis, das eigentlich erst Ende Juni 2019 geendet hätte, bereits jetzt zu beenden.
Chefärztin Manz habe eine familienorientierte, sehr engagierte Geburtshilfe geführt, heißt es in einer Anfrage der Grünen zu den Vorfällen in der Helios Mariahilf Klinik bei der Hamburger Gesundheitsbehörde. Sie habe es geschafft, die Kaiserschnittrate von 30 auf 20 Prozent zu senken. Das könne nur mit genügend Hebammen und Ärzten und einer intensiven und persönlichen Betreuung der Frauen bei der Geburt geleistet werden.
Doch eine gute und individuelle Betreuung bei der Geburt ist zeit- und personalintensiver als ein Kaiserschnitt. Ein Kaiserschnitt bringt einer Klinik etwa 1000 Euro mehr ein als eine natürliche Geburt. Mit normalen vaginalen Geburten ist der Gewinn einer Klinik geringer. In diesem Zusammenhang soll es zu massiven Differenzen zwischen dem bisherigen Geschäftsführer, Hebammen und Ärzten gekommen sein. Proteste beider Berufsgruppen sollen ignoriert worden sein.
Die Hamburger Gesundheitsbehörde geht in ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage indes davon aus, „dass die geburtshilfliche Versorgung im Süderelberaum auch weiterhin sichergestellt ist“.
Ab sofort übernimmt Dr. Giovanni Di Favero, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie, die kommissarische Leitung der Abteilung für Geburtshilfe. Unterstützt wird er von Dietmar TeHeesen, dem leitenden Oberarzt der Geburtshilfe. „Die Versorgung der Familien südlich der Elbe ist weiterhin sichergestellt“, versichert auch die Klinik.
Auch in der Geschäftsführung der Helios Mariahilf Klinik wird es eine Veränderung geben. Der zuletzt heftig kritisierte Klinikgeschäftsführer Phillip Fröschle wird die Klinik Ende März auf eigenen Wunsch hin verlassen, „um sich neuen Aufgaben außerhalb der Helios Unternehmensgruppe“ zu widmen, wie die Unternehmenskommunikation der Helios Verwaltung Nord GmbH in einer weiteren Presseerklärung mitteilt. Sein Nachfolger zum 1. April wird Torge Koop. Der 46-Jährige wechselt vom Helios Hanseklinikum Stralsund in die Harburger Klinik. „Die Entscheidung ist bereits im vergangenen Jahr gefallen“, erklärte Phillip Fröschle. „Sie hat definitiv nichts mit der aktuellen Diskussion um unsere Geburtshilfe zu tun.“
Regionalgeschäftsführer Dr. Marc Baenkler dankte Phillip Fröschle für die geleistete Arbeit, „gerade in der vergangenen, nicht immer leichten Zeit“: „Ich bedauere seine Entscheidung, Helios zu verlassen, sehr.“
Wie mehrfach berichtet, ist die Mariahilf-Klinik die einzige Geburtsklinik im Hamburger Süden, seit die Geburtsstation des Asklepios Klinikums Harburg per Senatsbeschluss Ende 2016 geschlossen werden musste. In der geburtshilflichen Abteilung werden seither jährlich etwa 2300 Familien vor, während und nach der Geburt begleitet.
Fröschles Nachfolger Torge Koop ist approbierter Mediziner. Seit 2015 hat er die Helios Klinik Wesermarsch geleitet, ehe er 2017 nach Stralsund wechselte. Der Mediziner und Gesundheitsökonom hat viele Jahre Erfahrung im Krankenhausmanagement gesammelt.
Von 2009 bis 2015 war Koop Leiter für den Unternehmensbereich Marktbeobachtung und Strategie bei den Asklepios Kliniken in Hamburg. Davor ist der gebürtige Bremer, der sein Abitur in Schwanewede und sein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Lübeck absolvierte, in verschiedenen Positionen für die Bereiche Medizin-Controlling und Krankenhausbudgets tätig gewesen. Weitere akademische Managementgrundlagen erwarb Koop mit seinem Masterstudium Gesundheitsmanagement an der Universität Hamburg, welches er 2010 mit dem Master of Business Administration (MBA) abschloss.
Die Helios Mariahilf Klinik Hamburg an der Stader Straße in Harburg bietet bei 176 Planbetten eine Notfallversorgung für Erwachsene, aber vor allem für Kinder und für Frauen mit gynäkologischen Beschwerden an. In den Abteilungen Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinderchirurgie, Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin, Kardiologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie und Anästhesie und Radiologie arbeiten rund 450 Mitarbeiter. Ein medizinischer Schwerpunkt der Klinik ist das Frau-Mutter-Kind-Zentrum. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg. 1900 wurde das Mariahilf-Krankenhaus von Pastor Johannes Meyer mit Ordensschwestern gegründet. Im Jahr 2007 wurde die Mariahilf-Klinik durch die Helios Kliniken Gruppe übernommen. Helios ist nach eigenen Angaben Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 100 000 Mitarbeitern und jährlich rund 19 Millionen Patienten. 2018 erzielte das Unternehmen im In- und Ausland einen Gesamtumsatz von 9 Milliarden Euro.